
Mit der offiziellen Inbetriebnahme der ersten Flexity-Straßenbahn beginnt in Graz eine neue Phase der Modernisierung des städtischen Schienenverkehrs. Die neue Fahrzeuggeneration des Herstellers Alstom wurde am 27. Mai 2026 erstmals im regulären Fahrgastbetrieb eingesetzt und soll in den kommenden Jahren einen wesentlichen Teil der bestehenden Straßenbahnflotte ersetzen.
Die erste Garnitur trägt den Namen „Theodora“ und erinnert an Theodora Acham, die 1988 gemeinsam mit Inge Steiner als erste Straßenbahnfahrerin der Stadt Geschichte schrieb. Technisch steht jedoch vor allem die Leistungsfähigkeit der neuen Fahrzeuge im Mittelpunkt. Mit einer Länge von 33,81 Metern und einer Breite von rund 2,30 Metern sind die fünfteiligen, vollständig niederflurigen Flexity-Garnituren die bislang größten Straßenbahnen im Grazer Netz. Die Fahrzeuge verkehren auf dem normalspurigen Streckennetz (1.435 mm Spurweite), verfügen über moderne Drehstromantriebe und eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Mit einer Kapazität von bis zu 200 Fahrgästen – darunter 60 Sitz- und 140 Stehplätze – übertreffen sie die bisher eingesetzten Variobahn- und Cityrunner-Fahrzeuge deutlich.
Ein wesentliches Entwicklungsziel war die Verbesserung der Barrierefreiheit. Die Fahrzeuge verfügen über einen vollständig niederflurigen Innenraum, breite Doppeltüren und eine Einstiegshöhe von lediglich 215 Millimetern. Dadurch wird der Zugang für mobilitätseingeschränkte Personen, Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Fahrrädern erheblich erleichtert. Großzügige Mehrzweckbereiche, eine leistungsfähige Klimaanlage, energiesparende LED-Beleuchtung sowie moderne Fahrgastinformationssysteme ergänzen das Ausstattungskonzept.
Die Einführung der neuen Fahrzeuge erfolgte nach einem umfangreichen Test- und Zulassungsprogramm. Insgesamt wurden rund 1.800 Testkilometer absolviert, ergänzt durch etwa 25 nächtliche Probefahrten. Darüber hinaus mussten Brems-, Klima- und Sicherheitstests sowie Strecken- und Lichtraumprofilprüfungen durchgeführt werden. Erst nach Abschluss des behördlichen Genehmigungsverfahrens konnte die Betriebsbewilligung erteilt werden.

Derzeit befinden sich acht Flexity-Fahrzeuge in Graz. Sie werden schrittweise auf den stark frequentierten Linien 4 und 7 eingesetzt. Bis Mitte 2028 sollen insgesamt 31 Fahrzeuge dieser Baureihe in Betrieb sein. Zusätzlich plant die Stadt die Beschaffung weiterer 24 Garnituren, deren Finanzierung teilweise durch Kredite der Europäischen Investitionsbank unterstützt werden soll.
Neben der höheren Beförderungskapazität verspricht die neue Fahrzeuggeneration auch betriebliche Vorteile. Moderne Antriebstechnik, Rekuperationsbremsen zur Energierückgewinnung und ein wartungsoptimiertes Fahrzeugdesign sollen den Energieverbrauch senken und die Lebenszykluskosten reduzieren. Parallel zur Einführung der Flexity-Straßenbahnen modernisieren die Graz Linien zudem ihre Fahrgastinformation. Ein neues digitales Ansagesystem ermöglicht künftig eine schnellere und flexiblere Anpassung von Haltestellen- und Betriebsinformationen.
Mit diesen Investitionen verfolgt Graz das Ziel, Kapazität, Barrierefreiheit und technische Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs nachhaltig zu steigern. Das Flexity-Programm zählt zu den bedeutendsten Flottenerneuerungen der vergangenen Jahrzehnte und bildet einen zentralen Baustein der langfristigen Mobilitätsstrategie der steirischen Landeshauptstadt.
Technische Daten Flexity Graz
- Hersteller: Alstom
- Fahrzeugtyp: Flexity
- Spurweite: 1.435 mm
- Länge: 33,81 m
- Breite: ca. 2,30 m
- Fahrzeugkonzept: Fünfteilige Gelenkstraßenbahn
- Niederfluranteil: 100 %
- Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
- Fahrgastkapazität: bis zu 200 Personen
- Sitzplätze: 60
- Stehplätze: 140
- Einstiegshöhe: 215 mm
- Ausstattung: Klimaanlage, Rekuperationsbremse, LED-Beleuchtung, digitales Fahrgastinformationssystem, Mehrzweckbereiche für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder


