
MPK Poznań modernisiert seinen Straßenbahnbetrieb derzeit mit Gebrauchtfahrzeugen: Anfang 2025 kamen die ersten gebrauchte NGT6D-Niederflurtrams (Type R1.1) aus Bonn den Fuhrpark und nehmen am Sonntag, 23. November 2025 anlässlich des 145. Jubiläums des ÖPNV’s in Poznań den Betrieb auf. Insgesamt übernahmen die Verkehrsbetriebe 24 der Mitte der 1990er Jahre von Düwag/Siemens gebauten Wagen. Mit einem Höchstpreis von etwa 46.500 Euro pro fahrbereitem Fahrzeug ist ihre Anschaffung deutlich günstiger als die Beschaffung neuer Trams und ermöglicht MPK, kurzfristig den Anteil barrierefreier Fahrzeuge deutlich zu erhöhen.
Die 28,57 Meter langen Dreiteiler verfügen über etwa 70 Prozent Niederfluranteil und bieten 64 Sitz- sowie 137 Stehplätze. Vor der Inbetriebnahme werden die Zweirichtungswagen technisch auf die Posener Infrastruktur angepasst; die Wartung übernimmt der eigene betriebliche Dienst von MPK.
Die Fahrzeuge wurden in den aktuellen Hausfarben der MPK in grünmetallic, schwarz-grauem Fensterband und gelben Zierstreifen an der Dachvoute lackiert. Besonders auffällig ist das digitale Linienschild, welche neu installiert wurde.

Wir berichteten über die Übernahme der gebrauchten Bahnen hier:
Parallel zum Einsatz der ex-Bonner Fahrzeuge läuft die Auslieferung neuer Moderus Gamma LF 04 AC BD-Trams aus lokaler Produktion, sodass Poznań derzeit zwei Modernisierungsschienen gleichzeitig verfolgt: kurzfristige Kapazitätserhöhung durch Gebrauchtfahrzeuge und langfristige Erneuerung durch Neufahrzeuge. In Kombination führen beide Strategien dazu, dass der Anteil barrierefreier Fahrzeuge im Netz deutlich steigt. Gleichzeitig neigt sich der Einsatz der letzten ummodernisierten 105Na Konstal-Züge dem Ende gegen. Nach Lodz ist Poznań die zweite polnische Stadt, die gebrauchte Niederflurbahnen aus Deutschland beschafft.
Die Übernahme von Gebrauchtwagen aus Westeuropa hat in Poznań indes Tradition. Die ersten Gebrauchtfahrzeuge wurden Mitte der 1990er aus Amsterdam erworben. Es folgten ab 1997 sechs. und achtachsige Düwag Triebwagen aus Düsseldorf und Frankfurt/ Main. Die letzten „Helmuts“, wie die deutschen Gebrauchtwagen liebevoll in Polen genannt wurden, gingen Ende 2019 in Poznań außer Betrieb. Wir berichteten hier:
Der Import der NGT6D aus Bonn wird in Poznań überwiegend positiv bewertet: Er verbessert schnell die Zugänglichkeit und stellt eine vergleichsweise günstige Erneuerung der Flotte dar. Gleichzeitig zeigt Poznań, wie Second-Hand-Fahrzeuge sinnvoll in eine umfassende Modernisierungsstrategie eingebettet werden können.

Es gibt durchaus kritische Stimmen zum Einsatz der rund 30 Jahre alten Bonner Trams in Poznań. Einige Oppositionspolitiker – etwa Stadträte von „Recht und Gerechtigkeit“ – bemängeln insbesondere das Alter der NGT6D-Wagen. Da sie schon über 30 Jahre alt sind, sehen sie das als Rückschritt, auch wenn MPK Poznań betont, dass diese Trams moderner sind als die sehr alten 105Na-Fahrzeuge, die ersetzt werden. In der öffentlichen Debatte wurde der Kauf als „histeria o niemieckie tramwaje“ („Hysterie über deutsche Trams“) bezeichnet. Kritiker werfen MPK vor, „deutschen Schrott“ zu importieren oder einheimische Hersteller zu benachteiligen. Einige Medien berichten, dass der Zustand der gebraucht gekauften Wagen sehr unterschiedlich sein könnte: MPK behält sich vor, einzelne Fahrzeuge bei Mängeln nicht abzunehmen – der Kaufvertrag ist so ausgelegt, dass Wagen mit Schäden ausgeklammert werden können.
20.11.2025
