
Es ist so weit: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die Zulassung für die neue Straßenbahngeneration Urbanliner erhalten. Die zuständige Technische Aufsichtsbehörde (TAB) hat für das erste Fahrzeug die Inbetriebnahmegenehmigung erteilt. Bereits am 8. Juli gingen die ersten Fahrzeuge auf der Tramlinie M4 in den Linienbetrieb.
Parallel schreitet auch die Zulassung weiterer Fahrzeuge voran. Noch in diesem Jahr soll die auf der M4 eingesetzte Flotte auf rund 15 Fahrzeuge anwachsen und sich bis voraussichtlich 2028 auf etwa 30 Fahrzeuge verdoppeln. Insgesamt hat die BVG 65 Urbanliner bestellt, deren Auslieferung bis etwa 2030 abgeschlossen werden soll. Wir berichteten hier.

Umfangreiches Zulassungsverfahren abgeschlossen
Dem Betriebsstart ging ein umfangreiches Zulassungs- und Genehmigungsverfahren voraus, wie es für neue Fahrzeugtypen üblich ist. In Berlin werden Straßenbahnen grundsätzlich fahrzeug- und linienbezogen zugelassen. Die jetzt erteilte Genehmigung bezieht sich auf den Einsatz auf der Linie M4, perspektivisch sollen die Fahrzeuge jedoch auch auf weiteren Linien verkehren.
Im Rahmen der Linienzulassung waren punktuelle Anpassungen an der Infrastruktur im Bereich Alexanderplatz erforderlich. Nach statischen Nachberechnungen wurden dort zusätzliche Stützen im U-Bahn-Bereich eingebaut, um ein erweitertes rechnerisches Belastungsszenario zusätzlich abzusichern. Alle angekündigten Maßnahmen – von den Nachberechnungen bis zu den baulichen Anpassungen – wurden vollständig umgesetzt, sodass die Aufsichtsbehörde nun grünes Licht geben konnte. Wir berichteten ausführlich hier darüber: https://www.urban-transport-magazine.com/xxl-fahrzeug-xxl-fragen-der-urbanliner-und-die-grenzen-der-berliner-infrastruktur/.

Mehr Platz für über 300 Fahrgäste
Die neuen Urbanliner bieten Platz für mehr als 300 Fahrgäste und ersetzen auf der M4 schrittweise die bislang eingesetzten Doppeltraktionen aus GT6-Straßenbahnen. Mit einer Länge von rund 50 Metern zählen sie zu den größten Straßenbahnen Deutschlands.
Im Innenraum setzt die neue Fahrzeuggeneration auf zahlreiche Komfortverbesserungen. Ein modernes Beleuchtungssystem passt die Lichttemperatur je nach Tages- und Jahreszeit zwischen warmen und kühlen Farbtönen an. LED-Lichtstreifen an den Türen zeigen Fahrgästen deutlich an, ob ein Einstieg möglich ist. Eine neue Fahrwerkskonstruktion sorgt zudem für ruhigere Laufeigenschaften und reduziert Erschütterungen spürbar.

Auch die Barrierefreiheit wurde weiter verbessert. Großzügige Mehrzweckbereiche bieten mehr Platz für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen. Komfortsitze mit erhöhter Sitzfläche erleichtern mobilitätseingeschränkten Personen das Aufstehen, während besonders niedrige Sitze kleinen Menschen zugutekommen. Haltestangen mit spezieller Oberflächenstruktur erleichtern blinden und sehbehinderten Fahrgästen die Orientierung. Darüber hinaus verfügt der Urbanliner über eine zusätzliche Spaltüberbrückung, die den barrierefreien Einstieg auch an Haltestellen mit linksseitigem Einstieg erleichtert.
BVG: „Neue Dimension für den Berliner Straßenbahnverkehr“
BVG-Vorstandsvorsitzender Henrik Falk sieht den Urbanliner als wichtigen Baustein der Modernisierung des Unternehmens:
„Wir haben als Team BVG schnell und zielorientiert gehandelt und die letzten Hürden ausgeräumt. Jetzt sind alle Voraussetzungen geschaffen, um eine neue Dimension in den Berliner Straßenverkehr zu bringen. Mit diesen Neuwagen stellen wir nach der U-Bahn- auch die Straßenbahnflotte für die nächsten Jahrzehnte leistungsfähig auf.“

Auch Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, betonte die Bedeutung der neuen Fahrzeuge für die wachsende Hauptstadt:
„Berlin wächst – und die BVG wächst mit. Die neuen Straßenbahnen setzen durch ihre Größe neue Maßstäbe: mehr Platz, mehr Komfort und vollständige Barrierefreiheit. Damit investieren wir gezielt in die meistgenutzte Straßenbahnlinie Berlins.“
Mobilitätssenatorin Ute Bonde bezeichnete die Urbanliner als „Investitionen, die wirken“ und hob hervor, dass die Fahrzeuge mit ihrer Kapazität von über 300 Fahrgästen konsequent auf die Bedürfnisse der Berlinerinnen und Berliner ausgerichtet seien.
Auch Hersteller Alstom sieht den Einsatz als Meilenstein. Vertriebsleiter Christoph Klaes erklärte:
„Die neue Straßenbahngeneration verbindet hohe Leistungsfähigkeit mit mehr Komfort und Barrierefreiheit. Sie wurde konsequent auf die gewachsenen Mobilitätsanforderungen Berlins ausgelegt.“

Mit der nun erteilten Zulassung und den bevorstehenden Testfahrten steht dem planmäßigen Fahrgasteinsatz ab Mitte Juli nichts mehr im Wege. Für die Fahrgäste bedeutet der Urbanliner einen weiteren Schritt bei der Modernisierung der Berliner Straßenbahnflotte und eine deutliche Kapazitätserweiterung auf der stark nachgefragten Linie M4.
17.07.2026
