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Ein Rundgang über die Bus2Bus 2022

Der Branchentreff für die deutsche und europäische Bus- und Zulieferindustrie legte vergangene Woche einen erfolgreichen Neustart hin. Es handelt sich um die insgesamt dritte Live-Ausgabe, die vom 27. bis 28. April auf dem Berliner Messegelände stattgefunden hat. Nach pandemiebedingter Verschiebung hieß es endlich “zurück zu persönlichem Austausch”. Rund 2.000 Teilnehmer*innen aus 25 Ländern informierten sich über die neuesten Trends der Busbranche, wobei Nachhaltigkeit durch technologische Innovationen im Mittelpunkt stand. Auch die nächste Bus2Bus ist bereits geplant und soll vom 24. bis 25. April 2024 stattfinden.

„Die BUS2BUS hat an den beiden Messetagen das hohe Maß an Innovationskraft in der Branche widergespiegelt und der Diskussion über neue Antriebe, Infrastrukturen und neue Mobilitätskonzepte eine geeignete Plattform geboten. Die Qualität der Fachbesucher*innen war sehr hoch, wie uns das Feedback unserer Aussteller zeigt. Die Stimmung war überwältigend und hat einmal mehr unterstrichen, wie sehr die Branche persönliche Begegnungen vermisst hat – denn Bus-Business ist People-Business“, so Kerstin Kube-Erkens, Direktorin der BUS2BUS.

Rund 100 Aussteller aus 16 Ländern stellten beim Branchentreff der deutschen und europäischen Bus- und Zulieferindustrie ihre Produkte, Dienstleistungen und technischen Lösungen vor. Die Keyplayer der Branche waren mit größerem Produktangebot, insbesondere mehr Fahrzeugen vertreten. Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben mit ihrem Besuch die Bedeutung des Busses im Rahmen der Mobilitätswende unterstrichen. Die Kombination aus Fachmesse, einem informativen Bühnenprogramm, bestehend aus Future Forum und bdo-Kongress, sowie den BUS2Specials kam bei Fachbesucher*innen und Ausstellern gleichermaßen gut an, was sich in positiven vorläufigen Befragungsergebnissen widerspiegelt. Hervorzuheben ist auch die Bus2Pitch Plattform, auf der Startups aus der ÖPNV- und Busbranche ihre neuesten Produkte präsentieren konnten.

Über 25 Neufahrzeuge

In diesem Jahr wurden über 25 Neufahrzeuge ausgestellt. Das sind sogar mehr als im Jahr 2019. Interessant ist, dass sowohl ÖPNV als auch Fahrzeuge aus dem Regional- und Fernverkehr gezeigt wurden. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Busbranche lag ein weiterer Schwerpunkt der Messe auf Digitalen Services. Darüber hinaus wurde eine Startup Area vorbereitet, wo junge Unternehmen aus der Mobilitätsszene ihre Lösungen vorstellen.

Im Außenbereich durften Fachbesucher die neuen Fahrzeuge auch live erleben und teilweise sogar selbst lenken – ermöglicht durch ein Fahrschulfahrzeug. Wir haben uns die ausgestellten Busse angesehen und mit der Herstellern über neue Marktentwicklungen gesprochen.

Die ausgestellten Busse – eine Übersicht

Newcomer auf der Bus2Bus war zweifelsohne das E-Bus Start-up Arthur. Das im März 2021 gegründete Unternehmen Arthur Bus mit Sitz in Planegg bei München hat mit dem H2 Zero einen neuen Brennstoffzellenbus vorgestellt, dessen Verbrauch nach eigenen Angaben bei unter sechs Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer und somit geringer als bei den Wettbewerbern liegen soll. Der 12 Meter Bus hat eine Reichweite von über 450 km und soll ab Mitte 2022 auf den Markt kommen. Produziert wird bei Lublin in Polen, große Teile des Engineerings sitzen in Deutschland. In den vergangenen Jahren hat die Firma bereits Erfahrung mit Komponenten auf verschiedenen Demonstratorbussen gesammelt. Neben der Wasserstoffvariante sind zukünftig auch Elektrobusse in 12 und 18 m Versionen geplant. Ziel ist, auf dem Markt für emissionsfreie Busse mit geringerem Gewicht und höherer Effizienz von Antriebsstrang und Nebenverbrauchern zu punkten.

Ein neuer Player auf dem Markt für emissionsfreie Busse: Der Arthur H2 Zero | © UTM/b

Caetano, ein portugiesischer Bushersteller, der seit einigen Jahren gemeinsam mit Toyota Europa Brennstoffzellenbusse in Europa vertreibt, hatte den H2.CityGold mit im Gepäck. Mit dem Fahrzeug wurden auf dem Freigelände Probefahrten angeboten. Den 10,74 m langen Bus gibt es als Zwei- und Dreitürer. Die elektrischen Siemensmotoren werden durch eine 60 kW Toyota Brennstoffzelle und einer LTO Li-Ionen Batterie angetrieben. Insgesamt fasst der Bus 312 Liter (37,5 kg) Wasserstoff, was eine Reichweite von ca. 400 km ermöglicht.

Der Caetano H2 CityGold Brennstoffzellenbus auf Probefahrt unter dem Messeturm | © UTM/b

Daimler Buses/ Mercedes Benz nahm mit einem vollelektrisch angetriebenen Mercedes-Benz eCitaro an der Bus2Bus teil. Der eCitaro ist als Solo- und Gelenkbus mit unterschiedlichen Türvarianten erhältlich und findet sich in einer zunehmenden Anzahl Verkehrsbetrieben in Deutschland und Europa im Betrieb. Zur Wahl stehen ebenfalls zwei unterschiedliche Batterietechnologien in mehreren Konfigurationen. Auch die Ladetechnologie ist variabel: Es gibt drei Positionen für Ladestecker – zwei davon sind pro Fahrzeug wählbar – zur Aufladung im Depot, außerdem für Zwischenladungen Ausführungen mit Pantografen und Ladeschienen.

Daimler Buses lässt die Verkehrsunternehmen darüber hinaus an der raschen Weiterentwicklung der Batterietechnologie teilhaben. Das betrifft ebenso den Einsatz von Festkörperbatterien wie die Nutzung der jeweils aktuellen Generation von NMC-Batterien.

Daimler Buses zeigte auch die Dienstleistungen, die neben den Bussen angeboten werden: Auf Wunsch addiert sich zum eCitaro die komplette Infrastruktur einschließlich notwendiger Umbaumaßnahmen des Betriebshofes und Ladetechnologie aus einer Hand. Das heißt für Verkehrsunternehmen: schlüsselfertige E-Mobilität mit Stadtbussen mit maßgeschneiderten Fahrzeugen und ebenso individueller Infrastruktur von der Planung bis zur Inbetriebnahme.

Der ausgestellte Mercedes-Benz eCitaro in der 12 m Variante | © UTM/b

Der niederlänidische E-Bus Hersteller Ebusco zeigte auf dem Außengeländer einen Ebusco 2.2 in der Low-Entry-Ausführung. Zwar befinden sich die ersten Serienfahrzeuge der Ebusco 3.0 Generation schon in der Auslieferung, jedoch wird der Ebusco 2.2 auch weiterhin betrieben. Die gezeigte Low-Entry Variante eignet sich sowohl für den Stadt- als auch für den Überlandverkehr. Dank seiner Reichweite von 350 km muss der E-Bus am Wochenende nicht arbeitslos bleiben, sondern kann auch für Sonder- und Ausflugsfahrten genutzt werden.

Besonders stolz ist Ebusco auf den Ebusco 3.0, der eine Reichweite von bis zu 575 km aufweisen soll. Der Ebusco 3.0 wurde im März 2022 außerdem mit den Red Dot Award in der Kategorie Produktdesign gewonnen.

Der ausgestellte Ebusco 2.2 LE eignet sich sowohl für den Stadt- als auch für den Regionalverkehr | © UTM/b

Der türkische Minibus-Spezialist Anadolu Isuzu zeigte seinen noch relativ neuen Novociti Volt Elektro-Midibus, den es in einer 8 m und einer 9 m Variante gibt. Je nach Batteriegröße und Klimaleistung werden Reichweite zwischen 200 km und 350 km angegeben. Es wird ein Zentralmotor von Dana TM4 mit einer Leistung von 255 kW und 2.355 Nm verwendet. Es werden LFP (Lithium-Eisenphosphat) Batterien verwendet, auf die eine Garantie von 8 Jahren gegeben wird.

Mit dem Novocity Volt bringt Isuzu den Elektroantrieb in die sein Midibusportfolio | © UTM/b

Iveco Bus feierte die Deutschlandpremiere des neuen Streetway, bei dem es sich um einen 12-Meter Niederflurstadtbus mit Euro VI Step E Cursor-9-Diesel-Motor mit bis zu 265 kW (360 PS) handelt. Er ist als Diesel- und Gasbus erhältlich. Es können wahlweise Voith- oder ZF-Getriebe sowie zwei oder drei Türen verbaut werden. Der Bus ist auch in den Längen 18 m und 18,75 m erhältlich. Der Streetway wurde als günstigere Alternative zum Urbanway, welcher im ehemaligen Renault/ Irisbus Werk in Frankreich produziert wird, geschaffen.

Darüber hinaus stellte Iveco seinen elektrischen E-Way Elektrobus aus. Dieser ist mit Li-Ionen NMC (Nickel-Mangan-Cobalt) Batterien ausgestattet, die dank einer Kapazität von 462 kWh eine Reichweite von bis zu 400 km erlauben. Den E-Way gibt es eben falls als 12 m als auch als 18 m Variante und kann per Pantograf oder im Depot nachgeladen werden. Darüber hinaus gibt es auch zwei kurze Varianten (9,5 m und 10,7 m), die per Steckerladung nachgeladen werden können.

Iveco Bus Streetway als Deutschlandpremiere und der elektrische E-Way I © UTM

Karsan zeigte auf der Bus2Bus gleich drei elektrische Bus. Im Innenbereich konnte der 5,8 m Jest Electric sowie der 8 m lange e-Atak besichtigt werden. Beide Kleinbusse zeichnen sich durch seinen elektrischen Antriebsstrang von BMW aus. Der Jest Electric verfügt über eine Reichweite von 210 km und kann bis zu 25 Fahrgäste befördern. Um einige Kategorien größer ist der Karsan e-Ata Elektrostadtbus, den es in Längen von 10, 12 und 18 m gibt. Auf dem Außengelände konnte der dreitürige e-Ata getestet werden, für den eine Reichweite von 450 km angegeben wird. Dies wird mit LFP-Batterien und einer Kapazität von 449 kWh erreicht.

Der Kleinbusspezialist K-Bus (Kutsenits) aus Österreich zeigte mit mehreren Citybussen sein Portfolio, welches mittlerweile auch elektrische Kleinbusse anbietet. Die im eigenen Werk auf bestehenden Chassis herstellten Busse können an sämtliche Kundenanforderungen angepasst werden und eignen sich somit für Bürger- und Kleinbusverkehre. Der auf dem Außengelände gezeigte E Solar City XL ist zu 100 % elektrisch und niederflurig und erreicht eine Reichweite bis 200 km. Genutzt wird die Antriebstechnik des Mercedes-Benz EOV Viano.

Der elektrische E Solar City XL Dreiachser von K Bus | © UTM/b

Pepper Motion (ehemals etrofit) hat einen von Diesel- auf Elektroantrieb umgebauten Mercedes Benz Citaro ausgestellt. Der gesamte Dieselantriebsstrang wurde dabei durch einen elektrischen mit Antriebsbatterien ersetzt. Die Batterien sind im Heck, wo sich ehemals der Motor befand, untergebracht. Genutzt werden NMC-Batterien und eine ZF-Elektroachse. Weitere Modelle, die sich für den Umbau eignen, befinden sich in der Vorbereitung.

etrofit – jetzt pepper: Aus Dieselbus umgebauter Elektrobus | © UTM/b

Auch aus der Türkei angereist war Otokar mit seinem neuen elektrischen Midibus e-Centro C, der ebenfalls in Berlin seine Deutschlandpremiere feierte. Er zeichnet sich durch ein modernes Design aus und hat eine länge von 6,61 m und eine Breite von 2,45 m. Es werden Permamentmagnet-Synchronmotoren von Dana TM4 verwendet mit NMC-Batterien mit einer Kapazität von 70 kWh oder optional 110 kWh verwendet. Auf dem Außengelände wurde der 12 m lange E-Kent C gezeigt, für den eine Reichweite von 300 km angegeben wird.

MAN zeigte neben dem Lion’s City 18 E Elektrogelenkbus den Lion’s Intercity LE, bei dem es sich um einen neuen Low-Entry-Bus handelt, der sowohl für den Stadt- als auch für den Regionalverkehr geeignet ist. Er ist mit dem Efficient-Hybrid-Modul ausgestattet und reduziert dadurch Schadstoffe und Emissionen.

Zumindest neu auf dem europäischen Markt ist der Hersteller Switch. Hinter der Marke Switch Mobility verbirgt sich ein neuer Konzern für elektrifizierte Nutzfahrzeuge, der von der indischen Hinduja-Gruppe getragen wird. Switch Mobility vereint die elektrischen Nutzfahrzeugaktivitäten von Ashok Leyland und des ehemaligen Busherstellers Optare, eine recht bekannte Marke aus Großbritannien. Switch verfolgt das ehrgeizige Ziel, mit emissionsfreien Bussen auch auf dem kontinentaleuropäischen Markt fußzufassen. Der Name Switch soll dabei auch Symbol sein für den Wechsel von Fossilen auf emissionsfreie Antriebe. Ausgestellt wurden zwei Modelle für den Linksverkehr aus Großbritannien. Switch Mobility errichtet derzeit eine neue Produktion für Elektrobusse in Valladolid, Spanien.

Switch E-Bus aus Großbritannien – typisch britisch mit nur einer Einstiegstür | © UTM/b

Nachdem Škoda Transportation bereits mehrere Schienenfahrzeugprojekte in Deutschland akquiriert und umgesetzt hat, möchte sich der Hersteller nun auch als Akteur auf dem deutschen Elektrobusmarkt etablieren. Gemeinsam mit der Schwesterfirma TEMSA teilte sich Škoda in der Halle einen großen Stand. TEMSA ist ein Hersteller von Bussen, Midibussen und leichten Lastkraftwagen und gehört seit dem Jahr 2020 im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Sabancı Holding und der PPF-Gruppe, der auch Škoda Transportation angehört. In der Halle zu sehen war einer der 14 neuen E-City 12, mit Ladepantograf für die Prager Verkehrsbetriebe (pid). Er hat eine Länge von 12,2 m und kommt seit Anfang des Jahres auf den Prager Buslinien 154 und 213 zum Einsatz. Der Pantograf ermöglicht das Opportunity-Charging über die Oberleitung, wobei diese durch das bestehende Straßenbahnnetz gespeist werden kann. Wir berichteten hier. Der E-City 12 verfügt über eine Batteriekapazität von 266 kWh. Während Temsa die Karrosserie liefert, zeichnet sich Škoda für den elektrischen Anteil verantwortlich. Auch O-Busse (Trolleybusse) und Brennstoffzellen sollen auf dieser neuen Produktplattform angeboten werden.

Besonders stolz bei Škoda ist man auf die 85jährige Geschichte der Trolleybus-Produktion. Insofern ist der im Februar 2022 gewonnen Auftrag für die Lieferung von 20 Doppelgelenk-Trolleybussen gemeinsam mit Solaris für Prag ein besonderer Auftrag. Der Doppelgelenk-O-Bus wurde im Jahr 2019 erstmals auf der Busworld in Stockholm vorgestellt. 16 Exemplare werden auch nach Bratislava ausgeliefert. Auf dem Stand war ein Lego-Modell des 24-Meter O-Bus von Mateusz Wawrowski aus Polen ausgestellt, der sich mit dem Nachbau von ÖPNV Fahrzeugen aus Lego Bauklötzen u.a. auf Social Media einen Namen gemacht hat.

Als zweiter Bus wurde der Temsa MD9 Electricity ausgestellt, bei dem es sich um einen knapp 9,5 m langen und 2,4 m breiten Midibus handelt. Er wird mit 250 kW Permamentmagnet Motoren angetrieben, die einen Drehmoment von 2760 Nm liefern. Es ist eine 240 kWh Batterie installiert. Auf dem Außengelände konnte die Messebesucher mit dem Tema Avenue Electron Probefahrten absolvieren. Der 12 Meter Bus ist ebenfalls mit TM4 Premanetmagnetmotoren und Li-Ion NMC Batterien ausgestattet, die in drei Größen (240, 300, 360 kWh) angeboten werden.

VDL stellte keine Busse aus, zeigte auf seinem Stand aber eine große Wand mit einem Designbild des neuen Citea Elektro-Gelenkbusses.

So soll VDL’s neuer Elektro-Gelenkbus aussehen | © UTM/b
05.05.2022
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