
Die Verkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera (GVB) hat die ersten neuen TINA-Straßenbahnen des Herstellers Stadler offiziell in Betrieb genommen. Mit den Fahrzeugen beginnt die schrittweise Ablösung der bislang eingesetzten, nicht barrierefreien Tatra-Straßenbahnen. Insgesamt investiert die GVB rund 49 Millionen Euro in die Fahrzeugbeschaffung.
Das Beschaffungsprojekt wurde 2018 mit einer Markterkundung gestartet. Nach einer europaweiten Ausschreibung im Februar 2023 erhielt Stadler im November 2023 den Zuschlag. Die erste TINA erreichte Gera am 5. März 2026 auf dem Schienenweg und wurde anschließend über das Straßenbahnnetz zum Betriebshof überführt.
Die neuen Fahrzeuge sind als niederflurige und klimatisierte Straßenbahnen ausgeführt. Große Panoramafenster und ein großzügig dimensionierter Innenraum sollen den Fahrgastkomfort erhöhen. Erweiterte Mehrzweckbereiche bieten zusätzliche Stellflächen für Rollstühle, Rollatoren, Kinderwagen und Fahrräder. Mit der schrittweisen Indienststellung der TINA-Fahrzeuge soll die Barrierefreiheit im Geraer Straßenbahnverkehr deutlich verbessert werden. Bislang kommen noch immer zahlreiche ältere, zum Teil modernisierte Tatra KT4D Wagen in Gera zum Einsatz. Wir hatten u.a. hier über das Projekt berichtet:
https://www.urban-transport-magazine.com/stadler-liefert-sechs-tina-strassenbahnen-nach-gera/
Sobald eine ausreichende Zahl der neuen Fahrzeuge zur Verfügung steht, ist für die Linie 3 ab 2027 ein ganztägiger 7,5-Minuten-Takt vorgesehen.
Die Beschaffung wird durch öffentliche Fördermittel mitfinanziert. Der Freistaat Thüringen stellt insgesamt rund 24,9 Millionen Euro bereit. Davon entfallen rund 17 Millionen Euro auf die sechs Fahrzeuge der Basisbestellung, die unter anderem aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert werden. Für drei weitere Optionsfahrzeuge stehen rund 7,85 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.
Die Stadt Gera beteiligt sich mit Investitionszuschüssen von insgesamt rund 13,5 Millionen Euro. Die verbleibenden Eigenmittel werden gemeinsam mit den Finanzierungspartnern Deutsche Leasing und Sparkasse Gera-Greiz bereitgestellt.
Modifikationen zur Verringerung der Erschütterungen durch die TINA Tram
Stadler arbeitet weiter intensiv an Verbesserungen bei den von verschiedenen Einsatzbetrieben beanstandeten, durch die TINA Tram verursachten Erschütterungen einschließlich damit ausgelöster erhöhter Lärmentwicklung. In Darmstadt haben HEAG mobilo und Stadler haben im Juni 2026 ihre Untersuchungen zu den Erschütterungen entlang ausgewählter Streckenabschnitte des dortigen Straßenbahnnetzes fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Einfluss eine weiterentwickelte Radmodifikation auf die von den TINA-Fahrzeugen ausgehenden Erschütterungen hat. Hierfür wurde ein technisch angepasstes Fahrzeug unter realen Betriebsbedingungen mit einem Serienfahrzeug verglichen. Die Messfahrten fanden an vier Standorten statt, dabei wurde eine gegenüber früheren Tests weiter reduzierte Radsteifigkeit untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass die getestete Radmodifikation die Erschütterungen an einzelnen Standorten wie Kranichstein und Arheilgen weiter reduzieren kann. Die modifizierten Räder führten dort zu einer Verringerung der gemessenen Erschütterungen um drei bis zehn Prozent gegenüber dem Serienfahrzeug. An zwei weiteren, ebenfalls untersuchten Standorten ergab sich kein klares Bild. Dort fiel die Wirkung der getesteten Radmodifikation je nach Messort und Fahrtrichtung uneinheitlich aus.
Stadler wird auf Grundlage der Ergebnisse zwei technische Ansätze weiterverfolgen: Eine nochmals weichere Ausführung der Radreifen soll die Übertragung von Erschütterungen weiter reduzieren. Zudem hat Stadler eine weitere technische Bedämpfungseinrichtung im Bereich des Fahrwerks entwickelt. Beide Lösungen werden derzeit bei einem anderen Stadler-Kunden – bei der BLT in Basel – getestet. Bis Jahresende soll dann erneut ein modifizierter TINA-Prototyp auch in Darmstadt fahren.
02.09.2026
