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25 Jahre StadtBus Dormagen

Sieben neue Hybridbusse vom Typ MAN Lion´s City (C12) sind im Auftrag der Dormagener Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft unterwegs | © Stadt Dormagen / Presse DB
Zur Stadt Dormagen

Auf dem linken Rheinufer gegenüber von Monheim und den südlichen Stadtteilen von Düsseldorf liegt die Stadt Dormagen, mit gut 65.000 Einwohnern wahrlich keine kleine Stadt. Läge sie in der Lüneburger Heide, wäre alle Welt beeindruckt ob ihrer Größe. Dormagen indes hat ein „Problem“, und das sind seine beiden unmittelbar angrenzenden Nachbarn. Als da wären im Norden Neuss mit rund 160.000 Einwohnern und im Süden Köln mit mehr als einer Million Bürgern. In der Lüneburger Heide wäre Dormagen mit 65.000 Menschen ganz groß, im verstädterten größten Bundesland Nordrhein-Westfalen fällt man zwischen zwei solchen Großstädten eher nicht auf … Dabei ist Dormagen ein wichtiger Standort der nordrhein-westfälischen Chemie-Industrie.

Der Stadtname führt sich zurück auf die Zeit der Kelten und mithin auf Zeiten noch vor den Römern. In unser heutiges Deutsch übertragen bedeutet er „Kiesfeld“ oder „Kiesberg“. Das ist logisch: der Rhein schleppt jede Menge Kies heran.

Der StadtBus

Seit dem 01. Juni 1997 gibt es in Dormagen ein eigenes Stadtbussystem. Zu  der Zeit wurden in Nordrhein-Westfalen mit kräftiger Unterstützung der Landesregierung mehrere Stadtbus-Systeme gegründet.. Es seien hier mal die Städte Detmold, Euskirchen, Hürth und Lemgo genannt. Und in dieser Gruppe spielte Dormagen jetzt also auch mit.

Allen diesen Stadtbussystemen war eines gemeinsam: die Stadtbusgesellschaften hatten (und haben) keine eigenen Fahrzeuge und kein Fahrpersonal. Vielmehr greifen sie da auf die Mithilfe („im Auftrag“) bestehender Busbetriebe zurück. In Detmold war das Firma Vogt, in Euskirchen Firma Laschke – heute die Regionalverkehr Köln (RVK), in  Hürth immer die RVK, und in Lemgo Firma Linke.

Beauftragt von den Aufgabenträgern organisierten die Stadtbusgesellschaften den Stadtverkehr. Sie sagten, welche Linien gefahren werden soll(t)en, In welchem Takt die unterwegs sein sollen, und vor allem waren und sind sie dafür zuständig, dem Unternehmen, das da „im Auftrag“ die Leistungen erbringt, den vereinbarten Preis pro Kilometer zu zahlen.

Auch dafür, das notwendige Fahrpersonal zu stellen, sind die Unternehmen zuständig, die die Bedienung der Linien übernommen haben.

Dormagen entschied sich aufgrund einer Ausschreibung vom ersten Tag an dafür, dass auf den StadtBus-Linien die DB-Tochter „Busverkehr Rheinland GmbH (BVR)“ aus Düsseldorf fahren sollte. Man begann mit Niederflur-Midibussen des Typs Neoplan N 4011, die für jene ersten Jahre ausgesprochen typisch für Nordrhein-Westfalens neue Stadtbussysteme waren.

Dormagen, Bahnhof 1997: BVR „D-AL 7006“, Neoplan N 4011, Erstzulassung 1997 | © Christian Marquordt
Neoplan N 316 L/NF Regioliner vom Jahrgang 1996, für den Stadtbus Dormagen | © Christian Marquordt
Dormagen, Bahnhof 2001: BVR „D-BV 7018“, Setra S 315 NF, Erstzulassung 1997 | © Christian Marquordt
BVR „D-AL 6018, MAN NL 263 Niederflur, auf dem Markt in Dormagen 1997 | © Christian Marquordt
Dormagen, Bahnhof 1997: BVR „D-BV 6009“, Setra S 315 NF, Erstzulassung 1996 | © Christian Marquordt

Im Laufe der Jahre wurden – dank steigender Fahrgastzahlen – die Busse auf den Linien größer. Heute gibt es hier nur noch den 12 Meter langen Niederflur-Solowagen. Der Fuhrpark, den die BVR für Dormagen bereithält, besteht heute aus fünf Mercedes-Benz Citaro und sechzehn MAN Lion’s City. Insgesamt also respektabele 21 Busse.

Ursprünglich waren diese Busse der BVR auf die Unternehmenszentrale in Düsseldorf zugelassen (Kennzeichen also D-BV ….“). Seit Ende 2020 gibt es für die Dormagener Stadtbusse neue Kennzeichen: „NE-SB ….“. (NE = Dormagen gehört zum Kreis Neuss, SB = Stadtbus). Die Wagen gehören nichts desto trotz nach wie vor der BVR.

D-BV 724, ein Mercedes-Benz Citaro vom Jahrgang 2007, am Bahnhof Dormagen | © Christian Marquordt
MAN Lion’s City 12 des Jahrgangs 2021 | © Stadtbus Dormagen

Heute bedient der Stadtbus Dormagen die Linien 881 bis 886. Sie verkehren montags bis freitags von kurz nach 5 Uhr bis etwa 20.30 Uhr, teils im 20- und teils im 30-Minuten Takt (letzteres Linien 883 und 886). Sobald die „regulären“ Linien ihren Betrieb eingestellt haben, nehmen die „Nacht-Express-Linien“ NE 1 bis NE 3 ihren Dienst auf. Sie fahren etwa bis Mitternacht alle 60 Minuten, freitags, samstags und vor Feiertagen allerdings sogar bis rund 3 Uhr in der Nacht.

Und samstags und sonntags tagsüber? Da verkehren die Linien WE 1 bis WE 3 (WE = Wochenend-Express), samstags im 30-Minuten-Takt und sonn- und feiertags stündlich. Ihre Linienwege sind identisch mit denen der Nacht-Express-Linien. Und zum 05. Februar kommt jetzt auch noch die neue Linie WE 4 dazu, die jetzt auch den Stadtteil Horrem an das Liniennetz anbindet.

Im normalen Linienverkehr werden täglich rund 3.900 Kilometer gefahren, dazu kommen 2.000 Kilometer im Schülerverkehr. Wobei die BVR im Schülerverkehr auch Subunternehmer einsetzen darf.

Dazu gibt es die Linie ALT 5. ALT steht für Anruf-Linien-Taxi. Hier ist das Unternehmen Taxi Hillmann im Auftrag des StadtBusses unterwegs. Die Linie verkehrt vom Stadtzentrum über Augustinushaus, Im Niederfeld und das „Stadtbad Sammys“ zum Dormagener Bahnhof. Und wie das mit solchen Anruf-Linien-Taxis so ist: die ALT 5 fährt nur, wenn man spätestens eine halbe Stunde vorher gesagt hat, dass man mitfahren möchte. Dann allerdings zu genau definierten Abfahrtszeiten an den jeweiligen Haltestellen.

STADTBUSsi

Neu ist das Angebot „STADTBUSsi“ (tatsächlich just so geschrieben). Eingesetzt werden zwei elektrische „Londoner Taxis“ vom Typ TX des Herstellers LEVC (London Electric Vehicle Company), einem Unternehmen, das in seinen Ursprüngen auf das Jahr 1908 zurückgeht und seinen Sitz – seinem Namen zum Trotz – in dem Ort Ansty in der Grafschaft Warwickshire hat. Hier hat man gerade eine völlig neue Produktionsstätte errichtet, in der man mit 500 Mitarbeitern seine Fahrzeuge baut.

Der LEVC TX wird angetrieben durch das „eCity“-System von LEVC. Normalerweise bezieht er seinen Fahrstrom aus der Batterie. Sollte die einmal nicht mehr genügend Kapazität haben, springt ein 1,5 Liter Benzinmotor an, der einen Generator antreibt, der dann den nötigen Fahrstrom herstellt. Dementsprechend betont LEVC auch, dass der Wagen immer elektrisch fährt.

LEVC „Stadtbussi“ vor dem Bahnhof Dormagen | © Stadtbus Dormagen

Kehren wir zu den beiden STADTBUSsi in Dormagen zurück. Aufgrund eines Beschlusses des Aufsichtsrats der „Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen GmbH (SVGD)“ verkehren sie parallel zu den StadtBussen zu den Zeiten, wenn die WE- und NE-Linien unterwegs sind. Sie sind aber weder an einen festen Fahrplan noch an einen festen Linienweg gebunden, sondern bringen den Fahrgast auf dem direktesten Weg vom Einstieg an sein Ziel. Der Unterschied zum Taxi besteht darin, dass die Fahrtwünsche verschiedener Kunden mit ähnlichem Fahrweg zusammengefasst und in einer gemeinsamen Fahrt bedient werden.

STADTBUSsi’s Fahrpreis setzt sich zusammen aus einem Grundpreis und einem von der Entfernung abhängigen Luftlinien-Tarif. STADTBUSsi ist zwar preiswerter als ein Taxi, dafür muss der Fahrgast aber auch akzeptieren, dass unterwegs andere Fahrgäste aufgenommen oder abgesetzt werden und damit gewisse Umwege gefahren werden können. Erwachsene zahlen beispielsweise für eine Fahrt über 12 Kilometer Luftlinie immerhin 12 Euro.

STADTBUSsi hält an allen Haltestellen der regulären Stadtbusse. Und dazu sind noch weitere 19 spezielle  STADTBUSsi-Haltestellen eingerichtet worden.

Die beiden Fahrzeuge stellt ebenfalls die DB-Tochter Busverkehr Rheinland (BVR). Die Fahrer sind bei  CleverShuttle angestellt, ebenfalls ein Tochterunternehmen des DB-Konzerns. Bestellen kann man STADTBUSsi über die STADTBUSsi-App, und die hat „Loki“ entwickelt, ebenfalls eine DB-Tochter. Zitat aus einer Erklärung der Stadtbusgesellschaft Dormagen:; „Somit haben wir alles von einem starken Anbieter und sind so bestens versorgt bei Ausfällen und längeren Standzeiten, da wir dann ersatzweise aus dem Pool der DB bedient werden mit Fahrzeugen und Fahrpersonal.“

Wasserstoffbusse

Im November hat der Stadtbus Dormagen ja einen Brennstoffzellen-Bus vom Typ „H 2 City Gold“ des portugiesischen Herstellers Caetano getestet (UTM berichtete: https://www.urban-transport-magazine.com/ein-wasserstoffbus-fuer-dormagen/). Der Wagen hat auch in Dormagen gut gefallen. Deshalb also die Frage: wie geht es weiter mit Wasserstoffbussen in der Stadt? Antwort: im Chempark in der Stadt soll Europas größte Wasserstoffanlage gebaut werden, und hier sollen Dormagens Wasserstoffbusse auch betankt werden. Damit ist die Umstellung auf Brennstoffzellen-Busse in der Stadt abhängig von dem Baufortschritt dieser Anlage.

Und noch etwas: aufgrund der Brennstoffzelle auf dem Dach sind Wasserstoffbusse zurzeit noch relativ hoch. Deshalb könnten sie zurzeit eine Unterführung in der Stadt nicht passieren. „Wir setzen darauf, dass es den Busherstellern noch gelingt, Brennstoffzellen-Busse niedriger zu machen.“  

07.06.2022
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Andrea Kunz
21 Tage zuvor

Eine sehr gelungene Zusammenfassung der Stadtbus-Geschichte in Dormagen. Herzlichen Dank dem Verfasser!