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Hamburg saniert die U-Bahnlinie U3

Rödingsmarkt - hier fahren in den nächsten Monaten keine U-Bahnen mehr | © UTM
Neubau des Trogs im Mönkedammfleet

Hamburgs älteste U-Bahnlinie, die heutige U 3 vom Hauptbahnhof über das Rathaus und entlang der „Hafenkante“, ging im Jahr 1912 und damit vor über 100 Jahren in Betrieb. Das allein legt ja schon den Gedanken nahe, dass es angebracht sein könnte, die Strecke hier mal gründlich aufzufrischen. Hinzu kommt aber außerdem, dass in diesen Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Rödingsmarkt und Rathaus der Wechsel von der aufgeständerten Hochbahn – die dem Verkehrsbetrieb der Hansestadt ihren Namen gegeben hat – zur eigentlichen U-Bahn fällt. Bemerkenswert genug, der Wechsel von der „Plus-eins-“ in die „Minus-eins-Ebene“ hat eine Steigung / ein Gefälle von 5 %, und die Erbauer der Bahn haben diesen Wechsel von Hoch- zu U-Bahn in ein Fleet gelegt – andernorts heißt so etwas auch Gracht. Dazu ist beim Bau der Bahn vor hundert Jahren in Verbindung mit einer sehr engen Kurve ein Betontrog in das Mönkedammfleet hinein gesenkt worden, der ganz im Wasser liegt. Warum denn diese komplizierte Trassierung, so mag man fragen, aber die Antwort ist ganz einfach: vom zur Verfügung stehenden Platz her war einfach keine andere Lösung möglich. Weil der Trog im Wasser liegt und zudem auch in morastigem Untergrund, ruht er auf Eichenpfählen, eine Bauweise, die sich in der Nachbarschaft bei großen Gebäuden wie dem Rathaus und der Börse durchaus bewährt hat.

Nach über 100 Jahren Nutzung weisen die tragenden Holzpfähle des Trogs aber deutliche Erosionserscheinungen auf, die es notwendig machen, den Trog abzureißen und durch einen kompletten Neubau zu ersetzen. Und der wird dann von Stahlpfählen getragen werden. Stahl sei heute wesentlich korrosionsbeständiger als vor 100 Jahren.

Anfang der 1910er Jahre entsteht im Mönkedammfleet der Trog für die U-Bahn | © HHA
Im Fleet: Die mit 5% ansteigende U-Bahn-/Hochbahn-Trasse | © HHA

Um den Trog abreißen und durch den Neubau ersetzen zu können, muss der Wasserspiegel im Mönkedammfleet abgesenkt werden. Dazu muss im Fleet ein „Fangedamm“ errichtet werden. Mit diesen Arbeiten ist im vergangenen Oktober begonnen worden, sie sollen im Februar abgeschlossen werden. Und unmittelbar im Anschluss daran wird der bisherige Trog abgerissen werden. Dazu muss natürlich der Fahrbetrieb auf der U-Bahnlinie U 3 zwischen den Stationen Baumwall und Hauptbahnhof(-Süd) eingestellt werden. Und damit der Betrieb auf den übrigen Teilstücken der Linie aufrechterhalten werden kann, hat die Hochbahn zwischen den Haltestellen Baumwall und Rödingsmarkt im Westen und Hauptbahnhof und Mönckebergstraße im Osten Gleiswechsel eingebaut, die es bislang nicht gegeben hat.

Schon ab Juni wird die Lücke in der U-Bahnlinie Schritt für Schritt wieder geschlossen werden. Dabei seien die Arbeiten im engen Bereich im Tunnel besonders schwierig. Zunächst wird die Sohle des neuen Trogs fertiggestellt werden, und dann wird auch der restliche Trog neu entstehen. Jens-Günter Lang, im Vorstand der Hochbahn zuständig für die Technik, erklärt: „Die Maßnahmen sind jetzt erforderlich, um auch künftig den Fahrgästen eine hohe Verlässlichkeit und Sicherheit auf dieser wichtigen Innenstadtverbindung garantieren zu können, In einem intensiven Planungs- und Vorbereitungsprozess haben wir alle Bauabläufe so optimiert, dass die Streckensperrung nicht länger dauert als zwingend erforderlich.“

Am Rödingsmarkt fahren ab 1.2.2021 vorerst keine U-Bahnen mehr – hier ein Zug der neuesten Generation | © UTM
Diesmal wird kein U-Bahn-Ersatzverkehr wie hier im Frühjahr 2019 auf der Mönckebergstraße stattfinden | © D. Budach
Die Station Baumwall wird vorübergehend zur Endstation, hier im Jahre 2009 | © D. Budach

Die Sperrung wird am 1. Februar beginnen und soll nach 14 Monaten Ende März 2022 beendet werden. Die Hochbahn sagt, um den Fahrgästen auch während der Bauzeit ein gutes Verkehrsangebot bieten zu können, bedürfe es keiner Baustellen-Sonderlinien. Zu dicht sei das Netz der anderen U-Bahn-Verbindungen sowie S-Bahn- und Buslinien. Insbesondere empfiehlt die Hochbahn, während der Bauzeit die zahlreichen Buslinien in der Innenstadt zu nutzen. Zu Vor-Corona-Zeiten seien auf dem betroffenen Abschnitt der U 3 täglich rund 60.000 Menschen gefahren, aufgrund der Pandemie seien es aktuell aber deutlich weniger Fahrgäste.

Und wenn „man schon mal dabei ist …“:

Instandsetzung des U-Bahn-Tunnels zwischen Mönckebergstraße und Adolphsplatz

(Anmerkung: Mönkedamm und Mönckeberg schreiben sich tatsächlich unterschiedlich)

Hier wird die historische Bausubstanz saniert werden. Das betrifft insbesondere die Decke des Tunnels und seine Seitenwände. Zudem wird die Abdichtung des Tunnels erneuert, um seine Konstruktion dauerhaft vor Feuchtigkeit zu schützen.

Instandsetzung von vier Stahlviadukten und einem Steinviadukt in der Hochbahntrasse

Die Brücke über die Willy-Brandt-Straße, die Haltestelle Rödingsmarkt und die Brücken über Graskeller und Mönkedammfleet werden ebenso saniert wie der Steinviadukt Mönkedammfleet. Dabei werden die Stahlviadukte komplett „eingehaust“ werden, um die Belästigungen der Anwohner so gering wie möglich zu halten.

Haltestelle Rödingsmarkt

Bei diesem Hoch-Bahnhof ist der Bahnsteig vor einigen Jahren teilweise erhöht worden. Diese Erhöhung wird jetzt verlängert werden. Dazu bekommen die Bahnsteige einen neuen Belag und die Treppen werden saniert. Schließlich werden notwendige Korrosionsschutz-Arbeiten an diesem über 100 Jahre alten Bauwerk durchgeführt.

Die Station Rödingsmarkt wird umgestaltet | © UTM

Austausch von Schienen, Schwellen, Schotter und Stromschienen

Zwischen den Haltestellen Rathaus und Rödingsmarkt wird der gesamte Fahrweg der U-Bahn erneuert.

Ausbau der Haltestellen Rathaus und Mönckebergstraße

Jens-Günter Lang: „An beiden Haltestellen haben die Vorarbeiten schon im vergangenen Jahr begonnen. Beide Haltestellen erhalten jeweils zwei Aufzüge, erhöhte Bahnsteige und taktile Leitsysteme.“ Dazu erhält die Haltestelle Mönckebergstraße Richtung Hauptbahnhof zwei neue Zu- und Ausgänge.

Das erfordert, die Mönckebergstraße ab Anfang März 2021 für rund sechs Monate für den Straßenverkehr zu sperren. Die Buslinien, die in der Mönckebergstraße verkehren, werden so lange über die Steinstraße umgeleitet.

Zu den Kosten

Das gesamte Projekt verursacht Kosten in Höhe von 86 Millionen Euro. Davon entfallen 60 Millionen Euro auf den neuen Trog im Mönkedammfleet und die sonstigen Sanierungsmaßnahmen, 16 Millionen auf den Ausbau der Haltestelle Mönckebergstraße und 10 Millionen auf den der Haltestelle Rathaus.

31.01.2021

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