Eine neue Verbindung in Mainz: Inbetriebnahme der Straßenbahn-Neubaustrecke Binger Straße

Linie 53 fuhr bislang über den Hauptbahnhof, rechts die Neubaustrecke Binger Str. | © Budach

Mit der Neubaustrecke durch die Binger Straße wurde am 10. August 2026 ein wichtiger Baustein des Ausbaus der Mainzer Straßenbahn in Betrieb genommen. Die rund 300 Meter lange Verbindung führt vom Münsterplatz durch die Binger Straße über den Alicenplatz und die Alicenbrücke zum Bereich Hauptbahnhof West. Sie verbindet damit die bestehenden Straßenbahnstrecken westlich und östlich des Hauptbahnhofs. Eine offizielle Einweihungsfeier wird am 15. August stattfinden..

Das wesentliche Ziel des Projekts besteht nicht in der Erschließung eines neuen Stadtteils, sondern in der Entlastung des stark belasteten Bahnhofsvorplatzes und in Fahrzeitverkürzungen auf bestimmten Relationen. Die neue Strecke ermöglicht es Straßenbahnen, den Hauptbahnhofsvorplatz zu umfahren. Fahrgäste können weiterhin am Halt Hauptbahnhof West aussteigen und den Hauptbahnhof auf kurzem Fußweg erreichen. Gleichzeitig verkürzt sich für viele Fahrgäste der Weg zwischen den westlichen Stadtteilen und der Innenstadt.

Die Bauarbeiten hatten im Juni 2024 begonnen. Ursprünglich war eine frühere Fertigstellung vorgesehen; unter anderem archäologische Funde sowie witterungsbedingte Verzögerungen führten jedoch zu einer Verschiebung des Eröffnungstermins.

Darstellung der Neubaustrecke aus Richtung Münsterplatz, links die Binger Str. | © Mainzer Mobilität
Binger Str. (links) am Münsterplatz vor der Eröffnung | © Budach

Bedeutung für das Straßenbahnnetz

Die neue Strecke ist als Bypass zum Hauptbahnhof konzipiert. Sie zweigt am Münsterplatz von der bestehenden Strecke der Linien 50, 52 und 53 ab und schließt am Alicenplatz an die bestehende Strecke im Bereich der Linien 51 und 59 an. Damit entsteht erstmals eine direkte Durchbindung zwischen beiden Seiten des Bahnhofsvorplatzes, ohne dass die Straßenbahn den Bahnhofsvorplatz selbst durchfahren muss.

Mit der Inbetriebnahme entsteht somit vor allem eine betriebliche Entlastungs- und Ausweichroute. Die Bedeutung des Hauptbahnhofs als Umsteigepunkt bleibt bestehen, gleichzeitig wird seine Funktion als zwangsläufiger Durchfahrtsort für alle Straßenbahnlinien reduziert. Die Entlastung ist insbesondere deshalb relevant, weil der Bahnhofsvorplatz bereits in den morgendlichen Spitzenzeiten an seine Kapazitätsgrenzen gekommen war. Nach Angaben der Mainzer Stadtwerke wurden dort zuvor bis zu drei Fahrzeugabfahrten pro Minute abgewickelt. Für die Fahrgäste bleibt der Mainzer Hauptbahnhof dennoch gut an das Straßenbahnnetz angebunden. Mit der Haltestelle Hauptbahnhof West besteht weiterhin eine fußläufige Verbindung zum Bahnhofsgebäude.

Einordnung

Die Binger Straße ist trotz ihrer kurzen Länge von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung des Mainzer Straßenbahnnetzes. Sie ist weniger als klassische Neubaustrecke zur Erschließung neuer Fahrgastpotenziale zu verstehen, sondern vielmehr als Netzergänzung zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Betriebsstabilität.

Gleichzeitig schafft sie eine wichtige Voraussetzung für weitere Ausbauvorhaben der Mainzer Straßenbahn. Die Stadt verfolgt mit dem Projekt „M wie Zukunft“ weitere Strecken, unter anderem den geplanten Innenstadtring und weitere Netzerweiterungen. Die Binger Straße kann dabei als erster kleiner, aber strategisch wichtiger Schritt zu einem leistungsfähigeren und stärker verknüpften Straßenbahnnetz betrachtet werden.

Ausschnitt aus dem Mainzer Liniennetzplan mit der Neubaustrecke | © Mainzer Mobilität
Binger Str. – Blick von der Bahnhofsbrücke | © Budach
11.08.2026