
Lang, sehr lang hatte man überlegt in Coimbra – Portugals ältester Universitätsstadt – wie man mit der Situation umgehen sollte:
Ein geplantes Stadtbahnnetz musste aus Kostengründen schließlich aufgegeben werden, doch eine 39 km lange Nebenstrecke der Staatsbahn, die darin mit einbezogen werden sollte, war im Vorgriff auf die geplante Integration in die Stadtbahn „Metro Mondego“ bereits stillgelegt und in Teilen demontiert worden. Eine andere, preisgünstigere Art der Verkehrsabwicklung musste her, um wenigstens teilweise eine Aufwertung des ÖPNV-Angebots der Bevölkerung gegenüber glaubhaft machen zu können.

So wurde aus der Metro Mondego der Metrobus Mondego: Überwiegend einspurig entstand an Stelle der 2011 aufgegebenen, breitspurigen Nebenbahn eine asphaltierte Trasse für elektrische Omnibusse – in Anlehnung an den internationalen BRT Bus Rapid Transit Standard. Im Stadtgebiet selbst führt der Metrobus künftig auf neu geschaffener, zweispuriger Eigentrasse auf zwei Achsen durch das Zentrum zum Fernbahnhof und zum Hospital im Norden der Stadt. Die elektrisch betriebene Zweigstrecke der Eisenbahn zum recht zentral gelegenen Stadtbahnhof wurde im Februar 2025 ebenfalls aufgegeben und soll auch in das Metrobusnetz integriert werden. Dies hat zu erheblicher Kritik geführt, besteht damit doch seither und auf sehr lange Sicht Umsteigezwang für alle Fahrgäste der Regionalzüge, die bislang das Zentrum direkt erreichten.






Nach langer Vorbereitung und diversen Bauverzögerungen begann am 29. August 2025 ein kostenloser Probebetrieb mit den ersten der aus China vom Hersteller Zhongtong gelieferten 35 batterie-elektrischen Gelenkbusse. Sie sind 18,75-Meter-Gelenkwagen lang und haben ein 257 kWh Batteriepaket an Bord. Die Wagen werden im Streckenverlauf an 6 Ladepunkten nachgeladen, zusätzlich nachts im Depot. Der Hersteller gibt als Gesamtkapazität 136 Fahrgäste an, davon 54 auf Sitzplätzen.
Wir hatten ausführlich u.a. hier über das Projekt berichtet:
Der Probebetrieb mit Personen deckte nur die rund 5 km lange Strecke vom L. Portagem am Rand der Innenstadt bis Vale das Flores ab – doch Anfang Dezember konnte man schon mehr als 9.000 tägliche Fahrgäste zählen. Seit 20. Dezember fahren die E-Busse nun vom L. Portagem über die gesamte frühere Nebenbahnstrecke bis nach Serpins, auf rund 39 km Länge. Bis Vale das Flores herrscht an Werktagen 5-Minuten-Takt zur Hauptverkehrszeit und ansonsten überwiegend ein 7,5 Minuten-Takt, während auf der Gesamtstrecke bis nach Serpins alle 30 bis 60 Minuten ein Bus kommt, je nach Tageszeit. Eine Stunde Fahrzeit sind für die aktuell befahrene Strecke vorgesehen. Die Verlängerungen zum Fernbahnhof und zum Zentralkrankenhaus sind weiterhin im Bau, ein genaues Datum für den Bauabschluss kann hierfür aktuell nicht genannt werden.
Keine Neuigkeiten gibt es über das seit März 2021 stillliegende Trolleybusnetz in Coimbra, von dem noch größere Teile der Fahrleitung und einige Fahrzeuge vorhanden sind.



