Urban Transport Magazine
Der Öffentliche Personen-Nahverkehr in Stadt und Region
  • de
  • en

BAG-SPNV Tagung in Fulda: Wie im Schienenpersonenverkehr die Verkehrswende gelingen kann

Einfahrt einer Doppeleinheit Dieseltriebwagen der Baureihe VT 650 (RS 1) in Tübingen I © Wolfgang Klee/ Deutsche Bahn AG

Am 27. Februar fand in Fulda die 20. Fachveranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des SPNV (BAG-SPNV) stattgefunden. Sie erreichte mit über 400 Teilnehmern erneut einen Rekord. Unter dem Thema „SPNV und Klimaziele – Wie die Verkehrswende gelingen kann“ standen Maßnahmen für mehr Qualität im Schienenpersonennahverkehr (SPNV), die bessere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten für mehr Fahrgäste sowie der Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen.

Zum 20sten Mal fand die BAG-SPNV Tagung in Fulda statt I © BAG-SPNV

Masterplan für Strukturreformen im System Bahn gefordert

In ihrem Einführungsvortrag forderte Susanne Henckel, Präsidentin der BAG-SPNV, eine grundlegende Änderung im System Bahn in Deutschland: „Wir brauchen bis zum Jahresende einen Masterplan für Strukturreformen im deutschen System Bahn. Dabei muss disruptives Denken nicht nur erlaubt, sondern gerade auch gefordert sein.“ Dazu zähle insbesondere eine vom DB Konzern unabhängige Infrastrukturgesellschaft, eine drastische Absenkung der Trassen- und Stationsentgelte sowie die Einrichtung einer Projektgesellschaft für den Deutschlandtakt und große Infrastrukturprojekte, in denen Kompetenzträger aus der gesamten Branche entscheidend an der Umsetzung mitwirkten.

Dr. Bernhard Knierim, Autor mehrerer Bücher zur Verkehrswende, machte deutlich, warum die Klimaziele nur erreicht werden können, wenn die Politik sich auf den öffentlichen Nahverkehr fokussiere. Es gehe darum, Verkehr zu vermeiden, zu verlagern und zu verbessern, damit mehr Menschen die Verkehrsmittel des Umweltverbunds nutzen, also um eine Verkehrsmarktreform

Flexibilisierung von Verkehrsverträgen für mehr Qualität im SPNV

Wie Verkehrsverträge in Zukunft gestaltet werden sollten, um auch bei langen Laufzeiten eine hohe Qualität des Angebots zu ermöglichen und Fahrgäste dauerhaft für den SPNV zu gewinnen, stand im Fokus der Vorträge von Thomas Dill, Bereichsleiter beim VBB, und Dr. Henning Tegner, Geschäftsführer der KCW GmbH, sowie der anschließenden Podiumsdiskussion mit Dr. Michael Vulpius, Geschäftsführer der BeNEX GmbH, und Bernhard Wewers, Geschäftsführer der NAH.SH. Das übereinstimmende Fazit: Verkehrsverträge müssen „atmen“. Verschiedene Mechanismen für Anpassungen und Innovationen, auch während der Vertragslaufzeit, sollten in Zukunft verstärkt angewendet werden.

Bessere Nutzung von Kapazitäten

Im zweiten Themenblock wurde vorgestellt, wie trotz Personalmangel und begrenzten Kapazitäten von Fahrzeugen und Infrastruktur kurzfristig mehr Fahrgäste befördert werden können. Jost Knebel, Geschäftsführer von NETINERA, zeigte auf, wie sein Unternehmen dem Lokführermangel begegnet, u.a. indem es in Zusammenarbeit mit der staatlichen Eisenbahnschule in Serbien Arbeitskräfte rekrutiert und ausbildet. Wichtig sei hierbei neben dem Erwerb von Sprachkenntnissen auch insbesondere, dass die Integration in Deutschland gelinge. Einen gestalterischen Blickwinkel nahm Matthias Fischer, Geschäftsführer von NEOMIND, ein und veranschaulichte, wie der Innenraum von Fahrzeugen so gestaltet werden kann, dass mehr Fahrgäste in angenehmem Ambiente befördert werden können und wie ein Innenraum nachfrageorientiert und flexibel mit wenigen Handgriffen verändert werden kann. Kim-Oliver Engelbach, Leiter Kapazitätsmanagement bei DB Netz, erläuterte, wie im Bestandsnetz durch kleinere infrastrukturelle Maßnahmen mehr Kapazitäten für den SPNV bereitgestellt werden können. In der anschließenden Podiumsdiskussion führte Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der BEG, aus, welche Ansätze sich in Bayern bereits in der Umsetzung befinden.

Alternative Antriebe und Aufbau von alternativer Ladeinfrastruktur

Alternative Antriebe und die zugehörige Infrastruktur sind wichtige Bestandteile für einen zeitnahen lokal emissionsfreien Antrieb auf der Schiene. Thomas Nawrocki, Leiter Fahrzeugmanagement der LNVG, berichtete über die ersten Erfahrungen mit Brennstoffzellentriebzügen vom Typ iLINT in Niedersachsen. Saskia Schulz, Managerin bei Alstom, sprach über die Entwicklung der ersten stationären Ladeinfrastruktur für Wasserstoff und zeigte auf, welches Potential für die Speicherung regenerativer Energien in der neuen Technologie steckt. Marcus Kliefoth, Leiter Ingenieursdienstleistungen bei DB Energie, verdeutlichte, welche Möglichkeiten Elektrifizierungsinseln für den Einsatz von batterieelektrischen Zügen bieten. Die anschließende Podiumsdiskussion mit Ruth Niehaus, Projektleiterin bei der NAH.SH, und Heiko Noll, Leiter Strategie bei DB Netz, stellte die Frage ins Zentrum, wie die für den geplanten Einsatz von Akku-Zügen in Schleswig-Holstein notwendige Ladeinfrastruktur rechtzeitig bereitgestellt gestellt werden kann. Alle Podiumsteilnehmer zeigten sich zuversichtlich, dass dies durch die gute Zusammenarbeit aller Projektpartner wie geplant bis zum Dezember 2022 gelingen wird.

Quelle: BAG-SPNV

10.03.2020

Kommentare ansehen

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei