Die Umstellung auf reinen E-Betrieb geht langsamer voran: Hamburg beschafft Elektro- und auch wieder Dieselbusse

von Erik Buch
Mercedes-Benz eCitaro am Museumshafen | © Budach

Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg hatte die Indienststellung einer größeren Serie von Dieselbussen im Jahr 2020 als das Ende der Beschaffung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren im ÖPNV verkündet – bis 2030 sollten nur noch elektrische Busse auf den Straßen der Hansestadt unterwegs sein. Schon vor etwa zwei Jahren musste dieses Ziel nach hinten verschoben werden; nun hieß es, dies werde erst Anfang der 2030er Jahre erreicht. Ausbleibende öffentliche Fördermittel des Bundes sind dafür ganz wesentlich verantwortlich. Diese Vorgabe verschiebt sich nun noch einmal weiter nach hinten.

432 der insgesamt gut 1100 Omnibusse der Flotte des größten öffentlichen Verkehrsunternehmens, der Hamburger Hochbahn AG (HHA), sind aktuell batterieelektrisch angetrieben. Bis 2031 werden weitere 240 Elektrobusse in Dienst gestellt, die dann einen Anteil von rund 60 % der Flotte ausmachen sollen. Ein bestehender Rahmenvertrag mit Daimler Buses umfasst bis zu 350 eCitaro sowie eCitaro G mit NMC3-Batterien, die eine Reichweite von knapp 300 Kilometern (Solobus) beziehungsweise gut 250 Kilometern (Gelenkbus) haben.

Mercedes-Benz eCitaro G in Winterhude, Mühlenkamp | © Dirk Budach

Gleichzeitig geht auch der Ausbau der Lade- und Werkstattinfrastruktur mit erheblichen Investitionen voran.

Erneut Dieselbusse

Abweichend von der bisherigen Strategie wird die HHA auch wieder Dieselbusse beschaffen – vorgesehen sind bis zu 150 Fahrzeuge. Als wesentliches Argument nennt die Hochbahn die flexible Aufstellung der Busflotte für verschiedene Einsatzlagen: Angesichts der herausfordernden weltpolitischen Lage, der Situation in der Ukraine und globaler Herausforderungen im Energiesektor bewerte die Hochbahn ihre Aufgaben im Bereich Katastrophenschutz und Krisenvorsorge neu, so die Presseinformationen dazu, um auch in solchen Fällen einen möglichst krisenfesten und leistungsfähigen Nahverkehr gewährleisten zu können.

Vierachsiger Mercedes-Benz CapaCity L Dieselbus wird mit HVO-Kraftstoffen fahren – hier Wagen 4912 am Goldbekplatz | © Dirk Budach
HVO-Kraftstoffe

Eingesetzt werden diese Busse mit HVO-Kraftstoffen, die aus biogenen Rest- und Abfallstoffen – etwa gebrauchten Speiseölen und tierischen Fetten – durch Hydrierung unter Zugabe von Wasserstoff hergestellt werden. Die Hochbahn stellt seit Januar 2026 die bestehende Dieselbusflotte schrittweise auf den Einsatz von HVO-Kraftstoffen um, um die bilanzierten CO₂-Emissionen weiter zu reduzieren.

Dennoch will man am langfristigen zentralen Ziel eines konsequenten E-Bus-Ausbaus festhalten.

Mercedes-Benz eCitaro am U/S-Bahnhof Barmbek | © Dirk Budach

12.05.2026