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Besser weiter – Kampagne für die Nutzung des ÖPNV in Corona-Zeiten

Kampagnenstart in Düsseldorf

Corona und der ÖPNV: gerade in den ersten Wochen der Pandemie lief es da leider nicht ganz so rund. Wir erinnern uns: „dank“ Lockdown – und beim einen oder anderen Fahrgast wohl auch wegen einer gewissen Sorge, man könne sich anstecken – brachen die Fahrgastzahlen drastisch ein. Mehr als ein Verkehrsbetrieb berichtete, dass nach mehreren Jahren mit steigenden Fahrgastzahlen plötzlich nur noch 20 Prozent (ein Fünftel) der Passagiere mit Bus und Bahn fahren wollten, die man vor der Pandemie befördert habe. Zwar steigen die Fahrgastzahlen wieder, aber man ist noch weit von den Zahlen entfernt, mit denen man ins Jahr 2020 gestartet ist.

Das möchte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der Dachverband der Öffentlichen Verkehrsbetriebe, denn doch nicht einfach tatenlos hinnehmen. Und so hat man die Kampagne „Besser weiter“ gestartet. Der „Kick off“ der Kampagne fand am 29. Juli am Rhein in Düsseldorf auf dem  Mannesmannufer statt.

Die Teilnehmer am Termin

Eine Gruppe hochkarätiger Repräsentanten aus dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr hatte sich zusammengefunden. Unter ihnen Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst, der Vorsitzende der Landesgruppe NRW des VDV und Chef der Wuppertaler Stadtwerke, Ulrich (Uli) Jaeger, Klaus Klar, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Rheinbahn, Stefanie Haaks, Vorsitzende des Vorstands der Kölner KVB, Frederik Ley, Chef der Regionalleitung von DB Regio NRW, Thomas Hendele, Präsident des Landkreistags von Nordrhein-Westfalen, und Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister der Stadt Hamm und stellvertretender Vorsitzender des Städtetags von Nordrhein-Westfalen.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst | © KVB Köln

Die Gründe für den Termin

Zu Beginn des Termins gab es erst einmal eine Bestandsaufnahme. „Die Pandemie hat das Wachstum im ÖPNV nach Jahren des Booms in Nordrhein-Westfalen und bundesweit von heute auf morgen ausgebremst.“ Zudem hätten sich bei vielen früheren Fahrgästen die Gewohnheiten, wie man sein Ziel erreiche, schlagartig verändert. Man nutze zurzeit viel mehr das Fahrrad, und auch das eigene Auto habe wieder deutlich an Attraktivität gewonnen.

Die Einnahmeverluste aus dem Ticketverkauf stellten Kommunen und Verkehrsbetriebe vor große Herausforderungen. Besonders drastisch seien die Einnahmeverluste im ländlichen Raum. Hier erlöse man zurzeit Monat für Monat rund 20 Millionen Euro weniger für den Verkauf von Tickets.

Auch die zahlreichen privaten Busunternehmen, die oft im Unterauftrag kommunaler Verkehrsbetriebe Leistungen erbringen und vielfach für die Schülerverkehre zuständig sind, seien hart betroffen.

Gerade deshalb, so Hamms Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann, sei es um so mehr anzuerkennen, dass die Städte und ihre Verkehrsbetriebe jetzt nicht ihr Angebot einschränkten. „Trotz des aktuellen Rückgangs bei den Fahrgastzahlen müssen wir in den NRW-Städten (und nicht nur in den NRW-Städten – Anmerkung des Verfassers) die Verkehrswende hin zu einer klimagerechten Mobilität hinbekommen. Wir wollen es deshalb schaffen, möglichst bald wieder an die positive Entwicklung der Fahrgastzahlen aus der Vergangenheit anzuknüpfen.“

Landkreistag-Präsident Hendele: „Wir brauchen einen starken öffentlichen Verkehr – und das nicht nur in den großen Städten, sondern auch in der Fläche. Kommunen und Verkehrsunternehmen engagieren sich seit vielen Jahren unter schwierigen Rahmenbedingungen, ein attraktives  und leistungsfähiges Mobilitätsangebot bereitzustellen. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese Entwicklung weitergeht und wir den öffentlichen Verkehr zukunftsfähig gestalten.“ Und er fügte hinzu: „Investitionen in Mobilität sind Teil der Daseinsvorsorge.“

Ein Bus für den Stadtbus Dormagen wird mit antimikrobiellem Lack besprüht | © Christian Marquordt

Was soll geschehen?

Zunächst einmal solle das aktuelle Nahverkehrsangebot trotz der aktuellen Corona-Krise keinesfalls eingeschränkt werden. „Das wäre,“ so hieß es, „das Falscheste, was wir jetzt machen könnten. Zwar könnten wir damit vielleicht vorübergehend das eine oder andere finanzielle Loch stopfen. Aber der Fahrgast, den wir damit verprellen, kommt so bald nicht wieder.“

Deshalb, so die Forderung des VDV, sollen nicht nur keine Leistungen eingeschränkt werden, sondern das Angebot soll ganz im Gegenteil weiter ausgebaut werden. „Wir wollen so schnell wie möglich wieder an die Fahrgastzahlen von vor der Pandemie anknüpfen und sie dann wieder weiter steigern.“

Dazu, so die klare Botschaft des Termins, sei es unbedingt notwendig, (weiter) für die Benutzung des ÖPNV zu werben. Und den Fahrgästen das sichere Gefühl beim Benutzen von Bus und Bahn zu geben, dass kein Risiko besteht, dass man sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln anstecken könnte. Dazu gehöre allerdings, dass die Corona-Vorsorgeregeln eingehalten werden. Als da wären:

  • Abstand halten
  • Hygiene-Maßregeln beachten
  • in Bus und Bahn eine Maske tragen.
Das „Podium“ der Pressekonferenz vor einem Rheinbahn-Bus mit einem TrafficBoard der Kampagne | © Christian Marquordt

Ergänzende Statements von Vertretern der Verkehrsbetriebe

– Klaus Klar, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Rheinbahn: „Wir haben schnell und flexibel auf die Corona-Situation reagiert. So haben wir zum Beispiel 100.000 Masken beschafft und an unsere Fahrgäste verteilt. An den Haltestellen gibt es Spender für Desinfektionsmittel, und mit einem breit angelegten Kommunikationspaket weisen wir auf die besonderen Corona-Regeln hin.“

Klaus Klar von der Düsseldorfer Rheinbahn | © Christian Marquordt

– Stefanie Haaks, Vorsitzende des Vorstands der Kölner Verkehrs Betriebe: „Die KVB und ihre Mitarbeiter haben  vollen Einsatz gezeigt, um Köln und sein Umland während des Lockdowns mobil zu halten und zudem die Beschäftigten in systemrelevanten Berufen sicher an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Wir haben zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um unsere Mitarbeiter und unsere Fahrgäste bestmöglichst zu schützen.“ Frau Haaks wies allerdings auch darauf hin: „Schon jetzt sind die finanziellen Auswirkungen mit Einnahmeausfällen nur bis Ende Juni in Höhe von 20,6 Millionen Euro extrem. Deshalb ist es auch außerordentlich wichtig, die Fahrgäste zurückzugewinnen und neue Kunden von Bus und Bahn zu überzeugen.“

Stefanie Haaks von den Kölner KVB | © Christian Marquordt

– Frederik Ley, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio NRW: „Die Deutsche Bahn hat mit speziellen Hygiene-Maßnahmen schnell und umfassend auf die Situation reagiert. Wir reinigen zum Beispiel die Kontaktflächen, die die Fahrgäste in Zug und Bus anfassen, deutlich intensiver.“ So teste man neben den klassischen Reinigungsmethoden auch innovative Konzepte. Dazu gehöre der Einsatz von ultra-violettem Licht an Bahnhöfen. Haltestangen und sonstige Flächen in Bussen und Zügen, die Fahrgäste berühren, beschichte man mit speziellen antimikrobiellen Lacken, die Krankheitserreger abtöten. Eine solche Maßnahme war kurz zuvor beim „Stadtbus Dormagen“ (zwischen Köln und Neuss), den DB Regio-Tochter „Busverkehr Rheinland“ für die Stadt Dormagen bedient, abgeschlossen worden. Zudem werden sämtliche Busse mit Trennscheiben an den Fahrerplätzen ausgerüstet.

Frederik Ley von DB Regio NRW | © Christian Marquordt

Für die Kampagne „Besser weiter“ gibt es auf Bussen und Bahnen eine spezielle Werbung. Sie zeigt auf „TrafficBoards“ Fahrgäste, die Masken mit heiteren Motiven tragen. Daneben gibt es im Rahmen der Kampagne spezielle Mund-Nase-Schutzmasken mit dem Aufdruck „Besser weiter – genau mein Ding.“

Eine Fotoserie zeigt Fahrgäste, die eine solche Maske tragen. Und daneben gibt es eine „Dankes-serie“, die Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen an ihrem Arbeitsplatz zeigen, an dem sie trotz Corona-Krise ohne zu zögern dafür arbeiten, dass der Öffentliche Personen Nahverkehr seine Passagiere reibungslos und zuverlässig an ihr Ziel bringt. Eines der Motive aus dieser „Dankesserie“ zeigt Mitarbeiter aus einer Werkstatt der Kölner Verkehrs Betriebe.

NRW-VDV-Landeschef Ulrich Jaeger von den Wuppertaler WSW | © Christian Marquordt

Nächste Phase der Kampagne

Eine zweite Phase der Kampagne soll im September starten. Dann wird es darum gehen, nicht nur zu überzeugen, dass das Fahren mit Bus und Bahn ungefährlich ist, sondern auch verstärkt Fahrgäste zurückzugewinnen. 

Keine Corona-Infektionen im ÖPNV nachgewiesen

Im Übrigen betonten die Vertreter der Verkehrsunternehmen, es gebe keinerlei Grund, Sorgen oder gar Ängste zu haben, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Zitat von dem Termin: „Bis heute ist kein Fall bekannt, wo eine Corona-Infektion in Bus oder Bahn übertragen worden wäre.“

03.09.2020

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