Der ÖPNV als Wirtschaftsmotor im Großraum München

Siemens Avenio Trams in der Münchner Innenstadt | © Urban Transport Magazine/b

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) zeigt die enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Großraum München. Die Untersuchung, durchgeführt von MCube Consulting, quantifiziert die Wertschöpfung des ÖPNV im MVV-Gebiet auf durchschnittlich 5,7 Milliarden Euro pro Jahr. Damit trägt der MVV zu knapp 8 % der deutschlandweiten ÖPNV-Wertschöpfung bei, obwohl die Region nur 3,8 % der deutschen Bevölkerung ausmacht. MCube Consulting hatte bereits im Mai 2025 eine Untersuchung zur Wertschöpfung im ÖPNV in Gesamtdeutschland im Auftrag der DB-Initiative „Zukunft Nahverkehr“ (ZNV) erstellt und veröffentlicht und dabei 25 Milliarden Euro Kosten und 75 Milliarden Euro Nutzen als wesentliches Ergebnis hervorgehoben.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) umfasst in dieser Untersuchung den ÖSPV als straßengebundenen Personennahverkehr und den SPNV als schienengebundenen Personennahverkehr.

Zur Methodik

Die Analyse basiert auf einer Kombination aus Primär- und Sekundärdaten, insbesondere regionalspezifischen Ergebnissen der Erhebung Mobilität in Deutschland (MiD 2023), amtlichen Statistiken des Bayerischen Landesamts für Statistik sowie wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu externen Kosten. Die Wertschöpfung wurde in drei Kategorien berechnet: direkte und indirekte Branchenwertschöpfung (Kategorie 1), ÖPNV-beeinflusste Wertschöpfungseffekte in Einzelhandel, Tourismus, Immobilien und Pendelverkehr (Kategorie 2) sowie vermiedene externe Kosten (Kategorie 3). Ergänzend erfolgte eine Regionalisierung auf Landkreisebene sowie eine Kostenanalyse, um ein Kosten-Nutzen-Verhältnis abzuleiten.

U-Bahn und S-Bahn in Neuperlach Süd | © Urban Transport Magazine/b
ÖPNV als zentraler Wirtschaftsfaktor

Die Studie hebt hervor, dass der ÖPNV im MVV-Raum nicht nur ein unverzichtbares Mobilitätsmittel ist, sondern auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Besonders der Pendelverkehr zeigt überdurchschnittlich starke Effekte, die die Bedeutung des ÖPNV für die Arbeitsmarktintegration und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region unterstreichen. Auch der Einzelhandel, der Tourismus und die Immobilienwirtschaft profitieren erheblich von einem gut ausgebauten öffentlichen Verkehrssystem.

Ein weiterer Fokus der Studie liegt auf den vermiedenen externen Kosten, wie Umweltbelastungen, Verkehrsunfällen und Flächenverbrauch. Der ÖPNV im MVV-Raum spart gemäß der Untersuchung jährlich rund 668 Millionen Euro an gesellschaftlichen Kosten ein. Insgesamt ergibt sich ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:3,6 – jeder investierte Euro erzeugt fast das 3,6-fache an wirtschaftlichem Nutzen.

Die Ergebnisse soll verdeutlichen, dass der ÖPNV im MVV-Gebiet nicht nur ein nachhaltiges Mobilitätsangebot darstellt, sondern auch ein starker Wirtschaftsmotor ist. Um diese positive Entwicklung langfristig zu sichern, seien kontinuierliche Investitionen in Infrastruktur, Qualität und Kapazität des ÖPNV erforderlich. Die Studie ist als Grundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen gedacht, die die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in der Metropolregion München sichern und weiterentwickeln können.

Freising Bahnhof: Verknüpfung Bus – S-Bahn – Bike | © Budach
Der MVV wächst

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund wächst seit einigen Jahren kontinuierlich an: Aktuell sind 15 Landkreise und drei kreisfreie Städte beteiligt, 2027 sollen der Landkreis Ostallgäu und die kreisfreie Stadt Kaufbeuren dazukommen, 2028 dann voraussichtlich die Landkreise Altötting und Traunstein. Verschoben ist dagegen der seit längerem diskutierte Zusammenschluss mit dem Augsburger Verkehrsverbund (AVV) – Finanzierungsfragen sind hier der wesentliche Stolperstein.

(Info: MVV/ MCube Consulting GmbH)

17.03.2026