
Mit dem Modell 22.260 erweiterte Volkswagen Caminhões e Ônibus (VWCO) sein brasilianisches „Volksbus“-Programm um ein ganz besonderes Fahrgestell insbesondere für Omnibusse mit hoher Fahrgastkapazität für den Stadt- und Vorortverkehr. Das Modell wurde speziell für den Einsatz in Metropolregionen entwickelt, in denen hohe Fahrgastzahlen u.a. auf sogenannten BRT (Bus Rapid Transit)-Linien auf separater Trasse erreicht werden. Charakteristisch ist die ungewöhnliche Achsanordnung mit zwei gelenkten Vorderachsen und einer angetriebenen Hinterachse (6×2), die eine hohe Achslast ermöglicht, ohne auf ein konventionelles Nachlaufachs-Konzept zurückzugreifen. Volkswagen verkauft den „Super Ônibus“ 22.260 entsprechend auch als mögliche Alternative zu Gelenkwagen.

Angetrieben werden die Busse von einem vorne eingebauten MAN D08-Dieselmotor mit einer Leistung von 260 PS (191 kW), der – je nach Baujahr und Absatzmarkt – die jeweils geltenden Emissionsnormen (Euro III bis Euro V bzw. PROCONVE) erfüllt. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 22 Tonnen. Je nach Aufbau kommen automatisierte oder vollautomatische Getriebe von Allison oder ZF zum Einsatz. Das Fahrgestell ist für den intensiven Stadtverkehr ausgelegt und verfügt über eine luftgefederte Hinterachse sowie eine verstärkte Rahmenkonstruktion für hohe Nutzlasten. Die Frontlenkerbauweise erleichtert zudem die Wartung des Motors. Der Einstieg in die Hochflur-Busse erfolgt über 2 Stufen oder über erhöht angeordnete Türen (auch an beiden Wagenseiten), wie sie für den stufenlosen Einstieg an erhöhten Busplattformen gerade bei BRT-Lösungen oft Verwendung finden.
Wie in Südamerika weit verbreitet, liefert Volkswagen das Chassis, während die Karosserien von spezialisierten Aufbauherstellern stammen. Zu den wichtigsten Partnern zählen Caio Induscar mit den Baureihen Apache VIP und Millennium, Marcopolo mit den Modellen Torino und Viale BRT, Mascarello (GranVia), Comil (Svelto), Neobus (Mega) sowie Busscar. Dadurch kann das Fahrgestell an unterschiedliche Anforderungen des Stadt-, BRT- und Überlandverkehrs angepasst werden.


Das Volksbus 22.260-Fahrgestell richtet sich in erster Linie an große Verkehrsunternehmen in Brasilien und weiteren lateinamerikanischen Ländern. Zu den wichtigsten Betreibern zählen die städtischen Verkehrsbetriebe und privaten Konzessionäre in São Paulo, Rio de Janeiro, Curitiba, Belo Horizonte, Salvador, Recife und Fortaleza, wo die Fahrgestelle sowohl im konventionellen Linienverkehr als auch auf BRT-Systemen eingesetzt werden. Darüber hinaus wurden Fahrzeuge auf diesem Fahrgestell unter anderem nach Chile, Kolumbien, Peru, Mexiko sowie in weitere südamerikanische Exportmärkte geliefert.
Mit dem 22.260 unterstrich Volkswagen Caminhões e Ônibus seine Strategie, das Volksbus-Programm um leistungsstarke Fahrgestelle für hochkapazitive Bussysteme zu erweitern. Das Modell verbindet robuste Lkw-Technik mit der in Lateinamerika weit verbreiteten Chassis-Aufbau-Bauweise.


