Ikarus liefert 150 Elektrobusse für Skopje

Mazedonien erhält 150 12-Meter Elektrobus von Ikarus in Zusammenarbeit mit Zhongtong I © Ikarus

Größter Elektrobus-Auftrag in der Unternehmensgeschichte von Ikarus umfasst 150 vollelektrische Stadtbusse und 75 Ladestationen

Der ungarische Bushersteller Ikarus hat einen bedeutenden Auftrag für die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs in Nordmazedonien erhalten. Gemeinsam mit dem chinesischen Bushersteller Zhongtong Bus Holding Co., Ltd. und dem Energiepartner EVN Macedonia Elektrosnabduvanje DOOEL wird Ikarus insgesamt 150 vollelektrische Niederflur-Stadtbusse sowie 75 Ladestationen liefern. Die Fahrzeuge vollelektrische Solostadtbusse des Typs Ikarus 120e V4 mit einer Länge von 12,9 Metern“ sollen in Skopje und weiteren Städten des Landes zum Einsatz kommen.

Der Auftrag stellt nach Angaben von Ikarus die größte Elektrobus-Ausschreibung in der Unternehmensgeschichte dar und markiert zugleich einen wichtigen Schritt beim Ausbau der Aktivitäten des Herstellers auf dem Balkan.

Ikarus 120e V4: 12,9 Meter langer Elektro-Solobus

Bei den bestellten Fahrzeugen handelt es sich um den Ikarus 120e V4, die neueste Version des Elektro-Stadtbusses von Ikarus. Der niederflurige Solobus ist 12,9 Meter lang und für den Einsatz im öffentlichen Personennahverkehr ausgelegt. Je nach Auslegung mit LFP-Batterien bietet das Modell eine Reichweite von rund 350 bis 580 Kilometern.

Die Ausschreibung forderte eine Mindest-Batteriekapazität von 360 kWh sowie eine Mindestreichweite von 325 Kilometern. Bestandteil der Beschaffung sind außerdem eine vierjährige Garantie auf die Busse und Batterien sowie eine zehnjährige Ersatzteilversorgung.

Ausschreibung nach erster Vergabe wiederholt

Dem nun rechtskräftig gewordenen Auftrag ging ein längerer Vergabeprozess voraus. Das nordmazedonische Verkehrsministerium hatte die Ausschreibung erstmals im Frühjahr dieses Jahres gestartet. Bereits damals setzte sich das von Ikarus Electric Zrt. angeführte Konsortium im Vergabeverfahren durch.

Der Zuschlag wurde jedoch wenige Wochen später aus formalen Gründen aufgehoben, sodass das Ministerium das öffentliche Vergabeverfahren erneut durchführen musste. In der wiederholten Ausschreibung konnte sich das Ikarus-geführte Konsortium erneut durchsetzen. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist für Rechtsmittel wurde die Vergabe nun endgültig und der Vertrag rechtsverbindlich.

Im Rahmen der Ausschreibung erfüllten nach der technischen und formalen Prüfung zwei Bieter die Voraussetzungen für die Teilnahme an der anschließenden elektronischen Auktion: BMC Otomotiv und Ikarus Electric Zrt. Das von Ikarus geführte Konsortium gab dabei das wirtschaftlich günstigste Angebot ab.

Die Ikarus 120e V4 sind mit LFP Batterien ausgestattet und haben eine Reichweite von bis zu 580 km (SORT II Zyklus) I © Ikarus

150 Elektrobusse und 75 Ladepunkte

Das Projekt wird vollständig aus nordmazedonischen Mitteln finanziert und umfasst neben den Fahrzeugen auch die dazugehörige Ladeinfrastruktur. Insgesamt sind 75 Ladestationen für 150 Elektrobusse mit einer Mindestleistung von 120 kW vorgesehen.

Die Auslieferung soll schrittweise erfolgen. Nach Vertragsunterzeichnung ist folgende Staffelung vorgesehen:

ZeitraumElektrobusseLadestationen
innerhalb von 6 Monaten3015
innerhalb von 12 Monaten6030
innerhalb von 18 Monaten6030
Gesamt15075

Damit soll nicht nur eine neue elektrische Busflotte aufgebaut, sondern gleichzeitig die notwendige Ladeinfrastruktur für deren täglichen Betrieb geschaffen werden. Zum Projektumfang gehören neben der Lieferung auch die Inbetriebnahme der Fahrzeuge und Ladestationen sowie weitere damit verbundene Dienstleistungen.

Konsortium verbindet Fahrzeug-, Energie- und Ladekompetenz

Ikarus tritt bei dem Projekt gemeinsam mit Zhongtong Bus Holding und EVN Macedonia Elektrosnabduvanje auf. Die Kombination aus Fahrzeughersteller, internationalem Bushersteller und Energiepartner soll eine integrierte Umsetzung des Projekts ermöglichen.

Für Ikarus ist insbesondere die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern von strategischer Bedeutung. Das Unternehmen verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, einen möglichst hohen Anteil der Wertschöpfung vor Ort zu generieren. Ein Großteil der Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge soll daher unter Einbindung lokaler Partner und Zulieferer erbracht werden.

Dadurch sollen nicht nur die Lieferketten effizienter und nachhaltiger gestaltet werden. Gleichzeitig will Ikarus langfristige regionale Partnerschaften aufbauen und lokale Kompetenzen im Bereich der Elektromobilität stärken.

Strategischer Schritt für den Balkan

Der Auftrag für Skopje ist für Ikarus mehr als ein einzelnes Flottenprojekt. Das Unternehmen bezeichnet die Vereinbarung als ersten großen Meilenstein seiner Expansion auf dem Balkan. Von Nordmazedonien aus sollen weitere Aktivitäten in der Region entwickelt werden.

Dabei betont Ikarus, dass der Auftrag keinen erstmaligen Markteintritt in Europa darstellt. Die Marke verfügt bereits über eine bestehende Präsenz auf dem europäischen Markt. Mit seinen internationalen Partnerschaften ist das Unternehmen inzwischen in der Lage, vollelektrische Busse einschließlich der erforderlichen Ladeinfrastruktur in größerem Umfang anzubieten.

Heckansicht des dreitürigen 120e V4 I © Ikarus

Für den öffentlichen Verkehr in Skopje bedeutet das Projekt zugleich einen weiteren Schritt bei der Umstellung auf emissionsfreie Antriebe. Die Kombination aus elektrischen Niederflurbussen und eigener Ladeinfrastruktur schafft die Voraussetzungen für einen langfristigen Einsatz elektrischer Fahrzeuge im städtischen Linienverkehr.

Ikarus setzt auf Elektromobilität

Die Marke Ikarus blickt auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1895 gegründetund zählt damit zu den traditionsreichsten Busherstellern Europas. Nach einer wechselvollen Unternehmensgeschichte positioniert sich Ikarus heute zunehmend als Anbieter moderner elektrischer Mobilitätslösungen.

Der Auftrag in Nordmazedonien unterstreicht diese strategische Ausrichtung. Mit 150 Elektrobussen handelt es sich um ein Projekt, das deutlich über eine einzelne Fahrzeuglieferung hinausgeht: Neben der Fahrzeugproduktion umfasst es die Ladeinfrastruktur, deren Inbetriebnahme sowie Dienstleistungen über den Lebenszyklus der Fahrzeuge.

Für Skopje entsteht damit eine umfangreiche neue Elektrobusflotte, während Ikarus seine Position im europäischen E-Mobilitätsmarkt und insbesondere in Südosteuropa weiter ausbauen kann.

21.08.2026