Jerusalem: Erster Abschnitt der Green Line eröffnet

Jerusalem hat einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem leistungsfähigen Stadtbahnnetz vollzogen: Am 21. August 2026 wurde der erste Abschnitt der neuen Green Line für den Fahrgastbetrieb freigegeben. Die neue Linie L3 verbindet derzeit die Station HaTurim an der Jaffa Road mit Malha im Südwesten der Stadt.

Die Inbetriebnahme ist von besonderer Bedeutung, weil Jerusalem damit erstmals über ein miteinander verknüpftes Stadtbahnnetz aus zwei Linien verfügt. Die bestehende Red Line wurde 2011 eröffnet und bildet seitdem das Rückgrat des schienengebundenen Nahverkehrs. Die neue Green Line schafft nun zusätzliche Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten.

Sieben Kilometer und 13 Stationen

Der nun eröffnete Abschnitt L3 ist rund 7 Kilometer lang und verfügt über 13 Stationen, davon sind 12 neu gebaut. Die Strecke führt von HaTurim über zentrale Bereiche Jerusalems bis nach Malha.

Entlang der Strecke liegen zahlreiche wichtige Ziele der Stadt, darunter das International Convention Center, das Regierungsviertel, der Campus Givat Ram der Hebräischen Universität, der High-Tech-Park der Universität, der Botanische Garten, das Teddy-Stadion, die Pais Arena und das Einkaufszentrum Malha.

Darüber hinaus erschließt die neue Stadtbahn die Stadtviertel Givat Mordechai, Pat, Gonenim und Malha. In den Hauptverkehrszeiten sollen die Züge zunächst etwa alle acht Minuten verkehren.

Verbindung zur Red Line und zum Eisenbahnverkehr

Die Green Line ist an mehreren Punkten mit der bestehenden Red Line verbunden. Eine wichtige Umsteigemöglichkeit befindet sich an der Station HaTurim, eine weitere im Bereich des Zentralen Busbahnhofs und des International Convention Center hinter dem Bahnhof Yitzhak Navon.

Damit entstehen neue Umsteigebeziehungen innerhalb des Stadtbahnnetzes sowie zum nationalen Eisenbahnverkehr. Insbesondere für Besucher von Veranstaltungen im Bereich Malha – darunter Spiele im Teddy-Stadion oder in der Pais Arena – soll die neue Verbindung die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtern.

Behördenvertreter zeigen die Karte der neuen grünen Linie (L3) und ihre Verbindung zur roten Linie I © Jerusalem Transport

Ein wichtiger Vorteil ist dabei die Anbindung an den Bahnhof Yitzhak Navon. Fahrgäste aus anderen Teilen Israels können künftig vom Eisenbahnnetz auf die Stadtbahn umsteigen und damit Staus und Parkplatzprobleme bei größeren Veranstaltungen vermeiden. Allerdings steht diese Möglichkeit nur an Werktagen zur Verfügung, da der öffentliche Verkehr in Israel von Freitagabend bis Samstagabend weitgehend ruht.

Die vollständige Green Line

Der nun eröffnete Abschnitt stellt nur die erste Phase eines deutlich größeren Projekts dar. Die vollständige Green Line soll rund 20 Kilometer lang werden und insgesamt 41 Stationen umfassen.

Die Strecke wird Jerusalem in Nord-Süd-Richtung durchqueren und im Endausbau Gilo im Süden mit Mount Scopus im Norden verbinden. Dabei werden unter anderem die beiden großen Standorte der Hebräischen Universität miteinander verknüpft.

Für die vollständige Strecke wird eine Kapazität von bis zu 500 Fahrgästen je Zug angegeben. Die geplante Zugfolge liegt je nach Abschnitt und Tageszeit bei etwa sechs bis zehn Minuten.

Für die gesamte Green Line werden langfristig rund 250.000 Fahrgastfahrten pro Tag erwartet.

Weitere Bauabschnitte folgen

Die Eröffnung des L3-Abschnitts ist Teil eines stufenweisen Ausbauprogramms.

Bereits im Dezember 2026 soll der nächste Abschnitt als Linie L4 zwischen dem Zentralen Busbahnhof und Gilo in Betrieb gehen. Gilo ist mit mehr als 100.000 Einwohnern eines der größten Stadtviertel Jerusalems. Die neue Verbindung soll den Stadtteil unter anderem besser mit Givat Ram und dem Bahnhof Yitzhak Navon verbinden.

Für Juni 2027 ist anschließend die Verlängerung in Richtung Mount Scopus vorgesehen. Die Strecke soll dabei über French Hill und den Bereich des israelischen Polizeihauptquartiers zum Campus der Hebräischen Universität führen.

Ein weiterer Abzweig in Richtung Givat Shaul und Har Nof soll voraussichtlich Ende 2027 folgen.

Damit wird die Green Line schrittweise zu einer durchgehenden Nord-Süd-Verbindung ausgebaut.

Vom Einzelkorridor zum Stadtbahnnetz

Die Bedeutung der Green Line geht über die zusätzlichen Streckenkilometer hinaus. Mit ihrer Inbetriebnahme entwickelt sich die Jerusalemer Stadtbahn von einer einzelnen Linie zu einem vernetzten System.

Die Red Line, Jerusalems erste Stadtbahnlinie, wurde 2011 eröffnet. Sie verbindet heute Neve Yaakov im Norden mit dem Hadassah-Ein-Karem-Krankenhaus im Südwesten und ist inzwischen rund 22,5 Kilometer lang.

Alstom Citadis Doppeltraktion am Bahnhof Yitzhak Navon der neuen Tel Aviv – Jerusalem Bahnstrecke – an dieser Stelle kreuzen sich die neue Green Line mit der bestehenden Red Line I © UTM

Die Green Line schafft nun zusätzliche Querverbindungen und ermöglicht Umstiege zwischen beiden Linien. Damit entsteht ein Netz, das wichtige Wohngebiete mit Arbeitsplätzen, Universitäten, Krankenhäusern, Regierungsstandorten sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen verbindet.

Der Jerusalemer Bürgermeister Moshe Lion bezeichnete die Inbetriebnahme entsprechend als einen wichtigen Schritt auf dem Weg von einer Stadt „mit einer Stadtbahn“ zu einer Stadt mit einem Stadtbahnnetz.

Milliardenprojekt J-Net

Die Green Line ist Bestandteil des größeren J-Net-Projekts, das neben dem Neubau der Green Line auch Erweiterungen der Red Line, neue Fahrzeuge sowie Betrieb und Instandhaltung umfasst.

Der Auftrag wurde 2019 an ein Konsortium unter Führung des spanischen Bahntechnikunternehmens CAF und des israelischen Bauunternehmens Shapir vergeben.

Der ursprüngliche PPP-Vertrag hatte ein Gesamtvolumen von mehr als 1,8 Milliarden Euro. Er umfasst neben der Green Line auch die Erweiterungen der Red Line sowie Fahrzeugbeschaffung und langfristige Betriebs- und Wartungsleistungen.

Zum Fahrzeugumfang gehören 114 neue fünfteilige CAF-Urbos-Stadtbahnen, die in Doppeltraktion verkehre. Zusätzlich sollen 46 bestehende Alstom Citadis Fahrzeuge der Red Line modernisiert bzw. aufgearbeitet werden. Allein der Fahrzeuganteil des CAF-Auftrags wurde ursprünglich mit mehr als 500 Millionen Euro angegeben.

Kosten des Green-Line-Projekts

Bei den Kostenangaben muss zwischen den verschiedenen Projektumfängen unterschieden werden. Je nach Quelle und Abgrenzung werden für die Green Line einschließlich Fahrzeugen rund 10 Milliarden neue israelische Schekel (NIS) genannt (ca. 2,86 Mrd. Euro).

Zwei CAF-Urbos-Züge begegnen sich auf der neu eröffneten Linie 3 I © Jerusalem Transport

Für das gesamte J-Net-Programm werden dagegen deutlich höhere Summen ausgewiesen. Der langfristige PPP-Vertrag umfasst neben der Green Line auch die Red-Line-Erweiterungen, Fahrzeuge sowie Betrieb und Instandhaltung.

In aktuellen israelischen Infrastrukturplanungen wird das Gesamtprojekt teilweise mit rund 13,75 Milliarden NISangesetzt (ca. 3,39 Mrd. Euro).

Die unterschiedlichen Angaben sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar, sondern beziehen sich auf unterschiedliche Projektumfänge und Planungsstände.

Ein Projekt mit erheblicher Verzögerung

Die Inbetriebnahme des ersten Green-Line-Abschnitts ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich das Projekt über Jahre verzögert hat. Ursprünglich war die Eröffnung deutlich früher vorgesehen. Neben technischen und baulichen Problemen führten insbesondere die jüngsten kriegsbedingten Verzögerungen zu weiteren Verschiebungen des Zeitplans.

Nach umfangreichen Testfahrten und Sicherheitsprüfungen konnte L3 schließlich am 21. August 2026 für den regulären Fahrgastbetrieb freigegeben werden. Die Verzögerungen ändern jedoch nichts an der strategischen Bedeutung des Projekts: Mit dem neuen Abschnitt erhält Jerusalem erstmals seit der Eröffnung der Red Line eine weitere Stadtbahnverbindung.

Innerhalb von CAF stieß das Jerusalem-Projekt früh auf Widerstand. Der Betriebsrat des Werks in Beasain im Baskenland forderte bereits 2018/19, dass sich das Unternehmen aus dem Vorhaben zurückzieht. Die Beschäftigten kritisierten, CAF werde damit nicht lediglich zum Lieferanten von Straßenbahnen, sondern zum Teil einer Infrastruktur, die nach ihrer Einschätzung die israelische Besatzung und die Verbindung zu israelischen Siedlungen in besetztem palästinensischem Gebiet festige. Diese Kritik blieb über Jahre bestehen: Im Oktober 2025 legten Beschäftigte in den CAF-Werken in Beasain und Irun für eine Stunde die Arbeit nieder und demonstrierten unter dem Motto „Langileok beti Palestinarekin“ („Wir Arbeiter immer mit Palästina“) gegen die Beteiligung des Unternehmens am Jerusalemer Stadtbahnprojekt. Letztenendes wurden die Fahrzeuge im CAF Werk in Newport, Wales, gefertigt. CAF hatte das Werk im Zuge seiner Expansion auf dem britischen Markt aufgebaut und dort Kapazitäten für die Fertigung von Schienenfahrzeugen geschaffen.

Übersichtskarte der bestehenden Red Line und der geplanten Green und Blue Line mit Verzweigungen I Quelle: http://jet.gov.il

Nächster großer Schritt: die Blue Line

Die Green Line ist allerdings nicht das letzte große Stadtbahnprojekt Jerusalems. Bereits in Planung und Bau befindet sich die Blue Line, die dritte große Stadtbahnstrecke der Stadt. Sie soll Gilo im Süden über das Stadtzentrum und Har Hotzvim mit Ramot im Norden verbinden. Die geplante Strecke ist rund 31 Kilometer lang und soll 53 Stationen umfassen.

Ein Teil der Strecke soll unterirdisch verlaufen. Für die Innenstadt ist ein Tunnelabschnitt von etwa 2 bis 2,5 Kilometernmit drei unterirdischen Stationen vorgesehen. Die Blue Line soll nach derzeitiger Planung ab 2029 schrittweise in Betrieb gehen. Für die Blue Line wird derzeit mit Investitionen in der Größenordnung von 15,6 Milliarden NIS gerechnet. Langfristig soll sie rund 200.000 Fahrgastfahrten pro Tag ermöglichen.

Ursprünglich sollte PESA die 132 Twist Straßenbahnen für die blaue Linie liefern – dies ist jedoch ungewiss und es scheint, dass ein neuer Lieferant gesucht wird I © PESA

Für die Blue Line war ursprünglich die polnische PESA Bydgoszcz als Fahrzeuglieferant vorgesehen. PESA sollte 132 dreiteilige, rund 33 Meter lange Stadtbahnen auf Basis der Twist-Plattform liefern, mit einer Option auf weitere 30 Fahrzeuge. Inzwischen hat sich die Situation jedoch geändert: PESA ist aus dem Projekt ausgeschieden, und das Betreiberkonsortium JTrain einigte sich anschließend mit dem chinesischen Hersteller CRRCauf die Lieferung der 132 Fahrzeuge. Der Vertrag wurde mit rund 383 Millionen US-Dollar angegeben. Aufgrund politischen Drucks aus den USA und sicherheitspolitischer Bedenken wurde die ursprüngliche CRRC-Lösung jedoch infrage gestellt; zeitweise war vorgesehen, die Fahrzeuge über eine US-Tochter von CRRC zu produzieren. Der Fahrzeuglieferant ist damit aktuell nicht abschließend geklärt.

Jerusalem baut ein umfassendes Stadtbahnnetz

Mit der Eröffnung des ersten Green-Line-Abschnitts beginnt damit eine neue Phase der Verkehrsentwicklung in Jerusalem.

Die Stadt, die ihre erste Stadtbahnlinie erst 2011 eröffnet hat, baut innerhalb relativ kurzer Zeit ein umfangreiches Netz aus mehreren Linien auf. Die Green Line wird dabei rund 20 Kilometer zusätzliche Strecke und 41 Stationen bringen. Zusammen mit den Erweiterungen der Red Line und der späteren Blue Line entsteht ein Stadtbahnnetz, das große Teile Jerusalems miteinander verbinden soll.

Für die kommenden Jahre sind damit weitere umfangreiche Bau- und Inbetriebnahmearbeiten vorgesehen. Die nächsten Meilensteine sind die Verlängerung nach Gilo Ende 2026, die Weiterführung nach Mount Scopus 2027 und anschließend die schrittweise Inbetriebnahme der Blue Line ab etwa 2029.

Die Green Line im Überblick

KennzahlGreen Line
Eröffnung erster Abschnitt21. August 2026
Erster BetriebsabschnittHaTurim – Malha (L3)
Länge erster Abschnittca. 7 km
Stationen erster Abschnitt13
davon neue Stationen12
Länge Gesamtstreckeca. 20 km
Stationen Gesamtstrecke41
Südlicher BereichGilo / Malha
Nördlicher BereichMount Scopus / French Hill
Kapazität je Zugbis zu 500 Fahrgäste
Geplante Zugfolgeca. 6–10 Minuten
Erwartete Fahrgastfahrtenca. 250.000/Tag
Green-Line-Kosten inkl. Fahrzeugeca. 10 Mrd. NIS
J-Net-PPP-Vertrag> 1,8 Mrd. €
Neue CAF-Urbos-Fahrzeuge114
Aufarbeitung bestehender Fahrzeuge46
Vollständige Green Linestufenweise bis 2027 geplant
26.08.2026