Erste Citadis-Straßenbahn für Lille ausgeliefert – Modernisierung der „Mongy“ tritt in neue Phase

Das erste Citadis Fahrzeug in Meterspur, 26 Jahre nach der Auslieferung der ersten Citadis für Lyon und Montpellier im Jahr 2000, wurde am 26. März in Lille aufgegleist I © Métropole Européenne de Lille (MEL)

Mit der Anlieferung der ersten von insgesamt 27 neuen Citadis-Straßenbahnen Ende März hat die umfassende Modernisierung des Straßenbahnnetzes in Lille eine entscheidende Etappe erreicht. Die Fahrzeuge werden vom französischen Hersteller Alstom geliefert und sollen die bestehende Ansaldo Breda Flotte aus den 1990er Jahren vollständig ersetzen. Betrieben wird das Netz von Ilévia, eine Keolis-Tochter, im Auftrag der Métropole Européenne de Lille, die mit diesem Projekt gezielt die Leistungsfähigkeit einer ihrer wichtigsten Verkehrsachsen steigert. Die Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge ist ab Mitte 2026 vorgesehen.

Das Fahrzeug wurde mittels einer Rampe vom LKW auf die Schienen aufgegleist I © Métropole Européenne de Lille (MEL)

Der Auftrag, der ursprünglich 24 Fahrzeuge umfasste, wurde zwischenzeitlich auf 27 Einheiten erweitert und umfasst ein Volumen von rund 124,8 Mio. Euro. Dies entspricht etwa 4,62 Mio. Euro pro Fahrzeug. Er ist Teil eines umfassenderen Investitionsprogramms in Höhe von etwa 276 Mio. Euro, mit dem der öffentliche Verkehr im Großraum Lille ausgebaut und nachhaltiger gestaltet werden soll. Innerhalb dieses Programms kommt der Straßenbahn eine zentrale Rolle zu, da sie eine der nachfragestärksten Verbindungen der Region bedient.

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Blick in den Innenraum der der Citadis 305 für Lille (Designbild) I © Alstom Design & Styling

Technisch basieren die neuen Fahrzeuge auf der bewährten Citadis-Plattform, wurden jedoch speziell für das meterspurige Netz in Lille angepasst. Es handelt sich wohlgemerkt um die erste Citadis Straßenbahn in der Meterspurvariante. In Bezug auf Design und Fahrzeugaufbau entsprechen sie den letzten Citadis 405 Lieferungen für Nantes, Strasbourg (Straßburg) und Paris Seine St. Denis (Linie T1), die zwar alle normalspurig sind, aber ebenfalls fünfteilige Fahrzeuge mit Drehgestellen an den Endwagen und zwei festen Fahrwerken über den mittig angeordneten Mittelwägelchen haben.

Seitenansicht von vier der fünf Module der neuen Citadis Tram für Lille – im Vergleich zu den Citadis 305 Varianten für Paris und Nantes verfügt der Endwagen lediglich über eine Tür (anstatt zwei) I © Métropole Européenne de Lille (MEL)

Die fünfteiligen Fahrzeuge sind 32,4 m lang und 2,40 m breit und bieten Platz für etwa 196 Fahrgäste. Der durchgängig niederflurige Aufbau ermöglicht einen barrierefreien Zugang über die gesamte Fahrzeuglänge hinweg. Im Innenraum sorgen breitere Durchgänge, großzügige Mehrzweckbereiche sowie moderne Fahrgastinformationssysteme, Klimatisierung und verbesserte Sicherheitsausstattung für ein deutlich höheres Komfortniveau gegenüber der bestehenden Flotte.

Neben qualitativen Verbesserungen steht vor allem die Kapazitätssteigerung im Fokus. Die neuen Straßenbahnen bieten rund 20 % mehr Platz als die Ansaldo-Bahnen und reagieren damit auf die seit Jahren steigende Nachfrage, die insbesondere im zentralen Abschnitt zwischen Lille Flandres und Romarin regelmäßig zu Überlastungen führt. Hier stößt das heutige System trotz dichter Taktfolge an seine Grenzen, sodass die neuen Fahrzeuge einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung leisten sollen.

Die neue Citadis Tram für Lille wurde in zwei Teilen aus dem Alstom Werk La Rochelle per LKW angeliefert I © Métropole Européenne de Lille (MEL)

Die Flottenerneuerung ist eng mit der Modernisierung der sogenannten „Mongy“-Straßenbahn verknüpft, die Lille mit Roubaix und Tourcoing verbindet. Das rund 18 km lange Netz wurde bereits 1909 eröffnet und zählt damit zu den ältesten noch betriebenen Überlandstraßenbahnen Frankreichs. Charakteristisch ist die weitgehend unabhängige Trassierung entlang großzügiger Boulevards, die bis heute hohe Reisegeschwindigkeiten und eine wichtige Rolle im Pendlerverkehr ermöglicht.

Die 24 Breda Niederflurbahnen der ersten Generation werden durch die neuen Alstom Citadis Bahnen ersetzt I © Wikipedia Lizenz CC BY-SA 3.0/ Floflo62

Die aktuellen Maßnahmen zielen darauf ab, diese traditionsreiche Infrastruktur langfristig zu sichern und gleichzeitig an heutige Anforderungen anzupassen. Neben der Erneuerung der Fahrzeugflotte stehen dabei auch Verbesserungen bei Zugänglichkeit, Betriebsqualität und perspektivischen Ausbauoptionen im Fokus. Das Projekt steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in vielen französischen Städten zu beobachten ist: die gezielte Aufwertung historischer Straßenbahnstrecken zu leistungsfähigen Rückgraten eines modernen, nachhaltigen Nahverkehrssystems.

Mit der nun begonnenen Auslieferung und den anschließenden Testfahrten tritt das Projekt in seine entscheidende Umsetzungsphase ein. Bis 2026 soll die neue Flotte vollständig in Betrieb sein und die „Mongy“ in eine neue Betriebsära führen.

Ein Video von der Anlieferung der neuen Tram gibt es hier:

31.03.2026