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Chaotische Tage bei den Vorortbahnen Rodalies im Großraum Barcelona

Rodalies Zug Baureihe 447 in Gelida | © Urban Transport Magazine/b

Gleich mehrere Bahnunfälle erschütterten in den letzten Tagen das Land Spanien. Neben dem Unfall auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Sevilla in Andalusien hat vor allem die Entgleisung einer Vorort-S-Bahn in der autonomen Region Katalonien, ausgelöst durch einen Hangrutsch, gravierende Konsequenzen für die Verkehrsabwicklung. Bei diesem Unfall am Dienstagabend, dem 20. Januar 2026, kam der Zugführer ums Leben, weitere mindestens 37 Personen wurden verletzt. Das Ganze geschah bei Gelida auf der Linie R4 – einer der in katalanischer Sprache „Rodalies“ genannten S-Bahn-ähnlichen Bahnverbindung im Großraum Barcelona. Bei diesem Vorfall prallte ein Zug gegen eine Stützmauer, die aufgrund der starken Regenfälle auf die Gleise gestürzt war. Am selben Tag, wenige Stunden vor dem Unfall in Gelida, kam es ebenfalls auf der Linie R1 – zwischen Maçanet Massanes und Tordera (Barcelona) – zu einer Entgleisung, die durch den Ausbruch einer Achse nach der Kollision mit einem Felsbrocken verursacht wurde, der infolge des Unwetters auf die Gleise gefallen war. Bei diesem Vorfall gab es jedoch keine Verletzten.

Als direkte Folge dieser beiden Unfälle wurde der gesamte Rodalies-Zugverkehr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen – Mittwoch und Donnerstag – unterbrochen, wodurch etwa 400.000 Fahrgäste nicht fahren konnten. Ein eilig eingerichteter Ersatzverkehr mit rund 150 Omnibussen erwies sich als nicht leicht darzustellen, besteht das gesamte Rodalies-Netz in der Region doch aus insgesamt 16 Linien, davon 13 im Großraum Barcelona und je zwei Linien in und um die Städte Tarragona und Lleida. Mehr als 460 km Strecke mit 134 Stationen werden im Normalfall bedient.

Rodalies Zug Baureihe 465 (vorn) in Barcelona Sants | © Urban Transport Magazine/b

Hauptgrund für die komplette Betriebseinstellung ist die nach den Unfällen anberaumte Überprüfung aller befahrenen Strecken durch Sicherheitspersonal, die Zeit in Anspruch nimmt. Gleichzeitig machten das Fahrpersonal und die Gewerkschaften auf die angeblich seit Jahren festzustellende Vernachlässigung des Streckenetzes und der Infrastruktur aufmerksam, und dies, obwohl von Mitarbeitern des Unternehmens immer wieder auf Mängel hingewiesen worden sei. Obendrein meldeten sich auf politischer Ebene die Befürworter einer vollständigen Übertragung des Systems in die Hände der Regionalregierung erneut zu Wort, die der Staatsbahn RENFE und dem staatlichen Bahninfrastrukturunternehmen ADIF die Verantwortung für den Zustand der Anlagen und der Unfälle zuweisen. Tatsächlich gab es allerdings in den vergangenen Jahren auch auf den von der landeseigenen Regionalbahnverwaltung Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC) selbst betriebenen und unterhaltenen Strecken durchaus ähnliche Unregelmäßigkeiten. Der Übertragung des operativen Betriebs der bislang von RENFE betriebenenen, breitspurigen Rodalies hat die Zentralregierung in Madrid bereits vor einiger Zeit zugestimmt und entsprechende Schritte vorbereitet.

Am Freitagmorgen kehrte der normale Betrieb zurück, als der Zugverkehr auf allen Strecken wieder aufgenommen wurde. Die Situation verschärfte sich jedoch erneut, als es auf der R1 zwischen Blanes und Maçanet-Massanes zu einem weiteren Erdrutsch kam. Der Lokführer eines sich nähernden Zuges schaffte es glücklicherweise, rechtzeitig anzuhalten und mit allen Fahrgästen zum nächsten Bahnhof zurückzukehren, sodass niemand verletzt wurde. Der Betrieb wurde erneut auf dem gesamten Netz ab 13 Uhr eingestellt.

Für den heutigen 26. Januar 2026 ist eine Wiederaufnahme des Betriebs auf größeren Teilen des Netzes angekündigt worden, auf insgesamt zehn Teilabschnitten fahren aber vorerst weiter Busse im Schienenersatzverkehr. Bis von einer vollständigen Normalisierung des Schienennahverkehrs im betroffenen Gebiet gesprochen werden kann, dürfte noch einige Zeit vergehen. Um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, wird allen Fahrgästen ein Monat Gratisnutzung angeboten.

Unabhängig von politischen Schuldzuweisungen und sonstiger Polemik ist Erneuerungsbedarf unübersehbar, um den Betriebsablauf zu verbessern und zu stabilisieren – und das nicht nur in der Region Katalonien. Der Investitionsbedarf ist schon vor längerer Zeit erkannt und anerkannt worden und führte u.a. zur Bestellung von 211 neuen Zügen für verschiedene Vorort- und S-Bahn-Netze in Spanien, die in den Regionen außerhalb Kataloniens unter dem Namen „Cercanías“ betrieben werden.

26.01.2026