Automatisierung und Digitalisierung: Škoda zeigt in Mannheim sein Modell für Smart Depots und intelligenten ÖPNV

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Steigende Arbeitskosten, aber nicht zuletzt auch der immer deutlicher werdende Mangel an verfügbaren Fachkräften – einschließlich Fahrpersonal – sind seit einiger Zeit die wichtigsten Treiber für die Weiterentwicklung autonomer, fahrerloser Betriebsformen im öffentlichen Verkehr.

Bereits vor einigen Jahren, zwischen 2019 und 2022, führte Siemens Mobility umfangreiche Praxistests zur Automatisierung von Rangierprozessen im Depot der Verkehrsbetriebe Potsdam mit einer nachgerüsteten älteren Combino-Straßenbahn durch. Die Potsdamer Versuche zeigten, dass Depotautomatisierung die betriebliche Präzision erheblich verbessern, die Fahrzeugverfügbarkeit optimieren und die manuelle Arbeitsbelastung des Depotpersonals reduzieren kann. Für Siemens war dies eines der Schlüsselelemente eines umfassenderen Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesses im öffentlichen Verkehr.

Auch der tschechische Hersteller Škoda verfolgt diesen Weg und möchte noch einen Schritt weitergehen. In Mannheim präsentierten die Škoda Group und der lokale Verkehrsbetrieb Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) heute, am 27. Mai 2026, eine weitreichende Vision für die Zukunft intelligenter Straßenbahndepots und autonomer urbaner Schienenmobilität. Die Demonstrationsveranstaltung „Autonomy Day“ konzentrierte sich darauf, wie Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz und intelligente Betriebssysteme den Straßenbahnbetrieb, die Wartung und die Sicherheit transformieren können. Die Veranstaltung kombinierte praktische Demonstrationen innerhalb eines aktiven Depots mit Live-Fahrten im Mannheimer Straßenbahnnetz und zeigte, wie zukünftige Straßenbahnsysteme mit deutlich weniger manuellen Eingriffen betrieben werden könnten, während gleichzeitig Effizienz und Sicherheit verbessert werden.

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Škodas Ansatz für ein Smart Depot

Ein zentrales Element der Präsentation war das Konzept des Smart Depots, das die Škoda Group als entscheidenden Schritt hin zu vollständig autonomen Straßenbahnsystemen im Stadtverkehr betrachtet. Das Smart Depot ist als hochvernetzte technologische Umgebung konzipiert, die autonome Fahrzeugbewegungen, digitales Betriebsmanagement und automatisierte Wartungsaktivitäten kombiniert. Anstatt Automatisierung als einzelne Technologie zu betrachten, integriert das Konzept zahlreiche Einzelsysteme zu einem koordinierten betrieblichen Ökosystem.

Innerhalb der Depotumgebung demonstrierten Straßenbahnen autonome Bewegungen wie automatisches Einparken, kontrollierte Fahrzeugführung, Hindernismanagement und automatisierte Durchfahrten durch Waschanlagen. Diese Bewegungen wurden durch ein zentrales Steuerungssystem überwacht, das in der Lage ist, Fahrzeugbewegungen im gesamten Depot zu koordinieren. Dieser Ansatz ermöglicht es Betreibern, Depotabläufe zu optimieren, sich wiederholende manuelle Aufgaben zu reduzieren und die Effizienz von Wartung und Flotteneinsatz zu steigern.

Die Škoda Group betonte, dass das Smart Depot zugleich als Testfeld für zukünftige autonome Mobilität dient. Technologien können in einer kontrollierten Depotumgebung validiert werden, bevor sie auf städtischen Straßen eingeführt werden. Das Unternehmen hob hervor, dass die technische Entwicklung parallel zur regulatorischen Entwicklung voranschreiten müsse, da zukünftige autonome öffentliche Verkehrssysteme neue Sicherheitsstandards, Betriebsregelungen und rechtliche Rahmenbedingungen erfordern werden. Aus diesem Grund beteiligt sich die Škoda Group an umfassenderen Branchendiskussionen über die zukünftige Regulierung autonomer urbaner Mobilität.

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Anti-Kollisions-System ACS

Ein weiteres wichtiges Thema der Veranstaltung war die Betriebssicherheit. Škoda stellte seine Technologien ACS (Anti-Collision System) und ISL (Intelligent Speed Limiter) vor, die Fahrer unterstützen und Risiken in komplexen städtischen Verkehrssituationen reduzieren sollen. ACS analysiert kontinuierlich die Fahrtrajektorie der Straßenbahn und ihre Umgebung, um mögliche Hindernisse und gefährliche Situationen zu erkennen. Im Gegensatz zu einfacheren Warnsystemen konzentriert sich ACS speziell auf den tatsächlichen Fahrkorridor des Fahrzeugs und hilft dadurch, unnötige Fehlalarme zu vermeiden, die Fahrer in dichten urbanen Umgebungen ablenken können.

Während der Demonstrationen erlebten die Teilnehmer Simulationen von Notfallsituationen, darunter automatische Bremsvorgänge im regulären Straßenbahnbetrieb in Mannheim. Das ACS-System kann bei Bedarf eingreifen, um Kollisionen zu verhindern oder deren Folgen zu mindern. Die Technologie erstellt zudem einen digitalen Zwilling der Verkehrsumgebung und generiert Betriebsdaten sowie Risiko-Hitzekarten. Diese Analysewerkzeuge könnten Verkehrsbetreibern künftig helfen, gefährliche Bereiche zu identifizieren, die Verkehrsplanung zu verbessern und gezielte Sicherheitsmaßnahmen im gesamten Straßenbahnnetz umzusetzen.

Das ISL-System ergänzt ACS, indem es die Fahrzeuggeschwindigkeit entsprechend den Infrastrukturbedingungen und der Fahrzeuglokalisierung steuert. Es kann die Geschwindigkeitskontrolle in Kurven oder auf unbekannten Strecken automatisch unterstützen und reagieren, wenn der Fahrer unaufmerksam oder handlungsunfähig wird. Zusammen stellen ACS und ISL einen wichtigen Schritt hin zu sichereren teilautonomen und später vollständig autonomen Straßenbahnbetrieben dar.

Digitales Flottenmanagement

Digitales Flottenmanagement bildete einen weiteren wichtigen Bestandteil der Präsentation. Škoda präsentierte Mobility Apps für Betriebssteuerung, Diagnostik, Wartungsplanung und Disposition. Diese Anwendungen ermöglichen es Verkehrsunternehmen, komplette Straßenbahnflotten von einer zentralen Leitstelle aus zu überwachen und zu verwalten. Flottenmanager können Fahrzeugverfügbarkeiten verfolgen, Depotbewegungen koordinieren und die betriebliche Leistung mithilfe von Echtzeitdaten und Leistungskennzahlen bewerten.

Einer der fortschrittlichsten Aspekte dieser Anwendungen ist die vorausschauende Wartung. Mithilfe digitaler Zwillinge, künstlicher Intelligenz und kontinuierlicher Datenerfassung von Fahrzeugen und Infrastruktur kann das System frühe Anzeichen von Komponentenverschleiß oder Ausfällen erkennen, bevor eine Störung auftritt. Dieser zustandsbasierte Wartungsansatz ermöglicht Wartungsarbeiten entsprechend dem tatsächlichen Zustand der Straßenbahn statt nach festen Wartungsintervallen. Dadurch können Betreiber unerwartete Ausfälle reduzieren, die Fahrzeugverfügbarkeit erhöhen und Wartungskosten senken.

Škoda präsentierte außerdem KI-gestützte visuelle Inspektionstechnologien. Kameras und Bildanalysesysteme überprüfen automatisch kritische Straßenbahnkomponenten wie Stromabnehmer, Bremsen und Außenstrukturen. Das System kann Schäden, Verformungen oder ungewöhnliche Betriebszustände erkennen und visuelle Daten mit Betriebsdiagnosen kombinieren, um präzisere Wartungsbewertungen zu ermöglichen.

Eine weitere Innovation, die während der Veranstaltung vorgestellt wurde, war die Self-Surveillance-Technologie. Im Gegensatz zu herkömmlichen passiven CCTV-Systemen nutzt diese Lösung KI-gestützte Echtzeitanalysen der Umgebung und Innenräume der Straßenbahn. Kameras können Personen oder Objekte in gefährlichen Bereichen rund um das Fahrzeug erkennen, Zwischenräume zwischen gekuppelten Fahrzeugen überwachen und sicherere Abfahrten von Haltestellen oder Depots unterstützen. Das System kann Fahrer, Disponenten oder Betriebspersonal automatisch vor entstehenden Risiken warnen.

Self-Surveillance verbessert außerdem die Sicherheit und den Komfort der Fahrgäste. Das System kann dabei helfen, Vandalismus zu erkennen, ungewöhnliche Situationen im Fahrzeuginneren zu überwachen und zusätzliche Situationsübersicht während des Betriebs bereitzustellen. In kritischen Fällen können Informationen an Leitstellen oder Rettungsbehörden weitergeleitet werden.

Der Weg in die Zukunft

Die von Škoda und rnv in Mannheim präsentierten Entwicklungen spiegeln einen breiteren europäischen Trend hin zu intelligenten, automatisierten urbanen Mobilitätssystemen wider. Die Automatisierung und Digitalisierung sämtlicher Betriebsprozesse werden zunehmend zur praktischen und unverzichtbaren Grundlage für die zukünftige Einführung autonomer Straßenbahnsysteme in europäischen Städten.

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27.05.2026