
Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) setzt künftig auf ein neu entwickeltes KI-basiertes Sicherheitssystem, um potenzielle Gefahrensituationen in ihren Straßenbahnen schneller zu erkennen. Das System mit dem Namen „AI Watch“ wurde gemeinsam mit dem Bremer KI-Unternehmen Just Add AI entwickelt und gilt in dieser Form bundesweit als bislang einzigartig. Seit April 2025 befindet sich die Anwendung im Probebetrieb. Bis Ende 2026 soll etwa ein Drittel der Straßenbahnflotte damit ausgestattet werden, weitere Fahrzeuge folgen ab 2027.
Echtzeitanalyse direkt im Fahrzeug
Mit einer Länge von nahezu 37 Metern sind Straßenbahnen für das Fahrpersonal nur eingeschränkt einsehbar. „AI Watch“ setzt genau hier an: Das softwarebasierte System analysiert die Videobilder der Innenkameras in Echtzeit und identifiziert mögliche Bedrohungssituationen unmittelbar im Fahrzeug. Die Auswertung erfolgt auf einem separaten Bordcomputer, ohne dass Daten das Fahrzeug verlassen.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Datenschutz. Die Videodaten werden weder gespeichert noch für ein nachträgliches Training der KI verwendet. Zudem werden Personenaufnahmen vor der Verarbeitung durch das KI-Modell automatisiert verpixelt, sodass Fahrgäste nicht identifizierbar sind.
Training mit realitätsnahen Szenarien
Um Gefahrensituationen zuverlässig zu erkennen, wurde das System mit eigens produzierten und realitätsnah nachgestellten Videoszenen trainiert. Dazu zählen unter anderem simulierte Handgreiflichkeiten und aggressives Verhalten im Fahrzeuginneren. Erkennt die KI eine potenzielle Bedrohung, wird das entsprechende Kamerabild live an die Leitstelle der BSAG übermittelt. Dort erfolgt eine Bewertung der Situation und bei Bedarf die Anforderung von Unterstützungskräften.
Beitrag zu mehr Sicherheit im öffentlichen Raum
Die Einführung des Systems wird von politischer Seite als wichtiger Schritt zur Stärkung des Sicherheitsgefühls im öffentlichen Nahverkehr gewertet. Özlem Ünsal, Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung in Bremen, sieht in dem Projekt einen zentralen Baustein zum Schutz von Fahrgästen und Mitarbeitenden. Angesichts eines bundesweit veränderten Sicherheitsempfindens sei es entscheidend, den öffentlichen Raum verlässlich und sicher zu gestalten.
Auch der technische Vorstand der BSAG, Thorsten Harder, unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Obwohl gravierende Zwischenfälle im Netz der BSAG selten seien, trage das KI-Tool dazu bei, das Sicherheitsniveau weiter zu erhöhen. Zugleich stärke die langfristig angelegte Lösung die Attraktivität und Resilienz des öffentlichen Personennahverkehrs. Aus dem Fahrdienst gebe es bereits zahlreiche positive Rückmeldungen.

Förderung durch den Bund
Die Entwicklung des Systems sowie die Ausstattung eines Drittels der Straßenbahnflotte verursachen Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro. 80 Prozent dieser Summe werden durch das Bundesministerium für Verkehr im Rahmen des Förderprogramms „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ getragen. Ziel des Programms ist es, nachhaltige und digitale Mobilitätslösungen sowohl in städtischen als auch in ländlichen Räumen voranzubringen.
Mehrstündiges Videomaterial für die Lernphase
Für das Training von „AI Watch“ wurden in den vergangenen Monaten fast vier Stunden Videomaterial erstellt. Die Aufnahmen zeigen realitätsnahe Szenen aus dem Fahrzeuginneren, wobei sämtliche Personenaufnahmen verpixelt sind: https://cld.bsag.de/bsagcld/index.php/s/Ld95H6HZfY7fEJc. In der Praxis markiert die Software erkannte Zwischenfälle visuell, etwa durch eine farbliche Hervorhebung im Bild, und unterstützt so eine schnelle Einordnung durch die Leitstelle.
Mit „AI Watch“ positionieren sich die BSAG und ihr Technologiepartner als Vorreiter bei der Integration datenschutzkonformer KI-Lösungen im öffentlichen Nahverkehr – ein Ansatz, der inzwischen auch überregional und international auf Interesse stößt.
20.02.2026
