Ein Konzept für die Straßenbahn Plauen

von Erik Buch
Stark nachgefragt: Die Tram in Plauen | © Dirk Budach

Die Stadt Plauen, im sächsischen Voigtland gelegen, hat schon seit 1894 eine elektrische Straßenbahn. Sie diente lange rund 65.000 Menschen, die heute in der Stadt leben, ausschließlich als Nahverkehrsmittel. Erst seit 1995 gehört auch eine Omnibuslinie zum Angebot des örtlichen Verkehrsbetriebs, ansonsten sind bilden noch immer die vier Tramlinien das Rückgrad des ÖPNV.

Endstelle Südvorstadt | © Urban Transport Magazine/b
Stilllegung als Option?

Ausgerechnet hier tauchten in den vergangenen Monaten ersthafte Überlegungen zum Ersatz aller Trambahnen durch Omnibusse auf. Kaum verwunderlich, haben diese Ideen ihren Ursprung vor allem in der angespannten Finanzsituation der Kommune. Überproportional steigende Personal- und Energiekosten ebenso wie erhöhte Aufwendungen für die alternde Flotte, dazu der direkte Kostenvergleich mit den aktuell eingesetzten Elektrobussen, verstärkten den Druck auf die Entscheidungsträger. Der Ersatz der inzwischen 36 bis 45 Jahre alten Tatra KT4D Kurzgelenkwagen, die mit 14 Wagen noch immer den größeren Teil der Flotte ausmachen, steht in den nächsten Jahren an. Sie bedienen heute das 17 km lange Netz zusammen mit neun zweiteiligen Bombardier-Niederflurwagen aus den Jahren 2013-2017.

Gegen die Abschaffung der Straßenbahn in Plauen formierte sich allerdings recht rasch Widerstand in der Stadtbevölkerung, der in einer Unterschriftenaktion mündete, in der sich rund 23.000 Menschen sich für eine Revision des Konzepts unter Beibehaltung des Schienennetzes aussprachen. Bei einer Stadtbevölkerung von insgesamt etwa 65.000 zweifellos eine relevante Größe, die den meisten Beteiligten wohl recht deutlich machte, dass das Thema auf politischer Ebene kaum unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu entscheiden ist.

Tatra KT4D unterhalb der Reste des Schlosses | © Dirk Budach
Tw 216 in traditioneller Lackierung anlässlich des 130-jährgen Bestehens der Straßenbahn in Plauen | © Dirk Budach
Tram oder Bus? Plauen will das Schienennetz als Basis des ÖPNV beibehalten | © Dirk Budach
Ein neues Modell als Alternative

Kern der aktuellen Überlegungen ist die Entwicklung eines gemeinsamen Modells für Straßenbahn- und Busverkehr, das den öffentlichen Nahverkehr in Plauen langfristig sichern soll. Dabei bleibt die Plauener Straßenbahn GmbH (PSB) eine 100-prozentige Tochter der Stadt Plauen, die auch weiterhin für die Infrastruktur verantwortlich zeichnet. Der Straßenbahnbetrieb, der Betriebshof sowie die gesamte zugehörige Infrastruktur verbleiben damit im Eigentum und im Verantwortungsbereich der Stadt.

Im Zuge der Neuorganisation ist vorgesehen, den Stadtbusverkehr künftig durch die Plauener Omnibusbetrieb GmbH (POB) erbringen zu lassen, einen Betrieb des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV). Die derzeit von der PSB betriebenen Elektrobusse könnten somit perspektivisch an den POB übertragen werden. Ziel dieser Neuordnung ist eine klarere Aufgabentrennung und eine effizientere Organisation des Gesamtsystems, ohne die Straßenbahn als tragende Säule infrage zu stellen.

Mercedes-Benz eCitaro auf der Steilstrecke in der Innenstadt zwischen Tunnel und Albertplatz | © Dirk Budach
Die künftige Finanzierung

Eine zentrale Rolle spielt dabei die künftige Finanzierung: Zur dauerhaften Stabilisierung des Systems soll das derzeitige strukturelle Defizit von rund 4,5 Millionen Euro jährlich auf mehrere Schultern verteilt werden. Vorgesehen ist, dass die Stadt Plauen, der Vogtlandkreis und der Freistaat Sachsen jeweils etwa 1,5 Millionen Euro übernehmen. Dieses Drei-Säulen-Modell bildet die Grundlage für eine langfristig tragfähige Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs.

Bereits heute beteiligt sich der Vogtlandkreis über Finanzausgleichszahlungen in Höhe von rund 1,32 Millionen Euro jährlich. Diese sollen auf etwa 1,5 Millionen Euro erhöht werden; eine entsprechende Dynamisierung steht zur Beschlussfassung im Kreistag an. Ergänzend kommen Zuschüsse des Zweckverbandes in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr hinzu. Zusammen ergibt sich damit ein deutlich stabileres finanzielles Fundament für den Betrieb.

Ein revidiertes Gesamtkonzept zur Zukunft des Stadtverkehrs soll somit eine wirtschaftlichere Abwicklung unter Beibehaltung der bestehenden Traminfrastruktur zum Kern haben, bei gleichzeitig langfristiger Ausrichtung des Netzes auf sich änderndes Nutzerverhalten. Die Straßenbahn würde weiterhin das Rückgrat des Systems bilden, ergänzt durch flexibel einsetzbare Busverkehre. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge mit einer stabilen, auf mehrere Schultern verteilten Finanzierungsbasis zu verbinden – nur dann kann der öffentliche Nahverkehr in Plauen dauerhaft gesichert werden.

Bombardier Niederflurbahn an der zentralen Haltestellen Tunnel | © Urban Transport Magazine/b
© Dirk Budach
29.04.2026