Bis zu 123 Prager Škoda 15T Straßenbahnen werden mit Klimaanlagen von Enika nachgerüstet

Prager Burg mit ihrer gotischen Kathedrale und eine Škoda 15T Straßenbahn der ersten Bauserie. Bis zu 123 Straßenbahnen können mit Klimageräten von Enika nachgerüstet werden. | © Łukasz Papitowski

Die Enika Sp. z o.o. aus Łódź hat die öffentliche Ausschreibung zur Lieferung von Klimageräten für 123 Straßenbahnen des Typs Škoda 15T ForCity gewonnen, die im Prager Straßenbahnnetz eingesetzt werden. Der Rahmenvertrag wurde für eine Laufzeit von sechs Jahren abgeschlossen und hat ein Gesamtvolumen von knapp 70 Mio. PLN (netto; rund 16,2 Mio. EUR). Für das Unternehmen, das im kommenden Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert, handelt es sich um einen der größten Exportaufträge seiner Geschichte.

Die Straßenbahnen des Typs Škoda 15T ForCity wurden zwischen 2010 und 2019 in zwei Bauserien nach Prag geliefert. Zum Zeitpunkt ihrer Einführung stellten sie einen Meilenstein in der Entwicklung moderner Niederflurstraßenbahnen dar. Sie verfügen über einen vollständig stufenlosen Niederflurbereich und gleichzeitig über ein besonderes Drehgestellkonzept, das die Eigenschaften konventioneller Drehgestelle nachbildet. Dadurch wird insbesondere in engen Gleisbögen der Verschleiß von Fahrweg und Schienen deutlich reduziert – ein wesentlicher Vorteil im historischen Zentrum der tschechischen Hauptstadt.

Insgesamt wurden 250 Fahrzeuge dieses Typs (Betriebsnummern 9201–9250) nach Prag geliefert. Die jüngere Hälfte der Flotte wurde bereits ab Werk mit Klimaanlagen ausgestattet. Für die zuvor gelieferten 125Straßenbahnen wurde eine Nachrüstung mit Klimaanlagen über viele Jahre diskutiert. Testweise wurde dieses Konzept lediglich bei zwei Fahrzeugen umgesetzt – beim Wagen mit der Betriebsnummer 9243, der bereits während der Fertigung im Jahr 2012 mit einer Klimaanlage ausgestattet wurde, sowie beim Wagen 9285, der 2019 nachgerüstet wurde.

Im Oktober 2025 schrieb der Fahrzeugbetreiber, Dopravní podnik hl. m. Prahy, die Lieferung von Klimageräten für die verbleibenden 123 Fahrzeuge aus. Drei Unternehmen beteiligten sich an dem Vergabeverfahren. Das wirtschaftlichste Angebot legte Enika vor. Das Unternehmen ist vor allem als Hersteller elektrischer Antriebssysteme, Bordnetzumrichter und Ladestationen für Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs bekannt. Seit 2016 bietet Enika außerdem eigene Klimaanlagen für Straßenbahnen an, die in unterschiedlichen Ausführungen unter anderem an Kunden in Krakau (Kraków), Łódź, Breslau (Wrocław) und Danzig (Gdańsk) geliefert wurden.


Die Klimageräte für die Prager Škoda 15T Straßenbahnen werden speziell für dieses Projekt entwickelt. Grundlage bildet die Produktfamilie iGlacio, wobei die für Prag vorgesehene Ausführung die Typenbezeichnung iGlacio 17AC/6AC tragen wird. Wie die Bezeichnung bereits erkennen lässt, verfügt jedes Gerät über eine Kälteleistung von 17 kW sowie eine Heizleistung von 6 kW. Der Auftraggeber verlangte ausdrücklich, dass die Anlagen neben Kühl- und Lüftungsbetrieb auch als zusätzliche Wärmequelle für den Fahrgastraum genutzt werden können. Darüber hinaus mussten strenge Vorgaben hinsichtlich der Einbaumaße, der Dachbefestigungspunkte und weiterer fahrzeugspezifischer Anforderungen berücksichtigt werden. Jedes Klimagerät wird mit einem integrierten Bordnetzumrichter ausgestattet, der direkt an die Fahrleitungsnetzspannung angeschlossen wird.

Pro Straßenbahn werden drei Klimageräte installiert – jeweils eines auf jedem der drei Wagenkästen des insgesamt 31,4 Meter langen Fahrzeugs. Im Rahmen des Vertrags kann Enika somit bis zu 369 Klimageräte der Baureihe iGlacio für Prag produzieren.

Škoda 15T Straßenbahn der ersten Bauserie in Prag. Bis zu 123 Straßenbahnen können mit Klimageräten von Enika nachgerüstet werden. | © Janusz Okularczyk

Partner bei der Umsetzung des Projekts ist die MPK Łódź Sp. z o.o., die ihre Werkstattkapazitäten sowie einen Teil ihres Fachpersonals für die anspruchsvollen Arbeiten an der charakteristischen Sandwich-Dachkonstruktion der Fahrzeuge zur Verfügung stellt. Nach Beginn der Arbeiten wird etwa alle zwei Wochen jeweils eine Prager Straßenbahn von Prag nach Łódź transportiert. In umgekehrter Richtung kehrt anschließend ein bereits modernisiertes Fahrzeug nach Prag zurück.

„Prag gehört zweifellos zu den schönsten Städten der Welt. Gleichzeitig zeichnet sich die Stadt durch einen außergewöhnlich hohen Anteil des öffentlichen Verkehrs am täglichen Verkehrsaufkommen aus – nahezu 50 % der Einwohner nutzen ihn für ihre täglichen Wege. Umso mehr freuen wir uns, mit der Lieferung unserer Bordnetzumrichter und Klimaanlagen zu einer deutlichen Steigerung des Fahrgastkomforts für die Einwohner und Besucher Prags beitragen zu können“, sagte Bartosz Szyller, Vorstandsvorsitzender der Enika Sp. z o.o.

„Das für unseren tschechischen Partner in Prag realisierte Projekt ermöglicht es uns, unser umfangreiches Know-how im Bereich der Instandhaltung und Modernisierung von Straßenbahnen einzusetzen. Die Škoda 15T zeichnet sich unter anderem durch ihre sogenannte Sandwich-Dachkonstruktion aus, die im Straßenbahnbau keine übliche Lösung darstellt. Gerade hier können wir das spezialisierte Fachwissen unserer Mitarbeiter optimal nutzen“, sagte Dariusz Domański, Leiter der Technikabteilung der MPK Łódź.

22.07.2026