Die französische Stadt Limoges plant in den kommenden Jahren eine umfassende Neuorganisation ihres öffentlichen Nahverkehrsangebotss. Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau eines modernen, weitgehend elektrisch betriebenen Bussystems, das klassische Oberleitungsbusse, batterieelektrische Fahrzeuge sowie zwei neue Bus-Rapid-Transit-Linien miteinander kombiniert. Die traditionsreiche Trolleybusstadt will damit ihre Rolle als Vorreiter elektrischer Stadtverkehre in Frankreich weiter ausbauen.
Limoges gehört zu den wenigen Städten Frankreichs, die ihr Trolleybusnetz seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich betrieben haben. Das heutige Netz umfasst fünf Linien mit rund 30 Kilometern Länge und bildet bis heute das Rückgrat des städtischen Busverkehrs.

Die geplante Umgestaltung basiert auf einem bereits 2018 entwickelten Verkehrskonzept von Limoges Métropole. Ziel ist eine stärkere Orientierung an schnellen, häufig verkehrenden Hauptachsen mit verbesserten Umsteigemöglichkeiten. Das neue Netz soll hierarchisch aufgebaut werden: Neben lokalen Buslinien bilden künftig Batterie-Oberleitungsbusse und sogenannte BHNS-Linien („Bus à Haut Niveau de Service“) das leistungsfähige Kernnetz. Diese Hauptlinien sollen an sieben Tagen pro Woche verkehren und dichte Fahrplantakte bieten.
BHNS Batteriebus-Linien
Kernstück des Projekts ist das unter dem Namen „Moovéo“ laufende BHNS-Programm. Bis 2030 sollen zwei hochwertige Schnellbuslinien entstehen. Die Linie A soll Beaubreuil mit dem Universitätsklinikum verbinden und auf rund 13,6 Kilometern 28 Stationen bedienen. Die Linie B wird zwischen Val de l’Aurence und Panazol verkehren und knapp 10 Kilometer lang sein. Vorgesehen sind eigene Fahrspuren, moderne Haltestellen sowie Vorrangschaltungen an Kreuzungen, um die Reisezeiten deutlich zu verkürzen. Die beiden Linien kreuzen sich am Place d’Aine und am Anfang des Boulevard Gambetta. Beide Linien sollen tagsüber häufiger verkehren: Linie A alle 6 bis 9 Minuten und Linie B alle 8 bis 10 Minuten. 33 Busse werden dafür nach aktuellen Planungen für alle Umläufe benötigt.
Die beiden neuen BHNS-Linien A und B werden vollständig mit batterieelektrischen Bussen betrieben. Sie sollen an den Endhaltestellen über Schnellladesysteme nachgeladen werden – vorgesehen sind Ladeeinrichtungen an beiden BHNS-Linienenden. Die Fahrzeuge verkehren somit ohne Oberleitung und ermöglichen zugleich einen lokal emissionsfreien Betrieb auf den neuen Schnellbusachsen.

Künftige Trolleybuslinien
Nach den derzeitigen Planungen wird das seit 1943 bestehende Trolleybusnetz von heute fünf auf künftig vier Hauptlinien reorganisiert. Die heutigen Linien 1, 2, 4, 5 und 6 bilden dabei die Grundlage des neuen elektrischen Kernnetzes. Derzeit verkehren Oberleitungsbusse auf folgenden Achsen:
- Linie 1: Route de Lyon – Porte de Louyat
- Linie 2: Pierre Curie – La Bastide
- Linie 4: Montjovis – Pôle Saint-Lazare
- Linie 5: Jean Gagnant – Les Courrières/La Cornue
- Linie 6: La Bastide 2 – Maréchal Juin
Diese Linien transportieren bereits heute mehr als die Hälfte aller Fahrgäste des Netzes.
Künftig sollen die wichtigsten elektrifizierten Hauptachsen weiterhin mit Trolleybussen betrieben werden. Vorgesehen ist dabei der verstärkte Einsatz sogenannter „In-Motion-Charging“-Fahrzeuge – auch als „Dynamic Charging“ bezeichnet. Diese können während der Fahrt unter der Oberleitung laden und anschließend mehrere Kilometer ohne Fahrleitung verkehren. Dadurch lassen sich auch neue Streckenabschnitte ohne vollständige Oberleitungsinfrastruktur bedienen. Gleichzeitig sollen ältere Fahrleitungsanlagen im historischen Stadtzentrum und auf anderen Teilabschnitten des aktuellen Netzes, u.a. nach Route de Lyon, teilweise reduziert werden, mit dem Argument, dadurch Wartungskosten zu senken.

Die künftigen Linien für die Batterie-Trolleybusse nach dem Dynamic Charging Konzept heißen T1 bis T4:
- T1: Porte de Louyat – La Cornue
- T2: PEM Bastide – Universitätsklinikum
- T3: PEM Casseaux – Val de l’Aurence (Mal Juin)
- T4: PEM Beaublanc – PEM St. Lazare
Die neuen Linien sollen dichter getaktet und stärker aufeinander abgestimmt werden als das heutige Netz. Vorgesehen sind moderne Umsteigeknoten mit kurzen Übergangszeiten – PEM genannt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung der Infrastruktur. Dazu gehören modernisierte Depotanlagen, außerdem müssen alle Unterwerke des bestehenden Trolleybusnetzes weitgehend erneuert werden, da sie das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht haben.
Fahrzeugbestellung
Der aktuelle elektrische Buspark besteht aus folgenden drei Trolleybusmodellen:
Wagen 101-127 Irisbus Cristalis ETB12 , Baujahre 2006-11
Wagen 901-904 Hess/Vossloh Kiepe „Swisstrolley“ Gelenkwagen, Baujahr 2013
Wagen 911-917 Iveco Skoda Crealis/Skoda, Gelenkwagen, Baujahre 2019+22

Iveco ist der Gewinner zweier Ausschreibungen für Neuwagen für das neue, kombinierte elektrische Busnetz. Über die französische Tochter Heuliez liefert Iveco Bus 20 bis 45 elektrische Gelenkbusse des Typs GX 437 ELEC LINIUM. Die zugehörige Ladeinfrastruktur wird von Dalkia Electrotechnics bereitgestellt, installiert und gewartet, einschließlich der elektrischen Infrastruktur, Ladegeräte und ABB-E-mobility-Ladedome. Die Gelenkbusse GX 437 ELEC LINIUM sind mit Hochleistungsbatterien und einem auf dem Dach montierten Pantografen für das Laden ausgestattet, dazu mit zwei Ladeanschlüssen für das Depot. Die Busse bieten Platz für mehr als 150 Fahrgäste, darunter 34 Sitzplätze und zwei Stellplätze für Personen mit eingeschränkter Mobilität (PRM).
Zusätzlich werden 13 batterie-elektrische 12-Meter-Busse des Typs GX 337 ELEC geliefert, mit einer Option zur Erhöhung auf insgesamt 40 Fahrzeuge. Die Auslieferungen sollen 2028 beginnen und sich über vier Jahre erstrecken.


