Brest nimmt zweite Straßenbahnlinie und elektrische BHNS-Achse in Betrieb

Am 14. Februar 2026 nahm Brest seine zweite Straßenbahnlinie sowie die BHNS E-Buslinie D in Betrieb I © David Le Pautremat

Mit der Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie B und der BHNS-Linie D Mitte Februar 2026 hat die bretonische Hafenstadt Brest ihr seit 2012 bestehendes ÖPNV-System grundlegend erweitert. Das Projekt „Mon réseau grandit“ markiert die zweite Ausbaustufe des Netzes und kombiniert erstmals eine klassische Straßenbahn mit einer hochwertigen Busachse im BHNS-Standard. Ziel ist es, die Erschließung innerhalb der rund 215.000 Einwohner zählenden Métropole Brest deutlich zu verbessern und zusätzliche Fahrgastpotenziale zu erschließen.

Kernstück des Projekts ist die neue Straßenbahnlinie B, die auf einer Länge von 5,1 km den Bahnhof Brest mit dem Universitätsklinikum Cavale Blanche verbindet und dabei insgesamt 11 Stationen bedient. Die Linie erschließt wichtige Wohn- und Hochschulstandorte, insbesondere im Stadtteil Bellevue, und ergänzt die bestehende Linie A zu einem netzartigen System mit Umsteigemöglichkeiten im Stadtzentrum. Für den Betrieb der Linie wurden im Rahmen einer gemeinsamen Ausschreibung mit den Städten Toulouse und Besançon insgesamt acht neue Niederflurstraßenbahnen vom Typ Alstom Citadis 305 beschafft. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde auf den Bau eines neuen Betriebshofs verzichtet; stattdessen erfolgte eine Erweiterung des bestehenden Depots in Fort Montbarey, das nun die zusätzliche Flotte aufnehmen kann.

Eröffnung der neuen Straßenbahnlinie im Beisein lokaler Politiker sowie Vertreter des Betreibers Bibus I © David Le Pautremat

Die betriebliche Verknüpfung der Linien A und B erfolgt über eine neu errichtete zweigleisige Verbindung zwischen der Rue de Siam und der Rue Clémenceau, wobei die sogenannte Rampe Nord neu gebaut wurde, während die Rampe Süd weiterhin von der Linie A genutzt wird. Dies ermöglicht unter anderem direkte Überführungsfahrten zwischen Fort Montbarey und dem Bahnhof („Gares“) für Ein- und Ausrückfahrten der Fahrzeuge der Linie B. Ergänzend wurde am Endpunkt CHU La Cavale Blanche ein geschlossenes Abstellgleis für die nächtliche Abstellung von zwei Straßenbahnen eingerichtet, ebenfalls mit dem Ziel, die Investitionskosten zu optimieren.

Der neue Alstom Citadis 305 mit der Nummer 2001 am Bahnhof I © David Le Pautremat

Der „Bus à Haut Niveau de Service“ – ein Bus mit besonders hoher Betriebsqualität

Parallel zur Straßenbahn wurde mit der Linie D eine 4,3 km lange BHNS-Achse realisiert, die ebenfalls am Bahnhof beginnt und den nördlichen Stadtteil Lambézellec erschließt. Die Strecke umfasst 13 Stationen und wird mit neun batterieelektrischen Gelenkbussen vom Typ Mercedes-Benz eCitaro G betrieben. Die Trasse verläuft überwiegend auf eigenem Bahnkörper von der Haltestelle Gares bis zur Place des FFI und anschließend im Mischverkehr bis zum Endpunkt. Im zentralen Abschnitt zwischen dem Bahnhof und der Place de la Liberté nutzt die BHNS-Linie die Gleisinfrastruktur der Straßenbahnlinie B, ohne jedoch die Station Liberté Quartz zu bedienen. In der Hauptverkehrszeit wird ein dichter Takt von bis zu 7,5 Minuten angeboten, wodurch eine hohe Leistungsfähigkeit erreicht wird.

Mercedes eCitaro G Nr. 411 beim Transport der Gäste anlässlich der Eröffnung der Linie D am 14. Februar 2026 I © David Le Pautremat

Das Gesamtprojekt „Mon réseau grandit“ geht jedoch über die reinen Linieninfrastrukturen hinaus. So wurden mehrere multimodale Verknüpfungspunkte geschaffen bzw. umgestaltet, um den Umstieg zwischen Straßenbahn, Bus, Fußverkehr und Individualverkehr zu erleichtern. Ergänzend entstanden rund 12 km neue Radverkehrsanlagen entlang der Korridore. Auch die Ingenieurbauwerke wurden umfassend erweitert: Neben dem Neubau der Brücken Toullic Ar Ran und Francis Le Blé wurden die bestehenden Bauwerke Villeneuve und Clemenceau verbreitert und verstärkt.

Neben den neuen eCitaro kommen in Brest auch Irizar E-Busse zum Einsatz I © David Le Pautremat

Ein Schrägaufzug als Verbindung zur Klinik

Ein weiteres Element ist ein schräger Aufzug des Herstellers Poma, der eine direkte Verbindung zwischen der Endhaltestelle und dem höher gelegenen Klinikgelände der Cavale Blanche herstellt. Die Anlage ist als „vertikale Linie“ konzipiert und verbindet auf einer Länge von 53 m und einem Höhenunterschied von 10 m in rund einer Minute den Straßenbahnendpunkt mit dem höher gelegenen Klinikgelände.

Die Kabinenbahn des Herstellers Poma ist ein Schrägaufzug, der die Straßenbahnendstelle mit der Klinik verbindet I © David Le Pautremat

Die beiden Kabinen sind als individuell gestaltete Fahrzeuge aus Aluminium mit großzügigen Panoramaverglasungen ausgeführt, bieten Platz für bis zu 18 Personen und verfügen über Sitzplätze sowie barrierefreie Stellflächen. Durch den Parallelbetrieb beider Kabinen wird eine hohe Verfügbarkeit gewährleistet, während das architektonische Konzept mit leichten Holz-, Stahl- und Betonstrukturen eine möglichst zurückhaltende Integration in die Umgebung anstrebt.

Bauzustand des Schrägaufzugs am 14. Februar 2026 – bislang ist er aber noch nicht in Betrieb I © David Le Pautremat

Gesamtinvestition von 225 Mio. Euro

Das Investitionsvolumen des Gesamtprojekts „mon réseau grandit“ beläuft sich auf rund 225 Mio. € und umfasst neben der Infrastruktur auch die Fahrzeugbeschaffung sowie die Anpassung der Betriebsanlagen. Mit der Erweiterung wurde das Busnetz neu organisiert und stärker auf die leistungsfähigen Hauptachsen ausgerichtet. Die Straßenbahnlinie B verkehrt mit Takten von bis zu sechs Minuten und bildet gemeinsam mit der Linie A das Rückgrat des Systems, während die BHNS-Linie D eine flexible und kosteneffiziente Ergänzung darstellt.

Streckennetz des neuen ÖPNV-Netzes in Brest mit der Tramlinie B in türkis und der BHNS-Linie D in gelb I © Bibis

Langfristig verfolgt Brest weitere Ausbaupläne, darunter Verlängerungen der bestehenden Straßenbahnlinie A in Richtung der Umlandgemeinden Plouzané, Gouesnou und Guipavas sowie eine weitere Elektrifizierung des Busverkehrs. Mit der Kombination aus Straßenbahn und elektrisch betriebenem BHNS-System zeigt Brest beispielhaft, wie mittelgroße Städte durch integrierte Planung und gezielte Investitionen eine deutliche Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Verkehrs erreichen können.

Eine Führerstandsmitfahrt auf der neuen Linie B gibt es hier:

22.03.2026