
Die VGF wird den „T“-Wagen vom heutigen 17. August 2026 an wieder im Fahrgastbetrieb einsetzen. Der Wagen mit der Nummer 320 hatte nach einer rund einjährigen Erprobungs- und Überarbeitungsphase in der vergangenen Woche die erforderliche Zulassung erhalten. Im Rahmen einer Pressefahrt am 13. August wurde das Fahrzeug nochmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Serienlieferung wird wieder aufgenommen
Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Serienlieferung durch Alstom war die Abstimmung des nun erreichten Auslieferungszustands zwischen Hersteller und VGF. Die am Wagen 320 vorgenommenen technischen und qualitativen Verbesserungen bilden dabei die Grundlage für die Übernahme der weiteren Fahrzeuge.
Nach aktuellem Plan soll durchschnittlich alle zwei Wochen ein weiterer T-Wagen nach Frankfurt gelangen. Die Auslieferung der insgesamt 58 Fahrzeuge wird sich voraussichtlich bis 2029 erstrecken. Der Transport erfolgt per Tieflader von Barcelona nach Frankfurt. In der Zentralwerkstatt der VGF werden die Fahrzeuge anschließend in Betrieb genommen und für den Linieneinsatz vorbereitet.
Mit dem Zulauf der Neufahrzeuge kann die VGF zugleich die Ablösung älterer Straßenbahngenerationen vorantreiben. Insbesondere die Hochflurfahrzeuge der Baureihe „P“ sollen vollständig aus dem Fahrgastbetrieb ausscheiden, während die erste Niederflurserie „R“ teilweise ersetzt wird. Die älteren Fahrzeuge verfügen weder über eine Klimaanlage noch durchgehend über einen barrierefreien Zugang. Für einen Teil der R-Wagen bestehen zudem Verkaufsabsichten ins Ausland. Auch diese Verwertung hat sich aufgrund der verzögerten Neuwagenlieferungen entsprechend verschoben.

Wir hatten zuletzt hier über die neue Fahrzeuggeneration berichtet:
Entwicklung länger als geplant
Die Entwicklung des „T“-Wagens bis zur Einsatzreife hat eine längere Vorgeschichte. Einen ersten Wagen der neuen Baureihe hatte die VGF im Dezember 2022 vorgestellt, doch die bis November 2024 gelieferten 14 Fahrzeuge erfüllten nicht die vertraglichen Anforderungen und mussten deshalb – nach Rücklieferung im Frühjahr 2025 – durch den Hersteller Alstom nachgebessert werden. Das betraf eine Reihe technischer Funktionen, die im Fahrbetrieb zu wiederholten Fahrzeugstörungen führten, z.B. bei den Türen, bei Fahrzeugsoftware und der Bedienung durch das Fahrpersonal.

Kurz- und Langversion
Die VGF hatte 2017 die Beschaffung von zunächst 38 Niederflurwagen ausgeschrieben, den Auftrag im Lauf der Jahre aber schrittweise erweitert, um künftigen Anforderungen – Angebotserweiterungen in Form neuer Linien oder engerer Taktfolgen – gerecht zu werden.
Alstom wird insgesamt 58 „T“-Wagen liefern, 24 davon in einer 31,5 Meter langen Standardvariante mit 191 Steh- und Sitzplätzen, 34 als 40 Meter lange Züge mit 248 Steh- und Sitzplätzen. Die Fahrzeuge bestehen in der Kurzversion aus drei, in der Langversion aus vier Teilen. Sie haben vier bzw. fünf Drehgestelle, wovon zwei bzw. drei angetrieben sind. Für Antrieb sorgen „Permanent erregte Synchron-Motoren“, die sich durch eine hohe Energieeffizienz und kleine Bauart auszeichnen. Sie sind außen an den Achsen der Triebdrehgestelle montiert, was wiederum die Instandhaltung vereinfacht.
Niederflur, barrierefrei und fahrgastorientiert
Technisch basiert der T-Wagen auf der Alstom-Fahrzeugfamilie „Citadis SX05“, bringt für den Frankfurter Straßenbahnbetrieb jedoch eine Reihe von Neuerungen mit. Die Fahrzeuge sind vollständig niederflurig. Möglich wird dies unter anderem durch eine spezielle Konstruktion der Radsätze und Achsen. Damit sind sowohl der Ein- und Ausstieg als auch der gesamte Fahrgastraum barrierefrei zugänglich.
Mit einer Wagenkastenbreite von 2,40 Metern entspricht der T-Wagen den bisherigen Frankfurter Standards. Dennoch vermittelt der Innenraum einen ausgesprochen großzügigen und übersichtlichen Eindruck. Einen wesentlichen Anteil daran haben die groß dimensionierten Faltenbalge zwischen den Fahrzeugteilen, die einen breiten Übergang zwischen den einzelnen Segmenten ermöglichen.
Große Panoramafenster verbessern die Sichtbeziehungen für die Fahrgäste und sorgen gemeinsam mit der LED-Innenbeleuchtung für eine helle und gleichmäßige Ausleuchtung. Erstmals setzt die VGF zudem eine Ambiente-Beleuchtung ein. Deren Lichtfarbe wird in Abhängigkeit von der Außentemperatur geregelt und soll damit zu einem angenehmen Raumklima beitragen, ohne den Innenraum optisch zu überladen.
Für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder stehen großzügig dimensionierte Mehrzweckbereiche zur Verfügung. Der schnellere Fahrgastwechsel wird durch vier Türen je Fahrzeugseite beim T30 beziehungsweise fünf Türen beim T40 unterstützt. An jeweils drei Türen pro Seite sind manuell ausklappbare Rampen vorhanden. Damit setzt die VGF – wie bereits beim „S“-Wagen – auf eine robuste mechanische Lösung und verzichtet auf potenziell störanfällige elektrisch ausfahrbare Rampen.
Auch die Fahrgastinformation wurde modernisiert. Ein neues Informationssystem mit zweiteiligen Monitoren informiert über den Linienverlauf und den Betriebszustand. Ergänzend stehen 16 USB-Ladeanschlüsse im T30 und 18 im T40 zur Verfügung.
Neuer Arbeitsplatz für das Fahrpersonal
Auch der Fahrerarbeitsplatz wurde grundlegend modernisiert. Die Fahrerkabine ist zentral angeordnet und bietet durch die groß dimensionierte Frontscheibe eine gute Sicht auf das Verkehrsgeschehen. Bei der Bestuhlung greift die VGF auf ein bereits in anderen Frankfurter Fahrzeugen bewährtes Sitzmodell zurück.
Eine wesentliche Neuerung ist der Ersatz der konventionellen Außenspiegel durch Kamerasysteme. Das Fahrpersonal kann dadurch über zwei Monitore die gesamte Fahrzeuglänge überblicken. Dies erleichtert insbesondere die Beobachtung des Fahrgastwechsels an Haltestellen.
Zum serienmäßigen Ausstattungsumfang gehört außerdem ein Fahrerassistenzsystem, das Bosch gemeinsam mit der VGF ursprünglich für den R-Wagen entwickelt hat. Es unterstützt das Fahrpersonal bei der Erkennung von Hindernissen und soll dazu beitragen, Konfliktsituationen und Unfälle zu vermeiden.
40-Meter-Wagen für stark belastete Linien
Ein wesentlicher Bestandteil des Beschaffungskonzepts ist die 40 Meter lange T40-Variante. Insgesamt 34 der 58 Fahrzeuge werden in dieser Ausführung geliefert. Die zusätzlichen Mittelteile sind jeweils 8,5 Meter lang und verfügen über ein eigenes angetriebenes Drehgestell sowie eine zusätzliche Tür auf jeder Fahrzeugseite. Dadurch steigt die Kapazität von 191 auf 248 Sitz- und Stehplätze.
Die Möglichkeit zur nachträglichen Verlängerung war bereits bei der Ausschreibung berücksichtigt worden. Die VGF hatte die Fahrzeuge konstruktiv so spezifizieren lassen, dass die ursprünglich bestellten Kurzversionen bei Bedarf um ein Mittelteil ergänzt werden konnten.
Diese Flexibilität erweist sich nun als Vorteil. Die Fahrzeugkapazität kann damit innerhalb des bestehenden Beschaffungsrahmens an die steigende Nachfrage und das erwartete weitere Fahrgastwachstum angepasst werden. Eine erneute Ausschreibung für zusätzliche beziehungsweise größere Fahrzeuge war dadurch nicht erforderlich.
Anpassungen an der Infrastruktur erforderlich
Die kürzeren T30-Fahrzeuge können nach ihrer Zulassung grundsätzlich auf allen dafür vorgesehenen Linien eingesetzt werden. Für die längere T40-Variante ist zunächst ein Einsatz auf der stark frequentierten Straßenbahnlinie 11 vorgesehen.
Dafür sind an einzelnen Stellen noch Anpassungen der Infrastruktur erforderlich. An der Haltestelle „Ostbahnhof / Sonnemannallee“ müssen insbesondere die Fußgängerfurt und die Signalanlage angepasst werden, bevor die 40-Meter-Wagen dort regulär eingesetzt werden können.
Mit dem T-Wagen erhält Frankfurt damit nicht nur eine neue Straßenbahngeneration, sondern zugleich ein Fahrzeugkonzept, das auf unterschiedliche Kapazitätsanforderungen reagieren kann. Die Kombination aus vollständiger Niederflurigkeit, hoher Fahrgastkapazität, moderner Fahrzeugtechnik und der Option zur Verlängerung schafft die Grundlage für einen schrittweisen Ersatz der älteren Fahrzeugflotte und eine Anpassung des Straßenbahnangebots an die künftig zu erwartende Nachfrage.


