Guatemala: Das Stadtbahnprojekt MetroRiel – neue Elektrobusse – und ein neues Seilbahnsystem

von Erik Buch
© Gobierno de Guateala / MetroRiel - Municipalidad de Guatemala / AeroMetro

Die guatemaltekische Regierung verstärkt derzeit wieder einmal ihre Anstrengungen zur Umsetzung des Stadtbahnprojekts MetroRiel, das als eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben des Landes gilt. Ziel ist die Schaffung eines modernen Nahverkehrssystems unter Nutzung von Teilen früheren Bahninfrasstruktur für den Großraum Guatemala-Stadt, um Verkehrsstaus zu reduzieren, Pendelzeiten zu verkürzen und die Mobilität der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

Die Idee eines schienengebundenen Massenverkehrssystems ist jedoch nicht neu. Bereits im Jahr 2016 wurden konkrete Planungen für MetroRiel vorgestellt. Damals beauftragten die staatlichen Institutionen PRONACOM, ANADIE und FEGUA die spanische Ingenieur- und Beratungsgesellschaft IDOM mit der Erstellung einer umfassenden Machbarkeitsstudie. Die Untersuchung analysierte technische, wirtschaftliche, rechtliche und ökologische Aspekte eines möglichen Stadtbahnsystems für die Hauptstadtregion.

Die von IDOM ausgearbeitete Studie sah eine rund 20,5 bis 21 Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung zwischen Centra Norte und Centra Sur vor. Geplant waren etwa 20 Stationen entlang der Strecke, die größtenteils auf dem bestehenden Bahnkorridor der staatlichen Eisenbahn FEGUA verlaufen sollte. Das Projekt wurde als Stadtbahn- beziehungsweise Light-Rail-System (LRT) konzipiert, das täglich mehr als 250.000 Fahrgäste befördern könnte. Die Fahrzeit zwischen den beiden Endpunkten sollte etwa 40 Minuten betragen.

Die Machbarkeitsstudie von IDOM stellte einen wichtigen Meilenstein dar. Sie umfasste mehrere hundert Seiten und enthielt detaillierte Analysen zur Nachfrageentwicklung, zur Streckenführung, zu den Stationen, zur Finanzierung sowie zu den erwarteten wirtschaftlichen Auswirkungen. Darüber hinaus wurden Vorschläge zur städtebaulichen Integration der Trasse entwickelt, darunter Grünflächen, Fahrradwege und neue öffentliche Räume entlang des Bahnkorridors. Die Investitionskosten wurden damals auf rund 770 Millionen US-Dollar geschätzt.

Trotz der vorliegenden Studien wurde das Projekt in den folgenden Jahren nicht umgesetzt. Politische Wechsel, Finanzierungsfragen und institutionelle Herausforderungen führten dazu, dass MetroRiel mehrfach verschoben wurde. Dennoch blieb die Grundidee bestehen und wurde in verschiedenen Regierungsperioden weiter diskutiert. 2019 wurden zusätzliche Vorbereitungen eingeleitet, darunter Vereinbarungen zur Nutzung bestehender Eisenbahntrassen.

Seit 2025 und insbesondere im Jahr 2026 erlebt das Vorhaben eine neue Dynamik. Die Regierung von Präsident Bernardo Arévalo betrachtet MetroRiel als zentralen Bestandteil einer langfristigen Mobilitätsstrategie für die Hauptstadtregion. Derzeit werden bestehende Studien aktualisiert und neue Analysen durchgeführt, um die wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Unterstützt wird dieser Prozess unter anderem durch internationale Partner und Beratungsinstitutionen – auch die Unterstützung britischer Regierungsstellen wurde aktuell ins Gespräch gebracht.

Die aktuellen Planungen sehen weiterhin eine etwa 21 Kilometer lange Strecke vor, die den Norden und Süden der Metropolregion miteinander verbindet. Das System soll mit anderen Verkehrsmitteln wie dem Bus-Schnellverkehrssystem Transmetro und dem geplanten Seilbahnprojekt AeroMetro verknüpft werden. Dadurch soll ein integriertes öffentliches Verkehrsnetz entstehen, das den Individualverkehr reduziert und die Erreichbarkeit wichtiger Stadtgebiete verbessert.

Obwohl weiterhin erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen bestehen, zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass MetroRiel heute deutlich konkreter erscheint als noch vor einigen Jahren. Die bereits 2016 von IDOM erarbeitete Machbarkeitsstudie bildet dabei weiterhin eine wichtige Grundlage für die aktuellen Planungen und die mögliche Realisierung eines modernen Stadtbahnsystems in Guatemala.

Vorgesehene Stadtbahntrasse | © IDOM / MetroRiel

Die ursprüngliche Machbarkeitsstudie wurde 2016 von der spanischen Firma IDOM im Auftrag von PRONACOM, ANADIE und FEGUA erstellt und gilt bis heute als zentrale technische Grundlage des Projekts.

Darüber hinaus wurde Beschaffung von bis zu 340 Elektrobussen für die kommenden beiden Jahre angekündigt, darunter 40 Hochflur-Gelenkwagen für den BRT-Korridor (Bus Rapid Transit) „Transmetro“, auf dem aktuell knapp 20 Jahre alte Dieselbusse zum Einsatz kommen.

Der bekannte Seilbahnhersteller Doppelmayr gibt außerdem bekannt, in Guatamala Stadt ein ganz neues städtisches Seilbahnsystem zu errichten. Dieses urbane Seilbahnsystem „AeroMetro“ besteht aus zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 8,6 Kilometern und zwölf Stationen. Es wird Guatemala City mit der Gemeinde Mixco im Nordwesten der Hauptstadt verbinden. Mit einer Förderleistung von 5.500 Personen pro Stunde und Richtung pro Linie wird die Doppelmayr Gruppe ein leistungsstarkes urbanes Seilbahnsystem realisieren. Die kuppelbaren Gondelbahnen verfügen über insgesamt 495 Kabinen mit jeweils Platz für zwölf Fahrgäste und bieten damit sowohl hohe Effizienz als auch Komfort. Die Fertigstellung der beiden Linien ist für 2028 geplant.

Strecken der AeroMetro Seilbahn-Linien mit Anschluss an das BRT-Netz | © Doppelmayr
© Municipalidad de Guatemala / AeroMetro

31.08.2026