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Baubeginn der Stufe 2 des Chemnitzer Modells

Im September 2019 beginnen die Bauarbeiten der zweiten Ausbaustufe der Chemnitzer CityBahn nach Aue - die Flotte der Chemnitzer Zweisystembahnen besteht aus 12 Stadler Citylinks, die sowohl mit 750 V als auch mit einem Dieselgenerator betrieben werden können I Foto: UTM

Die Bauarbeiten der Tram Train Bahnlinie des Chemnitzer Modells nach Aue werden in den nächsten Wochen beginnen. Nachdem das Eisenbahnbundesamt (EBA) den Planfeststellungsbeschluss Anfang Juli 2019 erlassen hat, beginnen derzeit die vorbereitenden Arbeiten für die Baustelle. Die Strecke ist rund 47 Kilometer lang und läuft weitestgehend auf bereits vorhandener Trasse.

Erste Züge rollen 2020

Der Verbindung zwischen der Eisenbahnstrecke nach Aue wird an der bereits im Dezember 2017 fertiggestellten Straßenbahnneubaustrecke am Technologiepark stattfinden. Die 2,2 km lange Neubaustrecke zwischen der Bernsdorfer Straße/ Turnstraße, dem Universitätscampus und dem Technopark dient als Anschluss zum bestehenden Straßenbahnnetz. Am 2. Mai 2017 wurde der erste Abschnitt der Neubaustrecke bis zum Stadlerplatz mit den Linien C13 und C14 eröffnet – später folgte die Linie C15. Die gesamte Strecke zum Technologiepark wurde am 8. Dezember 2017 in Betrieb genommen. Neben den Regionalstadtbahnlinien C13, C14 und C15 kommt auch die Straßenbahnlinie 3 auf der neuen Strecke zum Einsatz.

Die Verknüpfung zur Eisenbahnstrecke nach Aue wird an der bestehenden Endschleife Technologiepark geschaffen. Der Auftrag für die Bauarbeiten hat der Verkehrsverbund VMS am 29. Juli 2019 vergeben. Ende Juli erfolgte der technische Baubeginn durch die vom VMS beauftragte Arbeitsgemeinschaft aus STRABAG Rail GmbH und STRABAG AG. Zurzeit ist STRABAG RAIL mit der Bauvorbereitung beschäftigt. Diese beinhaltet unter anderem Baustelleneinrichtungen, Materialbeschaffungen (z.B. die Bestellung von Neuschienen), Kampfmittelsondierungen, Planung von Behelfsbauten, das Beantragen von Schachtscheinen sowie die Erstellung einer Dokumentation des Baugeländes vor Baubeginn (Beweissicherung). Diese Leistungen werden etwa sechs Wochen in Anspruch nehmen, so dass Mitte September mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Die (Wieder)-Eröffnung der Strecke nach Aue als CityBahn findet Ende 2020 statt. Die Gesamtkosten der Infrastrukturarbeiten belaufen sich auf 65 Mio. EUR.  Zum Vorhaben gehören vier ÖPNV-Verknüpfungsstellen mit Busverbindungen sowie Park&Ride-Parkplätzen. Zum Einsatz werden die diesel-elektrischen Zweisystemfahrzeuge des Typs Citylink von Stadler kommen. Durch die neue Strecke wird das Zwönitztal besser an das Oberzentrum Chemnitz angebunden. Außerdem wird die neue Linie für Touristen und Tagesausflügler ebenfalls eine attraktive Verbindung.

Übersicht des Chemnitzer Modells mit allen 5 Ausbaustufen – die jetzt begonnene Stufe nach Aue ist in rot hervorgehoben I Quelle: VMS/ http://www.chemnitzer-modell.de

Das Chemnitzer Modell

Das Chemnitzer Modell verknüpft nach dem sogenannten Tram-Train-Prinzip Straßenbahn und Eisenbahn, die als durchgebundene Regionalstadtbahn betrieben werden. Ähnlich wie beim sogenannten Karlsruher Modell wurden bestehende Eisenbahnstrecken in das Straßenbahn- bzw. jetzt Regionalstadtbahnsystem integriert.

Insgesamt werden heute vier Linien betrieben, mit denen Passagiere aus der Innenstadt von Chemnitz ohne umzusteigen in die benachbarten Städte Stollberg im Erzgebirgskreis sowie Burgstädt, Mittweida und Hainichen im Landkreis Mittelsachsen fahren können. Laut dem Verkehrsverbund VMS wird damit ein Ballungsraum mit 800 000 Menschen erreicht und so die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöht.

Die Infrastruktur der ersten Pilotstrecke nach Stollberg/ Erzgebirge wurde anfangs so angepasst, dass angepasste Variobahn Niederflurstraßenbahnen auf der nunmehr mit 750 V DC elektrifizierten Strecken eingesetzt werden konnten. Die Regionalstadtbahn wird unter dem Label „CityBahn“ betrieben. Auf der Linie C11 (ehemals 522) nach Stollberg kommen sechs Variobahn-Wagen vom Typ NGT6-LDZ (Nr. 411–416) zum Einsatz. Diese Fahrzeuge sind mit sogenannten Kompromissradreifen für den Betrieb auf Straßenbahn- und Eisenbahnschienen, Zugbeeinflussung (PZB I60R), Zugfunk und einem Signalhorn ausgerüstet. Im Vergleich zu den 24 Variobahnen für die städtische Straßenbahn, die für 70 km/h ausgelegt sind, erreichen die „regionalen“ Variobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

Im Chemnitzer Hauptbahnhof ging im Jahr 2016 eine neue Verknüpfungsstelle zwischen Straßenbahn und Eisenbahn in Betrieb, die die im Rahmen der ersten Ausbaustufe die CityBahn nach Burgstädt, Mittweida und Hainichen brachte. Auf den neuen Linien C13, C14 und C15 kommen 12 Citylink TramTrain Fahrzeuge der Firmen Vossloh Kiepe GmbH und Vossloh España S. A. gebaut (heute Stadler Valencia) zum Einsatz. Die dreiteiligen 37 m langen, bis zu 100 km/h schnellen Triebwagen sind Zweisystemfahrzeuge. Auf den mit 750 V DC elektrifizierten Strecken werden sie elektrisch mit Stromabnehmer betrieb, während auf den nicht-elektrifizierten Eisenbahnstrecken mit einem Dieselmotor ausgestattet sind.

Die Citylink-Fahrzeuge verfügen über Einstiegshöhen von 435 mm (jeweils erste und letzte Tür, außen weiß und innen grün) und 600 mm (mittlere Türen, außen und innen jeweils rot), und sind damit auf Bahnsteighöhen von 380 mm (Ausbaustandard im Straßenbahnnetz sowie noch nicht ausgebaute Zugangsstellen im Eisenbahnnetz) und 550 mm (Ausbaustandard im Eisenbahnnetz) angepasst.

Weiterer Ausbau des Chemnitzer Modell

Nach der Anbindung von Stollberg (Stufe 0), Burgstädt, Mittweida, Hainichen (Stufe 1) und ab 2020 Aue (Stufe 2) wird der VMS als nächstes Oelsnitz/Erzgebirge (Stufe 5) in Stollberg ans Chemnitzer Modell anschließen. Baubeginn soll 2020 sein. Für Stufe 4 – die Strecke nach Limbach-Oberfrohna – beginnen die Planungen 2020. Stufe 3 nach Cranzahl und Olbernhau folgt später.

Zurzeit erstreckt sich das Chemnitzer Modell auf einer Strecke von 89 Kilometern. Wenn die letzte Stufe ausgebaut ist, wird das Netz auf 278 Kilometer angewachsen sein. Bislang wurde das Chemnitzer Modell sehr gut angenommen. Auf der Strecke nach Stollberg wurde zwischen 1998 bis 2008 ein Fahrgästeplus von 886 Prozent gemessen. Damit ist das Chemnitzer Modell als eine der erfolgreichsten 15 Regionalbahnen in Deutschland. Die Fahrgastzahlen entwickeln sich auf dem gesamten Netz weiter positiv. Im Jahr 2018 wurden erstmals auf dem gesamten Straßenbahn- und Regionaltramnetz über 3 Millionen Fahrgäste befördert.

Quelle: VMS

21.08.2019
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