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CITYBAHN: Die Straßenbahn kehrt in Etappen in die Essener Innenstadt zurück

Hauptbahnhof | © renderstudios GmbH

Nach fast 50 Jahren kehrt mit der CITYBAHN die Straßenbahn zurück ins Stadtbild der Essener Innenstadt. Sie entsteht als moderne, rund fünf Kilometer lange Straßenbahnstrecke, die den neuen Stadtteil ESSEN 51. mit der Innenstadt verbindet – und darüber hinaus eine durchgehende Verbindung von West nach Ost bis nach Essen-Steele schafft. Insgesamt entstehen elf Haltestellen.

Bevor die Bahn jedoch rollt, wird gebaut. Mitte Juli 2025 begann der dritte Bauabschnitt der Bahnhofstangente. Sie ist einer von drei zentralen Abschnitten des Projekts, neben dem Berthold-Beitz-Boulevard und dem Stadtquartier ESSEN 51. Auf insgesamt 5,5 Kilometern entsteht eine moderne Ost-West-Verbindung mit elf Haltestellen, die das neue Stadtquartier ESSEN 51. emissionsfrei mit der Innenstadt verknüpft. Ein klares Ziel ist der Fahrplanwechsel im nächsten Jahr, bei dem das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer die Stadt Essen sowie die Ruhrbahn GmbH in der Projektsteuerung unterstützt.

Zentral für die Stadtentwicklung

Mit mehr als einer halben Millionen Einwohnern zählt Essen zu den größten Städten im Ruhrgebiet und ist dazu noch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Durch Pendler und den innerstädtischen Lieferverkehr ist die Stadt oft hohen Verkehrsbelastungen ausgesetzt. Das soll sich mit dem neuen Streckenabschnitt der CITYBAHN jetzt ändern. Mit dieser gelangt man in Zukunft von ESSEN 51. direkt und oberirdisch in die Innenstadt. Hier waren die Bahnen bis 1977 weitgehend aus dem oberirdischen Straßenraum verschwunden – wichtige Knoten- und Zielpunkte waren seither durch Tunnelstrecken und -stationen zu erreichen.

Seit 48 Jahren fahren die Bahnen am Hauptbahnhof unterirdisch | © Budach
Künftige Station Hauptbahnhof | © renderstudios GmbH

„Die CITYBAHN treibt die Mobilitätswende entscheidend voran und fördert die Stadtentwicklung durch die Anbindung an den Essener Hauptbahnhof,” sagt Martin Harter, Vorstand Stadtplanung und Bauen der Stadt Essen. „Zudem entlastet sie das Bestandsnetz – insbesondere die Tunnelanlagen. In jede der Bahnen passen rund 200 Personen. Wir schätzen, dass dadurch jährlich bis zu 1.300 Tonnen Treibhausgase eingespart werden können“, ergänzt Simone Raskob, Vorstand für Umwelt, Verkehr und Sport der Stadt Essen.

Die CITYBAHN ist mehr als nur ein Verkehrsmittel. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung. Vor der Zeche Amalie, im Herzen des Quartiers ESSEN 51., entsteht ein Shared-Space, den alle Verkehrsteilnehmenden nutzen können – ohne getrennte Fahrbahnen. Doch die Gestaltung der Strecke zielt nicht nur auf eine städtebauliche Aufwertung ab – auch das Stadtklima soll davon profitieren. So entstehen Rasengleise auf der Hollestraße, Haus-Berge-Straße und Hachestraße sowie ein Grünstreifen mit 115 Bäumen auf dem Berthold-Beitz-Boulevard. „Begrünte Verkehrsflächen werten das Stadtbild nicht nur optisch auf. Sie binden Schadstoffe, speichern Regenwasser und kühlen die Luft durch Verdunstungsprozesse ab”, berichtet Sebastian Brandenbusch, Projektleiter bei der Ruhrbahn GmbH. „Wir haben zudem unterirdische Rigolensysteme geplant, welche die Bäume in Trockenperioden länger mit gesammeltem Regenwasser versorgen können.”

© renderstudios GmbH

Komplexe Planungen für eine zukunftsfähige Verkehrswende

Die Erweiterung der CITYBAHN ist das aktuell größte innerstädtische Straßenbahnbauprojekt in Nordrhein-Westfalen. Doch nicht nur der Umfang macht das Projekt zu einem komplexen Vorhaben. „Wir verantworten die Koordination zahlreicher Akteure: Planer, Bauunternehmen, Behörden und die Stadtverwaltung müssen nahtlos zusammenarbeiten“, erklärt Markus Hauser, Projektleiter bei Drees & Sommer. „Wir koordinieren die Schnittstellen und vermeiden so mögliche Doppelarbeiten. Damit alle auf dem aktuellen Stand sind, gibt es regelmäßige Fortschrittskontrollen und Statusberichte. So können personelle Ressourcen optimal genutzt werden.“

Auch auf Herausforderungen wie den schwierigen Untergrund im dritten Bauabschnitt Berthold-Beitz-Boulevard konnte effizient reagiert werden. „In dem Gebiet wurde früher Untertagebergbau betrieben, wodurch sich Auffälligkeiten im Untergrund zeigten. Durch aufwändige Sicherungsarbeiten wird derzeit der Baugrund für die spätere Verkehrsanlage stabilisiert”, so Hauser.

© Stadt Essen
Die Einbindung der Neubaustrecke in das Gesamtnetz findet sich hier: https://www.urbanrail.net/eu/de/e/essen.htm


Stufenweise Inbetriebnahme – erster neuer Streckenabschnitt öffnet 2026

Die Arbeiten an der neuen CITYBAHN in der Essener Innenstadt schreiten gut voran. Bereits im Sommer 2026 können die ersten neu errichteten und modernisierten Haltestellen rund um den Essener Hauptbahnhof angefahren werden. Das zentrale Element der CITYBAHN, die sogenannte Bahnhofstangente, geht damit planmäßig mit den Haltestellen „Betriebshof Stadtmitte“, „Hollestraße“, Essen Hbf“ und „Hindenburgstraße“ in Betrieb.

Der Abschnitt vom Berthold-Beitz-Boulevard / Altendorfer Straße durch das neue Stadtgebiet ESSEN 51. schließt an das bestehende Netz an der Haltestelle „Bocholder Straße“ an und folgt in Stufe 2 im Jahr 2027. Auf diesem Abschnitt werden drei Haltestellen neu gebaut: „Krupp-Park“, „Zeche Amalie“, „Zollstraße“ – die Haltestelle „Bergmühle“ wird außerdem umgebaut.

In Stufe 3 wird das Streckenstück zwischen der Hans-Böckler-Straße mit der Kreuzung Frohnhauser Straße / Berthold-Beitz-Boulevard verbunden, um damit die bereits bestehende Strecke am Berthold-Beitz-Boulevard zu vervollständigen. Die zwei Haltestellen „Schwanenkampbrücke“ und „Westendhof“ werden neu gebaut und die Haltestelle „Frohnhauser Straße“ umgebaut.

Die Inbetriebnahme des gesamten Streckenverlaufs der CITYBAHN wird nach aktuellem Zeitplan in 2028 erfolgen.

Künftige Linienführungen

Drei Straßenbahnlinien werden künftig über die neue Strecke fahren und das Stadtquartier ESSEN 51. direkt an den Hauptbahnhof anbinden. Von dort aus geht es ohne Umstieg weiter in Richtung Südostviertel, Huttrop und Steele.

  • Linie 101: Von Borbeck über ESSEN 51., den Berliner Platz und den Hauptbahnhof bis Rellinghausen
  • Linie 105: Von Frintrop über den Berthold-Beitz-Boulevard und den Hauptbahnhof Richtung Steele
  • Linie 108: Von Bergeborbeck über ESSEN 51., den Berthold-Beitz-Boulevard und den Hauptbahnhof bis zum Betriebshof Stadtmitte – sie nutzt die gesamte oberirdische Neubaustrecke

Die Gesamtkosten des Projekts von rund 180 Millionen Euro werden maßgeblich von Bund und Land getragen.

Die bereits bestehende Haltestelle Bergmühle auf der Haus-Berge-Straße wird umgebaut | © renderstudios GmbH

 

17.11.2025