Brünner KT8-Straßenbahn wird Batterietriebwagen für Regionalstrecke in Tschechien

Straßenbahn als Eisenbahn - der umgebaut KT8D Triebwagen kommt nun bei der AŽD zum Einsatz I © AŽD

Ein ungewöhnliches Second-Life-Projekt verbindet künftig Straßenbahn- und Eisenbahnbetrieb in Tschechien: Eine ehemalige Straßenbahn des Typs KT8D5 aus Brünn soll künftig Fahrgäste auf der Regionalbahnstrecke Kopidlno–Dolní Bousov nordöstlich von Prag befördern. Das Fahrzeug wurde von Mitarbeitern des Brünner Verkehrsunternehmens DPMB zu einem leichten batteriebetriebenen Schienenfahrzeug umgebaut.

Die 1990 gebaute Gelenkstraßenbahn erhielt dabei umfangreiche technische Anpassungen für den Einsatz auf einer nicht elektrifizierten Eisenbahnstrecke. Das Fahrzeug soll künftig vom Signaltechnik- und Eisenbahnunternehmen AŽD Praha genutzt werden, das die Strecke Kopidlno–Dolní Bousov seit mehreren Jahren als Test- und Demonstrationsstrecke betreibt. Dort erprobt AŽD unter anderem autonome Fahrtechnologien, moderne Sicherungssysteme sowie alternative Betriebskonzepte für Nebenbahnen.

Der Transport zur neuen Ensatzstelle war durchaus eine Herausforderung I © AŽD

Nach Angaben aus Tschechien beliefen sich die Kosten für den Umbau auf rund 5,8 Mio. CZK (etwa 240.000 EUR). Die ehemalige Straßenbahn trägt nun den Namen „Lenka“.

Das Projekt unterstreicht den zunehmenden Trend, ausgemusterte Straßenbahnfahrzeuge für neue Einsatzbereiche weiterzuverwenden. Gleichzeitig demonstriert AŽD damit erneut kostengünstige Möglichkeiten für den Betrieb auf schwach frequentierten Regionalstrecken. Der batterieelektrische Betrieb soll dabei helfen, Infrastrukturkosten zu reduzieren und emissionsfreie Mobilität auch ohne Oberleitung zu ermöglichen.

Die Tatra-Straßenbahn wurde mit einem Dreilicht-Spitzen-Signal sowie einem Typhon versehen I © AŽD

Die dreiteiligen KT8D5-Gelenkwagen wurden ursprünglich vom tschechoslowakischen Hersteller ČKD Tatra entwickelt und prägten über Jahrzehnte den Straßenbahnbetrieb in mehreren mittel- und osteuropäischen Städten. Während zahlreiche Fahrzeuge modernisiert oder ausgemustert wurden, erhält der Brünner Wagen nun eine ungewöhnliche zweite Karriere auf der Eisenbahn.

Experimentierfeld

Die Kopidlno–Dolní Bousov Strecke (Kopidlnka) in Tschechien ist vor allem als eines der führenden europäischen Testfelder für autonome und digitalisierte Regionalbahnkonzepte bekannt. Auf der nicht eingezäunten Nebenbahn im realen Bahnbetrieb werden Technologien wie ETCS, ATO over ETCS, digitale Stellwerkslösungen, 5G-Kommunikation sowie KI-gestützte Objekterkennung und automatische Fahrfunktionen im offenen Streckennetz erprobt. Damit unterscheidet sich die Strecke grundlegend von klassischen, abgeschlossenen Testanlagen, da hier Autonomie, Sensorik und Betriebssteuerung unter realen Bedingungen mit Bahnübergängen, Vegetation und Mischverkehr getestet werden. Insgesamt gilt sie als „Living Lab“ für die Digitalisierung und Automatisierung von Regionalbahnen in Europa.

23.05.2026