Die neue Baureihe J der Berliner U-Bahn fährt im Fahrgastbetrieb

von Erik Buch
© Bernhard Kußmagk

Der 30. April 2026 war ein wichtiger Meilenstein für die Berliner U-Bahn: Erstmals wurde ein Zug der neuen Baureihe J des Herstellers Stadler Rail im regulären Fahrgastbetrieb auf der Linie U5 eingesetzt. Für die Fahrgäste kam dies überraschend, da der offizielle Betriebsstart ursprünglich erst für Mai vorgesehen war. Damit begann nach jahrelangen Verzögerungen im Beschaffungsprozess die schrittweise Einführung einer neuen Fahrzeuggeneration im Großprofilnetz der Berliner Verkehrsbetriebe.

© Bernhard Kußmagk

Der erste Wagen war 2024 ausgeliefert worden. Zuvor hatte es jahrelangen Streit um die Vergabe gegeben, wir berichteten hier:

Die Baureihe J stellt die erste Neubeschaffung für das Berliner Großprofil seit Ablieferung des letzten Zuges der Baureihe H in 2002 und soll über einen längeren Zeitraum gestreckt den überalterten Fahrzeugbestand erneuern. Technisch handelt es sich um modular aufgebaute U-Bahn-Züge, die als durchgängig begehbare Einheiten eingesetzt werden.

Mit der Aufnahme des Fahrgastbetriebs auf der U5 begann somit die praktische Erprobung im Alltagseinsatz. Die neuen Fahrzeuge gelten als zentraler Baustein zur Stabilisierung und Kapazitätssteigerung des Berliner U-Bahn-Systems und sollen in den kommenden Jahren schrittweise auf weiteren Linien des Großprofilnetzes eingesetzt werden.

Von verschiedenen Seiten, u.a. vom Landesverband Berlin des BUND, kam Kritik auf, dass im kürzlich von der Senatsverkehrsverwaltung veröffentlichten Entwurf des Nahverkehrsplans 2026-2028 nur insgesamt 762 Wagen der neuen Baureihen J und JK für alle Linien des Berliner U-Bahn-Netzes beschafft werden sollen – in erster Linie aufgrund fehlender Finanzmittel. Vorherige Übereinkünfte sahen einen Mindestabruf von 1000 Wagen vor, der Rahmenvertrag mit dem Hersteller ermöglicht sogar den Kauf von bis zu 1500 Wagen. Aktuell fest bestellt und/oder ausgeliefert sind bislang 140 Kleinprofilwagen der Reihe JK und 344 Großprofilwagen der Reihe J. Die Kritik richtet sich auf die schon seit längerem unzureichende Kapazität auf verschiedenen Linie des Netzes bei gleichzeitig steigender Nachfrage und vorgesehenen Ausbauplänen. Dafür wird eine größere Zahl an Neubaufahrzeugen gefordert, sind die ältesten, zum Teil modernisierten Züge der Berliner U-Bahn doch schon seit mehr als 50 Jahren im Einsatz.

Die mit dem Hersteller vereinbarten Optionen über weitere Fahrzeuge gelten für einen Abruf bis 2030, mit Lieferung bis 2035. Darüber hinaus gehende Bestellungen für Neufahrzeuge müssten neu ausgeschrieben werden, wofür ein Vorlauf bis zu einer Bestellung von 5-6 Jahren als durchaus realistisch anzusehen ist.

Strausberger Platz | © Bernhard Kußmagk

Technische Daten U-Bahn Baureihe J:

  • Achsanordnung: (1A)Bo’ + Bo’(A1) (zweiteilig) / (1A)Bo’ + Bo’(A1) + (1A)Bo’ + Bo’(A1) (vierteilig)
  • Kapazität: Sitzplätze 38 Stehplätze110 (4 Pers./m2) im Zweiteiler, 177 + 353 im Vierteiler
  • Fußbodenhöhe: 950 mm
  • Einstiegbreite: 1.300 mm
  • Drei Türen pro Wagenseite
  • Länge über Kupplung: 32.100 mm / 64.200 mm
  • Fahrzeugbreite: 2.650 mm
  • Min. Kurvenradius: 50 m
  • Antriebsleistung: 660 kW / 1.320 kW
  • Drehstrom-Asynchronantriebe
  • Stromsystem: 750 V=, seitl. Stromschiene
  • Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Alexanderplatz | © Bernhard Kußmagk
03.05.2026