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16 Batterie-Busse von BYD für die RVS Dahme – Spreewald

© Christian Marquordt

Im Südosten von Berlin liegt der Landkreis Dahme – Spreewald. Von der Fläche ist er recht groß, er grenzt im Norden unmittelbar an Berlin und im Südosten fast an Cottbus. Auch Berlins neuer Flughafen auf dem Gebiet der Gemeinde Schönefeld liegt im Kreis. Größte Stadt des Kreises ist mit fast 40.000 Einwohnern Königs Wusterhausen, das bis 1993 Kreisstadt des dann in der größeren Verwaltungseinheit aufgegangenen Kreises Königs Wusterhausen war.

Der Kreis hat ein eigenes Verkehrsunternehmen, die „Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme – Spreewald mbH (RVS)“ mit Sitz in Luckau. Auch die RVS entstand durch die Fusion zweier Unternehmen, nämlich desjenigen, das für den ehemaligen Kreis Königs Wusterhausen zuständig war, und des Betriebs, der im Südteil des heutigen Kreises Dahme – Spreewald unterwegs war.

Die RVS hat drei Betriebshöfe in Luckau, Lübben und Mittenwalde (südlich von Berlin). Sie verfügt über 149 Busse, vor allem der Marken Iveco und Mercedes-Benz, es gibt aber auch mit einem Reisebus vom Typ „Ikarus 250“ einen „Traditionsbus“.

Doch seit dem 8. Juli 2025 geht es wesentlich „bunter“ im Wagenpark zu. Denn an diesem Tag stellte die RVS auf ihrem Betriebshof in Mittenwalde 16 batterie-elektrische, 12 Meter lange Solowagen vom Typ „K 9 UD“ des chinesischen Herstellers BYD in Dienst. Vorausgegangen war der Test eines solchen Busses im Bereich Königs Wusterhausen im vergangenen Jahr 2024, bei dem er nicht zuletzt für die Beförderung der Schüler der Blindenschule in der´Stadt eingesetzt wurde. Die Tests verliefen erfolgreich, die RVS platzierte den Auftrag.

© Christian Marquordt
© Christian Marquordt

Jetzt sind die Wagen also eingetroffen. Anders als man vielleicht erwarten könnte, kommen sie nicht aus dem europäischen Buswerk von BYD in Ungarn. Horst Woitschig, der Vertriebschef von BYD für Deutschland, Österreich und die Schweiz, erklärt stattdessen, dass die Busse in einem der drei Buswerke von BYD in China gebaut worden sind. Warum das? Vermutlich, weil das ungarische Werk „zu voll“ ist: nicht ohne Grund schickt BYD sich an, das Werk in Ungarn deutlich zu vergrößern und seine Kapazität schlicht zu verdreifachen.

Die neuen BYD K 9 UD im einzelnen

Die neuen BYD der RVS sind 12.200 mm lang, 2.550 mm breit und 3.300 mm hoch. Sie haben 35 Sitz- und 36 Stehplätze, die Sitze kommen – wie bei sehr vielen heutigen Bussen – vom deutschen Hersteller Kiel. An der Mitteltür gibt es eine große „Sondernutzungsfläche“ für stehende Fahrgäste, Kinderwagen und Gepäck der Fahrgäste. Und hier an der Mitteltür gibt es auch eine manuell ausklappbare Rampe. Denn die neuen BYD können sogar Elektro-Rollstühle mitnehmen, sofern die entsprechend sicher sind. Was nicht nur bedeutet, dass die solide standfest sein müssen (damit sie nicht während der Fahrt umstürzen können), sondern dass sie auch elektrotechnisch entsprechend gesichert sein müssen.


Die Batterien der Wagen kommen von BYD selber – nicht verwunderlich, BYD mit Sitz im chinesischen Shenzhen ist im Ursprung ein Unternehmen der Elektroindustrie, das sein Geld seit je nicht zuletzt mit der Produktion wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akkumulatoren verdiente. Anfang dieses Jahrtausends erkannte BYD, dass sie als Unternehmen der Elektro-Industrie ja alles das im eigenen Haus herstellen, was man elektrotechnisch zum Bau von Elektro-Autos und -Nutzfahrzeugen braucht. Also wurde im Januar 2003 die „BYD Auto Co Ltd.“ gegründet, die sich – nicht untypisch für ein Unternehmen dieser Branche aus China – sehr schnell zu einem der größten Hersteller von Elektro-Fahrzeugen weltweit entwickelt hat. Anmerkung: das Unternehmen erklärt seinen Namen BYD mit dem englischen „Build Your Dream“. Tatsächlich führt sich das „Y“ im Firmennamen allerdings auf die „Yadi Straße“ in Shenzhen zurück. Aber für Menschen außerhalb Chinas ist das englische „Build Your Dream“ wesentlich verständlicher.

Die neuen BYD-Elektrobusse der RVS haben Lithium-Eisen-Phosphat Batterien (LFP) mit einer Kapazität von 422 kWh, die ihren Platz auf dem Dach der Busse gefunden haben. Sie verleihen den Wagen eine Reichweite von 450 Kilometern, BYD allerdings ist vorsichtig und hat im Kaufvertrag nur eine Reichweite von 300 Kilometern garantiert. RVS-Geschäftsführer Richter allerdings sagt: „Für unsere täglichen Einsätze in und um Königs Wusterhausen reichen auch die 300 Kilometer vollkommen aus, kein Bus wird mit leer gefahrenen Batterien liegen bleiben.“

Die Wagen sind reine Depotlader, Nachladen unterwegs auf der Linie ist nicht notwendig. Die Verbindung  zwischen der Stromquelle und den Batterien des Busses wird über Kabel und CCS-Combo-Stecker hergestellt.                     

Zum Einsatz der neuen BYD

Die 16 neuen BYD sind auf dem Betriebshof in Mittenwalde stationiert. Eingesetzt werden sollen sie vor allem im Stadt- und Nachbarortsverkehr von Königs Wusterhausen. RVS-Geschäftsführer Siegfried Richter sagt, der Einsatz in und bei der größten Stadt des Kreises sei am sinnvollsten, hier im dicht besiedelten Bereich könnten die neuen Busse ihre Vorzüge als Wagen ohne Schadstoffemissionen am ehesten nutzbringend ausspielen, hier könne die Umwelt am ehesten von ihnen profitieren.

© Christian Marquordt

Und zur Zukunft

Natürlich will auch die RVS in Zukunft weg vom Bus mit Verbrennungsmotor für fossile Kraftstoffe. Und hin zum emisionsfreien Bus. Die BYD werden also nicht die einzigen batterie-elektrischen Busse der RVS bleiben. Jedenfalls nicht im nördlichen Kreis Dahme-Spreewald. Für den südlichen Teil des Kreises erwägt man alllerdings, emissionsfreie Busse mit einer anderen Antriebstechnologie zu beschaffen, nämlich Wagen mit Wasserstoff-Brennstoffzelle, die sich ihren Fahrstrom durch die Reaktion des Wasserstoffs mit dem Sauerstoff der Luft in der Brennstoffzelle selber herstellen. Für die Umwelt ist es wichtig, dass die Busse emissionsfrei unterwegs sind, wobei es gleichgültig ist, wie sie das machen. Für den Verkehrsbetrieb ist es aber möglicherweise vorteilhaft, dass das Land Brandenburg den Südteil des Kreises als Ausgleich für weggefallenen Braunkohletagebau zu einer Wasserstoff-Region entwickeln will. „Da,“ so Geschäftsführer Richter, „hätten wir den Wasserstoff unmittelbar vor unserer Haustür. Keine langen Transportwege, und wir müssten auch nicht aufwändig eine Elektro-Infrastruktur für unsere Busse schaffen.“

Die Demonstrationsfahrt

Zur Vorstellung der neuen BYD auf dem Betriebshof Mittenwalde gehörte auch eine gut halbstündige Demonstrationsfahrt. Sie führte von Mittenwalde über Schenkendorf an den künftigen Einsatzort Königs Wusterhausen und von dort über Ragow und die Autobahn 13 zurück nach Mittenwalde. Der Wagen lag ruhig auf der Straße, „bügelte“ dank guter Federung Unebenheiten ordentlich weg und war, typisch Elektrobus, „traumhaft“ leise. Build your noise-reduced dream. Und auf der Autobahn zeigte er, dass er auch flott kann.                    

© Christian Marquordt
© Christian Marquordt
22.07.2025