Die Stilllegung der schmalspurigen Tram in Rom – endgültig oder vorübergehend?

Zug 064+420+062, aufgebaut in den 1960er Jahren unter Nutzung alter Komponenten von Wagen aus den 1920er Jahren! | © Dirk Budach

Als Überbleibsel einer einst über 100 km langen Überlandbahn verkehrt seit langen Jahren eine Straßenbahnlinie auf 950 mm Spur in dichtem Taktverkehr von der Endstelle Laziali in die östlichen Vororte der italienischen Hauptstadt. Immer wieder verkürzt, bedient sie seit 2015 den knapp 6 km langen Abschnitt bis Centocelle, wo sich auch die Betriebswerkstatt und das Depot befinden. Teile der weiterführenden Strecke bis Pantano bedient heute die fahrerlose Metrolinie C.

Neben einigen moderneren Gelenkwagen setzt sich der Einsatzbestand der Centocelle-Linie noch immer aus diversen jahrzehntealten, mehrfach umgebauten Vierachsern als Trieb- und Steuerwagen zusammen.

Umbau und Integration

Lange Zeit war das Schicksal der Linie unklar, doch vor einigen Jahren einigte man sich grundsätzlich auf die Umstellung und Integration ins sonstige römische Straßenbahnnetz auf 1.445 mm Spur. Im Februar 2024 wurde nach mehrjähriger Planungsphase der Bauantrag für die Modernisierung und Verlängerung der Strecke ab Centocelle eingereicht: Sie soll zu einer „Metrotram“-Linie bis Tor Vergata umgebaut werden. Zusätzlich ist die Wiederherstellung des zwischen 1940 und 1950 schrittweise stillgelegten Streckenabschnitts bis Termini vorgesehen, um lange Umsteigewege zum Hauptbahnhof künftig zu vermeiden. Nach Abschluss der Maßnahmen soll die Strecke eine Gesamtlänge von 12,8 Kilometern erreichen und 33 Haltestellen umfassen. Der Baubeginn ist für Juli 2026 geplant, die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2029 vorgesehen.

Neuester Triebwagen ist Tw 836, gebaut 1999 von Firema, Station Porta Maggiore | © Dirk Budach

Unfall und unmittelbare Folgen

Am 4. März 2026 kam es auf der Linie Termini–Centocelle zu einem Zusammenstoß zweier Züge im Bereich Ponte Casilino im Bereich einer 50 Meter langen, signalgesicherten Gleisverschlingung. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, dennoch führte der Unfall zur vollständigen Einstellung des Betriebs. Ein Busersatzverkehr besteht seither.

Parallel zum Betriebsstopp wurden technische Untersuchungen eingeleitet, um die Ursachen des Unfalls zu klären und die Sicherheit der Infrastruktur zu überprüfen. Möglich ist allerdings auch die Nicht-Beachtung der Signalanlage durch einen der Fahrer der beteiligten Züge aus älteren Vierachsern.

Bislang bleibt der Bahnverkehr eingestellt, ohne dass ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme des Betriebs genannt wird. Die Entscheidung über eine mögliche Wiedereröffnung liegt bei den zuständigen Sicherheitsbehörden und hängt von den Ergebnissen der technischen Inspektionen ab. Sollte sich herausstellen, dass kostspielige Sanierungsarbeiten notwendig sind, könnte die Stadt Rom auf eine Wiederinbetriebnahme verzichten.

Der Hauptgrund hierfür ist wirtschaftlicher Natur: Investitionen in eine ohnehin zur Stilllegung vorgesehene Infrastruktur erscheinent wenig sinnvoll, da die Linie ja bereits in naher Zukunft, spätestens im Juli 2026, ohnehin zum Umbau eingestellt werden soll.

Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

Eisenbahn, städtische Tram und di Linie Laziali – Centocelle nahe der Porta Maggiore | © Dirk Budach

Eine Streckenskizze des römischen Tramnetzes findet sich unter:
https://www.urbanrail.net/eu/it/rom/tram/roma-tram.htm

21.03.2026