
Die Verkehrsbetriebe der süditalienischen Metropole Neapel stellten im Mai vergangenen Jahres die ersten batterieelektrischen Busse in Dienst, und die Stadtverwaltung verkündete gleichzeitig ein Beschaffungsprogramm von rund 250 Fahrzeugen für einen Zeitraum von zwei Jahren. Sie setzt dabei auf die Finanzierung dieser Investitionen durch den italienischen Nationalen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR), der Teil des europäischen Aufbauprogramms NextGenerationEU ist. Insgesamt stehen 180 Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen rund 145 Millionen Euro auf die Fahrzeugbeschaffung und 35 Millionen Euro auf den Aufbau der Ladeinfrastruktur in den Betriebshöfen.
Die ANM Azienda Napoletana Mobilità S.p.A. setzt dabei auf Modelle verschiedener Hersteller, um unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen und Einsatzanforderungen gerecht zu werden. Die ersten 22 im Mai 2025 in Dienst gestellten Fahrzeuge kamen von den Herstellern Higer, BYD und Iveco. Bis zum Jahresende 2026 sollen weitere 60 Elektrobusse in Betrieb genommen werden, deren Auslieferung bereits im Gang ist.

BYD konnte sich bislang den größten Anteil sichern und lieferte sein 10,8-Meter-Modell B11, aber auch schon die ersten 12,2 Meter langen Wagen vom Typ B12.b mit Unterflur-Blade-Battery. Auch das Low-Entry-Modell K9UD ist im Lieferprogramm enthalten sowie die Gelenkwagen B18s.
Iveco liefert die 9,5-Meter-Variante seines E-WAY-Modells. Von Higer sind diverse rund 7 Meter lange „Azure 7“ im Bestand, vom chinesischen Hersteller Granton der 8 Meter lange GTZ6859BEVB und von Karsan das Modell e-ATAK.



Rein elektrisch betriebene Busse gibt es in Neapel übrigens schon sehr lange: Seit 1940 fahren Trolleybusse in der Stadt, aktuell auf drei städtischen Linien (201, 202 und 204) und der Vorortlinie 254R nach Portici. Linie 204 ist erst 2021 auf Trolleybusbetrieb umgestellt worden. Von den einst vorhandenen 87 AnsaldoBreda F19 Obussen mit Dieselhilfsantrieb (Baujahr 2001) sind noch rund 30 betriebsbereit und weitere ca. 20 als Ersatzteilspender vorhanden. Sie werden in den heißen Sommermonaten nicht eingesetzt, weil sie keine Klimaanlagen haben und aufgrund des geringeren Verkehrsaufkommens ausreichend Elektrobusse, die sonst auf anderen Linien fahren, zur Verfügung stehen. Für das kommende Jahr ist die Ausschreibung von Neuwagen als Batterie-Trolleybusse in Vorbereitung, um das gut unterhaltene Fahrleitungsnetz intensiver nutzen zu können, z. B. durch Linien, die nur zum Teil unter einer bestehenden Fahrleitungsstrecke verlaufen. Dort können diese Fahrzeuge ihre Traktionsbatterien unter der Oberleitung ohne Zeitverlust wieder aufladen und die Fahrt über Abschnitte ohne Leitung im Batteriemodus fortsetzen.
Insgesamt rund 400 Omnibusse haben die Verkehrsbetriebe Neapel aktuell im Bestand.


Ein Bild aus der Vergangenheit:


