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Berlin: Spatenstich für neue Straßenbahnstrecke

Spatenstich mit (v.l.n.r.) Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel, Berlins Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther und BVG-Vorstand Betrieb Dr. Rolf Erfurt I © UTM

Es war nach BVG Angaben das erste Presse-Event seit dem Corona „Lockdown“: Am Montag, 18. Mai, fand der symbolische Spatenstich für die Straßenbahn Neubaustrecke Adlershof II statt. Im Beisein von Berlins Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther, BVG-Vorstand Betrieb Dr. Rolf Erfurt und Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel wurde gemeinsam der Startschuss für den Bau des neuen Streckenabschnitts zwischen Karl-Ziegler-Straße und Sterndamm gegeben. 

Die 2,7 km lange Neubaustrecke verläuft vollständig auf eigenem Bahnkörper I © BVG/Archisurf

2,7 km mit 90 % Rasengleis

Die rund 2,7 Kilometer lange Strecke wird größtenteils auf Rasengleisen angelegt und soll ab September 2021 den wachsenden Wissenschaftsstandort Adlershof mit dem Verkehrsknotenpunkt Schöneweide verbinden. 

So sollen ab 2021 die Straßenbahnlinien 61, 63 und M17 über die Neubaustrecke verlaufen I © BVG/ Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berlin

Die neue Strecke verlängert die Linien 61 und 63 von ihrer bisherigen Endhaltestelle in der Karl-Ziegler-Straße in Adlershof über den Groß-Berliner Damm zum Sterndamm am S- und U-Bahnhof Schöneweide und die Tangentiallinie M17 in die andere Richtung von Schöneweide nach Adlershof. Fünf neue barrierefreie Haltestellenpaare mit Blindenleitsystem, DAISY-Anzeigern und Wetterschutz werden entlang der Trasse entstehen, für die 2.700 Meter Gleise verlegt werden. Die Kosten für den Bau der neuen Strecke belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro. Ein Kilometer Neubaustrecke kostet somit etwa 14,8 Millionen Euro. Bis zu 12.700 Fahrgäste werden täglich auf dem neuen Teilstück erwartet, weshalb die Straßenbahnen in der Hauptverkehrszeit im 5-Minuten-Takt verkehren werden.

Der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Adlershof

Der Ortsteil Adlershof im Berliner Südosten gehört zum Bezirk Treptow-Köpenick und ist ein historisch gewachsener Wissenschaftsstandort. In den 1930er Jahren entstand hier der u.a. der sogenannte Große Windkanal, zu DDR Zeiten war hier die damalige Akademie der Wissenschaften angesiedelt. Seit den späten 1990er Jahren entsteht in Adlershof die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA). Unter anderem befinden sich heute im Technologiepark Adlershof über 564 Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in verschiedenen Technologiefeldern, darunter mehrere Institute der Humboldt-Universität sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Neben den wissenschaftlichen und gewerblichen Einrichtungen wurden auch zahlreiche Wohnungen errichtet. Bis 2015 entstand eine lockere Wohnbebauung für bis zu 8.000 Einwohner. 

Straßenbahnplanung wie im „Bilderbuch“: die Straßenbahn kam 2011 nach Adlershof, bevor die Neubauten entstanden I © UTM

Um das Entwicklungsgebiet besser an den S-Bahnhof Adlershof anzubinden, wurden bereits im September 2011 die Straßenbahnlinien 61 und 63 zur Karl-Ziegler Straße eröffnet, die vollständig auf eigenem Bahnkörper und teilweise mit modernem Rasengleis angelegt wurde. Damals endete die Straßenbahn im „Niemandsland“. Heute ist die Wendeschleife umsäumt von Wohnhäusern, Bäumen und Büros.

Das Projekt Adlershof II

Mit der erneuten Verlängerung der Straßenbahnstrecke von der Karl-Ziegler-Straße in Adlershof zum S-Bahnhof Schöneweide entsteht eine neue Querverbindung zwischen zwei wichtigen Knotenpunkten im Berliner Südosten. Nachdem die Bedarfsermittlung im Jahr 2015 stattfand, wurde im Jahr 2016 die Entwurfsplanung durchgeführt. Das Planfeststellungsverfahren mit entsprechender Auslegung und Erörterungsterminen wurde im Jahr 2018. Im Jahr 2019 wurden die Planunterlagen überarbeitet, die Ausführungsplanung durchgeführt sowie die Vorbereitung der Bauausschreibung.

Übersicht der neuen Strecke zwischen Karl-Ziegler-Str. und Schöneweide I © BVG/ Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berlin

Der Planfeststellungsbeschluss (Baurecht) liegt seit dem 7. Februar 2020 vor. Kurz darauf, am 20. April, erfolgte die Beauftragung an die STRABAG als ausführendes Bauunternehmen. Über eine Live Anwohnerinformationsveranstaltung Adlershof II mit 215 Online-Teilnehmer wurden die Anwohner Ende April über die Bauarbeiten informiert. 

Politiker und Vertreter der BVG zeigten sich zufrieden mit dem Baustart. Schließlich ist es schon fünf Jahre her, dass in Berlin zum letzten Mal eine Straßenbahn Neubaustrecke eröffnet wurde. 2015 ging die Straßenbahnverlängerung vom Nordbahnhof zum Hauptbahnhof in Betrieb.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: „In den vergangenen drei Jahren ist es uns gemeinsam mit der BVG gelungen, den Planungsprozess so zu beschleunigen, dass wir heute mit dem Bauen beginnen können. Das ist ein wichtiger Meilenstein, um den Wissenschaftsstandort Adlershof mit dem Verkehrsknotenpunkt Schöneweide zu verbinden. Berlins Straßenbahnen werden zukünftig ein immer wichtigerer Teil der Mobilitätswende.“ 

Die heutige Straßenbahnschleife wird aufgegeben und durch die Neubaustrecke ersetzt, die zwischen den Bäumen an den rechten Bildrand verlaufen wird I © UTM

Dr. Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb BVG: „Der Wissenschaftsstandort Adlershof ist nicht nur einer der führenden Technologieparks in Europa, sondern entwickelt sich auch zu einer der spannendsten Wohnadressen. Mit der neuen Strecke sorgen wir rechtzeitig dafür, dass der wachsende Standort mobil ist. Selbstverständlich profitieren dann auch alle bisherigen Anwohner von der umweltfreundlichen Verbindung.“ 

Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick: „Der heutige Spatenstich ist ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Lebensqualität, insbesondere in den Ortsteilen Adlershof und Johannisthal. Mit dieser bedeutenden Infrastrukturmaßnahme im Bezirk Treptow-Köpenick werden für die wachsenden Wohnquartiere sowie für die Gewerbestandorte der Wissenschaftsstadt Adlershof neue und wichtige Verkehrswege erschlossen.“ 

Die Infrastruktur

Herr Samisch, seit über 30 Jahren bei der BVG zuständig für Infrastrukturprojekte, erklärte während des Spatenstichs die technischen Details und Besonderheiten der Bauarbeiten, die insgesamt eineinhalb Jahre andauern werden. Die Bauarbeiten lassen sich in zwei große Baufelder aufteilen. Eines befindet sich am nördlichen Ende der Neubaustrecke am Sterndamm, wo die neue Strecke von der bestehenden Straßenbahntrasse der Linie 60 ausgefädelt wird.

Reinhard Sämisch, BVG-Projektleiter der Neubaustrecke, erklärt am 18. Mai die Details I © UTM

Aufgrund der Komplexität und hohen Verkehrsdichte an der vielbefahrenen Kreuzung wird es hier während der Bauzeit zu vielen Provisorien kommen. Die Straßenbahnlinie 60 wird ab dem 8. Juni für ein ganzes Jahr durch Busse ersetzt. Aufgrund der freien Trassierung geht Samisch davon aus, dass die ersten Schienen bereits in der zweiten Junihälfte verlegt werden können. Ein Teil wird als Gleise mit Deckenschluss, vermutlich asphaltiert, ausgeführt, um die Nutzung des eigenen Bahnkörpers durch Busse zu ermöglichen.

Es geht weiter in Richtung Süden auf eigenem Bahnkörper in Mittellage entlang des Sterndamms und des Groß-Berliner Damms bis zur heutigen Wendeschleife Karl-Ziegler Straße, die abgetragen wird. Dieser Bauabschnitt ist demnach der zweite große Bauabschnitt. Entlang der Strecke entsteht ein neues Unterwerk und insgesamt fünf neue Haltestellen.

Besonderen Wert wurde in der Planung auf den Umweltschutz gelegt. Aufgrund der hohen Anforderungen an den Wasserschutz entlang der Strecke müssen alle verbauten Materialien neutral und aus Naturstoffen bestehen, um verbaut werden zu können. Dafür werden alle Materialien durch die zuständige Wasserschutzbehörde begutachtet. 

Auch in Punkto Lärmschutz haben sich die Planer ein wegweisendes Konzept ausgedacht, um die Auswirkungen für die Anwohner möglichst im ertragbaren Rahmen zu halten. Große Baumaschinen dürfen maximal acht Stunden pro Tag arbeiten. Lärmpegel und Erschütterungen werden regelmäßig gemessen und an die Planfeststellungsbehörde übermittelt. Bei Überschreitungen kann es sogar zu Bußgeldern kommen. 

Animation der Neubaustrecke auf dem Groß-Berliner Damm I © BVG/Archisurf

Auch im Betrieb wird die neue Tram äußerst leise daherkommen. Dafür sorgt einerseits das eingebettete Rasengleis, welches laut Samisch 3 dB weniger Lärm verursacht als vergleichbare Schottergleise. Anderseits werden alle Bögen kleiner 200 m mit einer Schienenkopfkonditionierungsanlage, kurz Schmieranlage, ausgestattet. Diese soll das Quietschen in den Kurven verhindern. Zusätzlich werden alle Häuser der Anlieger, sofern noch nicht vorhanden, mit Schallschutzfenstern ausgestattet.

Die heutige Endschleife Karl-Ziegler-Straße I © UTM

Weitere Tram Neubaustrecken in Berlin

Die Straßenbahnstrecke Karl-Ziegler-Straße – Schöneweide ist eine von mehreren Straßenbahn Neubaustrecken, die sich die Senatsverwaltung und die BVG für die aktuelle Legislaturperiode auf die Fahnen geschrieben haben. Die Planungen für die anderen Strecken gehen zwar voran, jedoch werden diese nicht bis zum Jahr 2021 fertiggestellt werden. Dies betrifft den Umbau der Straßenbahnstrecke am Bahnhof Ostkreuz und den Ausbau der Straßenbahnlinie 21, die Verlegung der Endstelle am S-Bahnhof Mahlsdorf (Linie 62) sowie die Verlängerung der Strecke zwischen Hauptbahnhof und U-Bahnhof Turmstraße.

Netzplan der Berliner Straßenbahn mit den geplanten Neubaustrecken sowie der jetzt in Bau befindlichen Neubaustrecke Schöneweide – Adlershof I © BVG/ Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berlin
19.05.2020

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Kleine Anmerkung: Die Straße und die dazugehörige Haltestelle heißen Karl-Ziegler-Straße