Görlitz und Zwickau bestellen TINA Trams bei Stadler

Stadler hat den Zuschlag zur Lieferung von 14 modernen Niederflur-Straßenbahnen des Typs TINA an die Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB) und die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) erhalten. Damit setzen aktuell bereits acht europäische Städte auf den Stadler-Tram-Typ TINA, der deutlich mehr Komfort für die Fahrgäste bietet.

Nach der Aufhebung des ursprünglich an Heiterblick GmbH (gemeinsam mit Kiepe Electric) vergebenen Auftrags haben die Verkehrsunternehmen in Görlitz und Zwickau die Beschaffung neu aufgesetzt und an Stadler Rail vergeben. Hintergrund der Stornierung waren unter anderem Verzögerungen sowie erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich Kostenentwicklung und Lieferterminen im bisherigen Konsortium. Wir berichteten hier.

Der neue Auftrag umfasst insgesamt 14 meterspurige Einrichtungsfahrzeuge des Typs TINA (Total integrierter Niederflur-Antrieb), davon acht für Görlitz und sechs für Zwickau. Die Inbetriebnahme ist ab 2028 vorgesehen. Das Auftragsvolumen wird branchenüblich im Bereich von rund 4 bis 5 Mio. € pro Fahrzeug verortet, womit sich ein Gesamtwert im niedrigen zweistelligen Millionenbereich ergibt; Fördermittel von Bund und Ländern dürften – wie bei vergleichbaren Beschaffungen – eine wesentliche Rolle spielen. Technisch basieren die Fahrzeuge auf der modularen TINA-Plattform, die Stadler für unterschiedliche Spurweiten und Einsatzprofile standardisiert hat.

Görlitz wird erstmals Niederflurstraßenbahnen erhalten I © Stadler Rail

Die für Sachsen vorgesehenen Einheiten sind rund 30 m lang, als durchgehend niederflurige Multigelenkwagen ausgeführt und für den Betrieb auf meterspurigen Netzen optimiert. Die Antriebsausrüstung ist vollständig in die Fahrwerke integriert („integrierter Niederflur-Antrieb“), wodurch auf klassische Hochflurkomponenten verzichtet werden kann und ein stufenloser Fahrgastraum über die gesamte Fahrzeuglänge entsteht. Die Fahrzeuge verfügen über mehrere angetriebene Drehgestelle mit energieeffizienter Drehstromtechnik und rekuperationsfähigen Bremssystemen zur Rückspeisung von Bremsenergie. Die elektrische Ausrüstung sowie die Fahrzeugsteuerung werden über das von Stadler entwickelte UNIBOARD®-System gebündelt, das Diagnose, Steuerung und Fahrzeugkommunikation integriert. Ergänzt wird dies durch Fahrerassistenzsysteme wie Kollisionswarntechnik zur Überwachung des Gleisraums. Im Fahrgastraum sind breite, mehrflügelige Türen, großzügige Multifunktionsbereiche sowie eine konsequent barrierefreie Innenraumgestaltung vorgesehen. Klimaanlagen für den Fahrgastraum und den Fahrerstand gehören ebenso zur Ausstattung wie dynamische Fahrgastinformationssysteme.

Die TINA für Zwickau sind baugleich mit den Fahrzeugen für Görlitz I © Stadler Rail

Die Auslegung berücksichtigt sowohl hohe Fahrgastwechselzeiten im Stadtverkehr als auch die spezifischen infrastrukturellen Randbedingungen beider Netze. Ein wesentlicher Aspekt der Neubeschaffung ist die angestrebte Standardisierung: Durch die gemeinsame Bestellung beider Betriebe sollen Synergien bei Ersatzteilen, Wartung und Schulung realisiert werden. Gleichzeitig ermöglicht die TINA-Plattform eine weitgehende Vereinheitlichung technischer Komponenten bei gleichzeitiger Anpassung an die jeweiligen betrieblichen Anforderungen. Die Fertigung der Fahrzeuge erfolgt im Stadler-Werk in Polen. Stadler übernimmt neben der Produktion auch Zulassung, Lieferung und Inbetriebsetzung in enger Abstimmung mit den Betreibern. Mit der Neuvergabe verfolgen Görlitz und Zwickau das Ziel, die Fahrzeugverfügbarkeit langfristig abzusichern und die Betriebskosten über den Lebenszyklus hinweg besser kalkulierbar zu machen – ein Punkt, der nach den Erfahrungen mit der stornierten Erstvergabe besonderes Gewicht erhalten hat.

17.04.2026