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Endlich: Der Wiederaufbau der Tramvia Blau in Barcelona soll beginnen

Tw 5 auf der Avinguda del Tibidabo | © Dirk Budach

Seit mehr als sieben Jahren stehen die historischen Straßenbahnwagen der Tramvia Blau in Barcelona im Depot. Für den geplanten Umbau der von ihr befahrenen Avinguda del Tibidabo wurde der kleine Trambetrieb am 28. Januar 2018 eingestellt; die einsatzfähigen Wagen bewegten die Mitarbeiter seither nur gelegentlich im Depotvorfeld, um sie nicht völlig „einrosten“ zu lassen. Wir hatten hier berichtet:

Nun hat die Stadtverwaltung endlich die Kostenübernahme zur Modernisierung der Infrastruktur und zur Anpassung der Gleisanlagen an die neu zu gestaltende Avinguda del Tibidabo angekündigt. 2026 sollen die Ausschreibungen erfolgen, um die Arbeiten im Folgejahr durchführen zu können. Auch die Fahrzeuge sollen dabei den aktuellen Anforderungen des Betriebs auf der 1,3 km langen Steilstrecke, die die Metroendstelle der Linie L7 mit der Talstation der Standseilbahn auf den Tibidabo verbindet, angepasst werden. Drei der sechs Triebwagen vom Baujahr 1904 waren bereits vor gut 15 Jahren saniert worden und verloren dabei ihre ursprüngliche, originale Siemens-Elektroausrüstung: Triebwagen 5, 6 und 7 sind seither nur noch äußerlich als Originalwagen der Bahn zu erkennen. Auf die übrigen Triebwagen, darunter auch den Sommerwagen 129 der früheren städtischen Straßenbahn Barcelona, trifft dies bislang nicht zu – sie wurden deshalb auch schon vor der Schließung des Betriebs 2018 nur noch selten eingesetzt. Es besteht die Hoffnung, dass diese Wagen behutsamer und mit mehr Rücksicht auf die historische Technik modernisiert werden.

Endstation Funicular | © Dirk Budach

Die Rekonstruktion der Tramvia Blau verfolgt zwei zentrale Ziele: Einerseits soll die ursprüngliche technische und ästhetische Erscheinung der Straßenbahnwagen erhalten bleiben – inklusive der charakteristischen blauen Lackierung und des halboffenen Aufbaus. Andererseits wird die gesamte Infrastruktur modernisiert, um den aktuellen Sicherheits- und Barrierefreiheitsstandards zu entsprechen. Dazu gehören die Erneuerung der Schienen, die Modernisierung der elektrischen Anlagen sowie die Instandsetzung oder Rekonstruktion historischer Komponenten der Fahrzeuge.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne zu meistern. Die Tramvia Blau soll als lebendiges Kulturerbe weiterhin das nostalgische Flair der Vergangenheit vermitteln, gleichzeitig aber zuverlässig und nachhaltig betrieben werden können.

Der Wiederaufbau wird in Barcelona mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da die Tranvía Blau sowohl bei Einheimischen als auch bei Besuchern einen hohen emotionalen Wert besitzt. Ihr Comeback wird nicht nur die Mobilität im Tibidabo-Gebiet verbessern, sondern auch ein Stück historisches Stadtleben zurückbringen. Die Wiederinbetriebnahme galt lange Zeit als unsicher; Stadtverwaltung und Verkehrsbetriebe äußerten sich zurückhaltend, doch die Öffentlichkeit forderte immer wieder eine Rückkehr der historischen Bahn, die als eine von nur zwei Linien im ganzen Land das große Straßenbahnsterben der sechziger und siebziger Jahre überlebt hatte. Neue Tramanlagen als moderne Niederflursysteme entstanden in Spanien erst wieder seit 1994.

Nach fast zehn Jahren Stillstand ist es nun hoffentlich bis Ende 2027 wieder so weit: Die Tramvia Blau kehrt zurück.

Aktuell sind nur Bewegungsfahrten im Depotbereich möglich, aufgrund der seit mehreren Jahren bestehenden Betriebseinstellung | © Dirk Budach
24.11.2025