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London: Elizabeth line nimmt den Betrieb auf

von Erik Buch
Abbey Wood Endstelle am 25. Mai 2022 | © Robert Schwandl

Endlich ist es soweit: Am 24. Mai 2022 wurde der planmäßige Linienverkehr auf der neuen Ost-West-Verbindung quer durch die City von London – getauft auf den Namen „Elizabeth Line“ – aufgenommen. Die Züge fahren zwischen Paddington und Abbey Wood und bedienen dabei neun neue Haltestellen auf der 23,5 km langen Strecke. 21,5 km davon verlaufen unterirdisch in Tunnelabschnitten. Ein zehnter neuer Bahnhof soll zu einem späteren Zeitpunkt an der Bond Street eröffnet werden.

Die neue Strecke ist der wichtigste Teil eines Großprojekts, das ursprünglich als Crossrail bezeichnet wurde und seit mehreren Jahrzehnten untersucht wird. Erste Ideen für eine solche Bahnverbindung wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert. Das Projekt konkretisierte sich 2001, als Transport for London TfL und das Verkehrsministerium die Crossrail Ltd. gründeten. Der tatsächliche Baubeginn fand allerdings erst 2009 statt, der Beginn der Tunnelarbeiten 2012.

Der östliche Abschnitt zwischen Liverpool Street und Shenfield wurde am 31. Mai 2015 als erstes Teilstück von TfL Rail in vollständig erneuerter Form eröffnet. Den westlichen Abschnitt zwischen Paddington und Heathrow nahm TfL Rail 2018 in Betrieb, gefolgt von der Teilstrecke zwischen Paddington und Reading im Jahr 2019. Die neue Linie von Paddington über Liverpool Street nach Abbey Wood, die jetzt – mehr als drei jahre später als geplant – für die Öffentlichkeit zugänglich ist, bildet das fehlende Bindeglied zwischen diesen Abschnitten, obwohl zum jetzigen Zeitpunkt der durchgehende Betrieb noch nicht eingeführt wurde. Fahrgäste, die nach Reading und Heathrow wollen, müssen in Paddington umsteigen, während diejenigen, die nach Shenfield wollen, in Liverpool Street den Zug wechseln müssen.

© TfL

Jeder der neuen Bahnhöfe im neuen Abschnitt Paddington-Abbey Wood ist anders gestaltet, bestimmte Designkomponenten wie Sitzgelegenheiten, Beschilderung und Bahnsteigtüren sind jedoch allen Bahnhöfen gemeinsam. 31 der 41 Stationen entlang der Elizabeth line gehören zu den östlichen und westlichen Außenstrecken. Die Gesamtlänge des Streckennetzes der Elizabeth line beträgt 118 km – das Netz ist mit einer 25 kV 50 Hz Wechselstrom-Oberleitung elektrifiziert. Die Modernisierung der bestehenden Bahnhöfe auf den Vorortstrecken umfasste u.a. die Verlängerung der Bahnsteige, verbesserte Kundeninformationsbildschirme, Beschilderung, neue Fahrkartenautomaten und Videoüberwachung.

Siemens Mobility lieferte im Auftrag von Crossrail Ltd. die Signaltechnik für den zentralen Abschnitt sowie die Kommunikations- und Leitsysteme für die neue Strecke. Das CBTC-Signalisierungs- und Leitsystem ermöglicht einen hochfrequenten und automatisierten Zugbetrieb auf dem zentralen Abschnitt der Elizabeth line. Die Technologie wurde in Siemens-Mobility-Werken in Großbritannien und Deutschland entwickelt, gefertigt, installiert, getestet und in Betrieb genommen.

Bei der Fahrzeugdisposition, der Einsatz- und der Dienstplanung kommt die integrierte Komplettlösung IVU.rail von IVU Traffic Technologies zum Einsatz.

© Siemens Mobility
Custom House Station am 25. Mai 2022 | © Robert Schwandl

Die Zuggarnituren

Auf der Elizabeth line verkehren 70 Alstom-Züge der Baureihe 345 Aventra. Die erste Einheit wurde im Juni 2017 in Betrieb genommen. Die 7- und 9-teiligen Züge wurden im Alstom-Werk in Derby (ehemals Bombardier) entwickelt und gebaut und werden von Alstom im Old Oak Common Depot in West London im Rahmen eines Wartungsvertrags für die nächsten 32 Jahre gewartet. Die Züge sind 205 Meter lang und bieten eine Kapazität von bis zu 1.500 Fahrgästen.

Das von Alstom geleitete ATC-Joint-Venture, gebildet gemeinsam mit den Partnern TSO und Costain, hat wichtige Infrastrukturarbeiten entworfen, gebaut, getestet und in Betrieb genommen. ATC hat die Bahnstromversorgung für die Züge unter Einbeziehung der Alstom-eigenen Einspeisungssysteme, die Bahnstromversorgung für die Bahnhöfe, Schächte und Portale, Tunnelbelüftungssysteme und andere elektrische und mechanische Systeme geliefert, die Gleise verlegt und ein neues Wartungsdepot in Plumstead gebaut.

Königin Elizabeth II. weiht ein – am 17. Mai 2022 | © TfL

Ein neuer Markenname

Im Februar 2016 enthüllte die Königin das neue Rondell für die Elizabeth line. So lautet auch der Markenname der neuen Linie(n), einschließlich der Abschnitte zwischen Reading / Heathrow und Paddington und zwischen Shenfield und Liverpool Street, die zuvor durch TfL Rail betrieben worden waren.

An der offiziellen Eröffnungsveranstaltung am 17. Mai 2022 nahmen Königin Elisabeth II., der britische Premierminister Boris Johnson MP, der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, der Kommissar von Transport for London, Andy Byford, der Verkehrsminister Grant Shapps, der CEO von Crossrail, Mark Wild, sowie Vertreter der verschiedenen Lieferanten und Konsortien teil.

Der zentrale Abschnitt wird von Montag bis Samstag im 5-Minuten-Takt bedient, soontags ruht dagegen der Zugbetrieb in den kommenden Monaten vorerst noch. Kurz- bis mittelfristig wird mit jährlich rund 200 Millionen Fahrgästen auf dem neuen Streckennetz gerechnet. Die Elizabeth linie wird von der in Hongkong ansässigen MTR Corporation im Rahmen einer Konzessionsvereinbarung von Transport for London betrieben.

Mit einer Gesamtinvestition von ca. 19 Mrd. GBP gehört Crossrail Elizabeth line zweifellos zu den größten Infrastrukturprojekten der letzten Jahre in Europa.



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© TfL
25.05.2022
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