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Kairo investiert massiv in den öffentlichen Nahverkehr

Die Metro Kairo wird kräftig ausgebaut. Die Linie 1, die 1987 als erste Metro Arabiens und Afrikas aus zwei Überlandbahnen entstand, hat, verkehrt teilweise an der Oberfläche I © Stefan von Mach

Nach Angaben des ägyptischen Verkehrsministers Kamel El-Wazir sollen bis 2024 insgesamt 27 Mrd. EUR (512 Mrd. EGP) im Rahmen des Ausbaus des U-Bahnnetzes Kairo-Giza investiert werden, um seine derzeitige Länge von 78 km rund zu verdoppeln. Darüber hinaus sind zwei Hochleistungs-Monorail-Linien mit einer Gesamtlänge von 96 km und Gesamtkosten von 4,1 Mrd. EUR (77 Mrd. EGP) im Bau, so dass das Netz des Stadt- und Vorortverkehrs in absehbarer Zeit etwa 250 km erreichen könnte. Dies wird ein wichtiger Schritt sein, um die Verkehrsüberlastung und Umweltverschmutzung in der größten Stadt Afrikas mit ihren 20 Millionen Einwohnern zu verringern, aber es wird in Zukunft noch mehr Anstrengungen brauchen bis die Liniendichte in Städten wie Shanghai, Peking oder London erreicht werden. Diese Investitionen werden aber auch eine große Ausgabenbelastung von mehr als 10 % der Staatseinnahmen in den kommenden fünf Jahren bedeuten. Mit mehr als 300 Mio. EUR pro Kilometer scheinen die meist unterirdischen U-Bahn-Projekte im internationalen Vergleich, wo die Preise zwischen 100 und 200 Mio. EUR/km liegen, extrem teuer zu sein, während die Monorail-Hochbahn-Projekte mit etwa 43 Mio. EUR/km einschließlich Rollmaterial und 30 Jahren Betrieb und Wartung das entgegengesetzte Extrem bedeuten.

Bildergalerie (zum Öffnen bitte Anklicken):

Ausbau der Kairoer U-Bahn

Die U-Bahn-Investitionen verteilen sich auf 22 Projekte für den Ausbau der Kairoer U-Bahn, von denen die Linie 3 derzeit zu 36 % umgesetzt ist. Gegenwärtig verbindet die Linie 3 Attaba im Osten des Zentrums von Kairo mit dem El-Shams-Club im Nordosten. Die Linie wird schließlich vom Nordwesten des Großraums Kairo bei Imbaba nach Nordosten zum internationalen Flughafen von Kairo verlaufen und den Nil an der westlichen Abzweigung zweimal unterqueren. Orascom Construction Industries baute die erste Phase des Projekts. Das kontaktlose Fahrgelderhebungssystem und das integrierte Überwachungs- und Kommunikationssystem wurden von der französischen Thales-Gruppe geliefert. Die ersten 18 8-teiligen Züge wurden in Japan von Kinki Sharyo Co. und Toshiba Corp. hergestellt, während ein zweites Los von 32 Zügen derzeit von Hyunday Rotem geliefert wird.

Der erste von 32 zusätzlichen Zügen für die Linie 3 wurde im Mai 2020 aus Korea angeliefert.

Jeder 8-teilige Zug kann 1740 Passagiere befördern. Nach ihrer Fertigstellung wird die Linie 3 die ägyptische Hauptstadt von Osten nach Westen vom Flughafen im Nordosten bis zu den westlichen Bezirken des Nils durchqueren. Die Linien 1, 2 und 3 werden zusammen 3,5 Millionen Passagiere pro Tag befördern können. Der Bau der Linie 4 steht kurz vor dem Start und soll 2024 abgeschlossen sein, während mit dem Bau der Linien 5 und 6 noch nicht begonnen wurde und ihre Trassenführung wahrscheinlich wie beim östlichen Teil der Linie 4, der ursprünglich entlang des ersten Teils der Monorail zur neuen Hauptstadt geplant war, überprüft werden sollte.

Kairoer Nahverkehrslinien: Die dünn dargestellten Linien 1, 2 und 3 sind in Betrieb, im Bau befindliche und geplante Erweiterungen sind gestrichelt dargestellt. Als nächstes ist der Bau der Linie 4 vorgesehen, die Linien 5 und 6 sollen später gebaut werden. Die geologische Prospektion der Monorail-Linien hat begonnen. (Quellen: Wikipedia, Bombardier)

Einschienenbahn-Projekte

Das Verkehrsministerium unterzeichnete 2019 Verträge für zwei vollautomatische INNOVIA Monorail 300-Linien mit einem Konsortium aus Bombardier Transportation, Orascom Construction und Arab Contractors. Sie sehen die Planung, den Bau, den Betrieb und die Wartung der beiden Monorail-Projekte vor. Das Finanzministerium, die New Urban Communities Authority, die National Investment Bank, die National Authority for Tunnels und die Administrative Capital for Urban Development Company gründen eine Aktiengesellschaft für Bau, Verwaltung, Betrieb und Instandhaltung der neuen Einschienenbahnen unter dem Namen „United Company for Establishment, Management, Operation, and Maintenance of Metro Lines and Rail Transport“.

Künstlerische Darstellung der Einschienenbahn von Kairo I © Bombardier Transportation

Die erste Einschienenbahn wird Ost-Kairo in 60 Minuten über 54 km mit der neuen Verwaltungshauptstadt verbinden, die zweite Linie wird 6th October City in 42 Minuten über 42 km mit Giza verbinden. Jede wird bis zu 45.000 Passagiere pro Stunde und Richtung befördern, wenn die endgültige Kapazität mit 8-teiligen Zügen im 75-Sekunden-Takt erreicht ist. Im Endausbau werden täglich bis zu 1,5 bzw. 0,9 Millionen Fahrgäste erwartet. Orascom Construction entwirft und baut die gesamte Infrastruktur und den Tiefbau, einschließlich Bahnhöfe, Fahrwegunterbau und neue Depotgebäude, während Bombardier für die elektrische und mechanische (E&M) Ausrüstung verantwortlich ist, darunter 70 vierteilige INNOVIA Monorail 300 Leichtbauzüge, die CITYFLO 650 Signal- und automatische Zugsteuerungstechnik, die Leitzentrale, Kommunikationssysteme, Bahnsteigtüren und Fahrgeldmanagement, Stromversorgungs- und Verteilungssysteme sowie Weichen und Depotausrüstung. Das System ist vollautomatisch (fahrerloser Betrieb) und beinhaltet Fluchtwege, schnell umzustellende Weichenanlagen und Zweirichtungsbetrieb. Die Bahnsteige sind 100 m lang und damit für zwei 4-teilige Züge ausgelegt.

Hauptmerkmale der Züge:

  • Typ: Bombardier INNOVIA Monorail 300
  • Gummibereift mit Permanentmagnetmotoren, Stahluntergestell, Aluminiumgehäuse
  • Vmax 80 km/h
  • Hersteller: Bombardier, Derby Litchurch Lane, UK
  • Zugbildung / Länge: 4 Wagen / 50,1 m
  • Zugbreite: 3,147 m
  • Sitze: 64
  • Gesamte Passagierkapazität: bei 4 PAX/m2 / 6 PAX/m2 356 / 502
  • Verhältnis Türen/Türanteil pro Zuglänge 8 x 1600 mm / 25,5 %
  • Zugmasse / Masse pro Laufmeter: 14 t / 1,06 t/m

Weitere Hintergrundinformationen zur Metro Kairo finden sich hier:

http://www.urbanrail.net/af/cairo/cairo.htm

11.09.2020

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Daniel Oehler
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Daniel Oehler

Leider hat man in Kairo in den letzten Jahrzehnten Straßenbahn und die sehr rege genutzte Stadtbahn (Metro Heliopolis) völlig zu Grunde gewirtschaftet. Viele der Strecken waren weitgehend getrennt vom Straßenverkehr. Vermutlich wurden die Strecken stillgelegt, um der Oberschicht ein paar Fahrspuren mehr für ihre Autos zu verschaffen. Die U-Bahn wird niemals das Schienennetz der Straßen- und Stadtbahnen ersetzen können. 3 U-Bahn-Linien für etwa 20 Millionen Menschen in Kairo, das ist lächerlich. Auch mit 6 Linien ist dieser Stadt-Moloch völlig unterversorgt.