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Montpellier eröffnet Straßenbahnlinie 5

Gut 25 Jahre nach Eröffnung der ersten modernen Straßenbahnlinie in Montpellier nahmen am 20. Dezember viele Bürger nahmen an der festlichen Einweihung der fünften Linie Teil I © Montpellier Métropole / Christophe Ruiz

Als der damalige Bürgermeister Georges Frêche vor über 25 Jahren die erste Straßenbahnlinie Montpelliers durchsetzte, legte er den Grundstein für eine der markantesten Tram-Erfolgsgeschichten Frankreichs. Die nun eröffnete Linie 5 führt diese Entwicklung fort – allerdings nach Jahren politischer Unsicherheit, in denen der weitere Netzausbau wiederholt infrage gestellt oder verzögert wurde. Vor diesem Hintergrund ist die neue Linie mehr als eine zusätzliche Verbindung: Sie symbolisiert eine Rückkehr zu jenem ambitionierten Selbstverständnis, mit dem Montpellier einst die Straßenbahn als Motor städtischer Transformation etablierte.

Die Métropole Montpellier Méditerranée hat am 20. Dezember 2025 ihre fünfte Straßenbahnlinie offiziell in Betrieb genommen. Mit der Eröffnung der Linie 5 wurde das Stadtbahnnetz der südfranzösischen Metropole deutlich erweitert – es handelt sich um die erste vollständig neu gebaute, leistungsfähige tangentiale Schienenverbindung seit fast einem Jahrzehnt. Die erste Straßenbahnlinie wurde im Juli 2000 eröffnet.

Die neue Linie bildet eine diagonale Achse durch das Stadtgebiet und verbessert insbesondere die Verbindungen zwischen den nördlichen und westlichen Vororten, während bislang periphere Stadtteile besser in das zentrale ÖPNV-Netz integriert werden.

Erst im Oktober wurde die Verlängerung der Linie 1 zum TGV-Bahnhof „Sud de France“ eröffnet. Wir berichteten HIER.

Projektumfang und Umsetzung

Die Straßenbahnlinie 5 verläuft über eine Länge von rund 16 km zwischen Clapiers im Norden und Grés de Montpellier im Südwesten und bedient 27 Haltestellen entlang einer überwiegend neu trassierten Strecke. Sie erschließt mehrere zuvor unterversorgte Wohngebiete, wichtige Universitäts- und Forschungsstandorte sowie zentrale Ziele des öffentlichen Lebens. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 440 Mio. €, wobei die Bauarbeiten abschnittsweise ab 2019 aufgenommen wurden. Umgerechnet auf die Kilometer ergeben sich somit durchschnittliche Kosten von etwa 27,5 Mio. Euro pro Kilometer.

Die rund 16 km lange Strecke der Linie 5 führt von Norden in den Südwesten I © Montpellier Métropole

Die Linienführung umfasst neu errichtete Streckenabschnitte von etwa 4,5 km im Norden und 6,6 km im Südwesten, die durch gemeinsam genutzte Abschnitte mit den bestehenden Linien 1 und 4 im Stadtzentrum verbunden sind. Die Infrastruktur wurde so konzipiert, dass sie sowohl eine gute städtische Erschließung als auch effiziente Reisezeiten bietet; die durchgehende Fahrzeit beträgt rund 45 Minuten.

Betrieb und Fahrzeugeinsatz

Der Betrieb auf Linie 5 startete mit einem 12-Minuten-Takt. Ab Februar 2026 ist eine Verdichtung auf 10 Minutenvorgesehen, bevor ab September 2026 ein Zielintervall von 7,5 Minuten erreicht werden soll, sobald zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Betreiber ist Transports de l’Agglomération de Montpellier (TaM), der im Rahmen eines umfassenden Flottenerneuerungsprogramms Urbos-Straßenbahnen von CAF beschafft hat. Von insgesamt 60 siebenteiligen Urbos-Fahrzeugen sind 22 Einheiten für den Einsatz auf Linie 5 vorgesehen.

Ansicht eines der siebenteiligen CAF Urbos Fahrzeuge, die zunächst auf der Linie 5 zum Einsatz kommen I © Montpellier Métropole

Die Straßenbahnen setzen die in Montpellier etablierte Tradition einer künstlerisch gestalteten Fahrzeuglackierung fort und sind vollständig barrierefrei ausgeführt, um auch Fahrgästen mit eingeschränkter Mobilität einen uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen.

Strategische Ziele und erwartete Wirkung

Für die neue Linie wird mit rund 80 000 Fahrgästen pro Tag gerechnet. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr. Die Métropole erwartet langfristig eine Reduktion des Autoverkehrs um etwa 10 %, im Einklang mit den übergeordneten Klima- und Nachhaltigkeitszielen der Region.

Jetzt ohne Autos: Gelungene Integration der Straßenbahnlinie 5 auf der Place Saint-Denis I © Montpellier Métropole

Begleitend zum Bahnbau wurden umfangreiche städtebauliche Maßnahmen umgesetzt, darunter 20 km neue Radwege, verbesserte Fußgängerbereiche sowie landschaftliche Aufwertungen entlang der Strecke. Dazu zählen unter anderem Regenwassermanagement, neue Grünflächen und biodiversitätsfördernde Bepflanzungen, die zur Resilienz des urbanen Raums beitragen sollen.

Aus netzstrategischer Sicht schließt Linie 5 zentrale Lücken im bestehenden System. Sie stärkt die Anbindung der historischen Innenstadt (l’Écusson), verbessert den Zugang zu großen Universitäts- und Krankenhausstandorten und erschließt prioritäre Quartiere wie Vert Bois, Gély und Val de Croze, die zuvor nur eingeschränkt an den öffentlichen Verkehr angebunden waren.

Netzkontext und Ausblick

Mit der Inbetriebnahme von Linie 5 ergänzt Montpellier sein Straßenbahnnetz, das nun fünf Linien mit einer Gesamtlänge von über 65 km umfasst und jährlich mehr als 40 Millionen Fahrgäste befördert. Der kontinuierliche Ausbau ist Teil der langfristigen Strategie von TaM, einen leistungsfähigen, eng mit Stadtentwicklung und Flächennutzung verzahnten öffentlichen Verkehr anzubieten.

Unterstützt wird dies durch eine liberale Tarifpolitik, die für Einwohner der Métropole einen kostenlosen ÖPNVvorsieht – ein Modell, das derzeit vor allem der lokalen Bevölkerung zugutekommt.

Mediterranes Lebensgefühl: Mit der Tram werden ganze Straßenzüge verkehrsberuhigt – mehr Platz für den ÖPNV, Fußgänger und Radfahrer werden dadurch erst möglich I © Montpellier Métropole/ Christophe Ruiz

Mit der Linie 5 erreicht Montpellier einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem gut vernetzten, umweltfreundlichen urbanen Verkehrssystem und schafft eine schnelle, attraktive Alternative zum Auto, während zugleich die Voraussetzungen für weitere Netzerweiterungen und eine stärkere multimodale Verknüpfung geschaffen werden.

Auch in puncto Nutzung bleibt das Straßenbahnnetz von Montpellier ein regionaler Spitzenreiter: Die älteste und längste Strecke, Linie 1, verzeichnet im täglichen Betrieb im Schnitt rund 126 700 Fahrgäste pro Tag und ist damit – gemessen an der täglichen Auslastung – eine der meistgenutzten Straßenbahnlinien außerhalb der Pariser Region in Frankreich. Line 2 transportiert etwa 44 700, Linie 3 rund 69 100 und Linie 4 etwa 27 800 Fahrgäste täglich; zusammen befördert das Netz der vier Linien mehr als 40 Millionen Menschen pro Jahr.

Design und visuelle Identität: Kunst auf Schienen

Ein prägendes Merkmal des Montpellier-Tramnetzes ist seine künstlerische Gestaltung: Seit dem Start des modernen Netzes im Jahr 2000 erhält jede Linie ein eigenes visuelles Konzept von renommierten Künstlern, was die Straßenbahnen zu rollenden Kunstwerken macht und der Stadt international Aufmerksamkeit verschafft. Für die neue Linie 5 hat Montpellier diese Tradition konsequent fortgeführt. Die grafische Identität der Fahrzeuge wurde dem frankreichweit bekannten Künstler Barthélémy Toguo übertragen, der den Wagen ein farbenfrohes, organisches Erscheinungsbild verleiht.

Detailaufnahme der organischen Naturmotive des franco-kamerunischer Künstler Barthélémy Toguo I © Montpellier Métropole

Toguo, ein franco-kamerunischer Künstler mit internationaler Ausstellungserfahrung, hat das Thema „Feuille de vie“(Blatt des Lebens) entworfen, das die Verbindung zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt. In seinen Entwürfen ziehen sich stylisierte Pflanzenranken, Tiere wie Vögel, Krokodile, Fische und Salamander sowie menschliche Silhouetten über eine helle Grundfläche — Motive, die bewusst auf die grünen Korridore, Parks und Freiräume entlang der Linie 5 Bezug nehmen.

Auch das Innenraumdesign der CAF Urbos-Trams folgt dieser gestalterischen Philosophie, wobei Details und Farbwahl ein harmonisches, einladendes Ambiente schaffen, das Komfort mit künstlerischem Ausdruck verbindet. Durch diese Gestaltung wird nicht nur eine klare Linienidentität geschaffen, sondern auch ein emotionaler Bezug zur Stadt und ihrer Umgebung gestärkt — ein Faktor, der die Akzeptanz der Tram im Alltag weiter fördert und sie zu einem wahrnehmbaren Teil des städtischen Raums macht. 

Wie geht es weiter?

Mit der Eröffnung der Linie 5 im Dezember 2025 hat Montpellier sein Straßenbahnnetz auf fünf Linien erweitert und den historischen Stern‑Netzaufbau abgeschlossen, den die Stadt seit der Einführung der ersten Linie Ende der 1990er-Jahre verfolgt. Die kürzliche Verlängerung der Linie 1 zur TGV‑Station Montpellier Sud de France stärkt zudem die intermodale Vernetzung zwischen Hochgeschwindigkeitszug und städtischem Schienennetz. In früheren städtischen Entwicklungs- und Verkehrsplanungen tauchte gelegentlich die Idee einer Linie 6 auf, die unter anderem die Stadtteile Place de l’Europe, Sablassou und die Gewerbegebiete Millénaire und Eurêka anbinden sollte. Diese Linie wurde jedoch bisher nicht offiziell beschlossen oder finanziert und ist daher aktuell kein Bestandteil des Bauprogramms.

Fünf Linien – fünf Fahrzeugdesigns: Die fünf eigenständigen Lackierung der mittlerweile fünf Tramlinien von Montpellier I © Montpellier Métropole/ Yanick Brossard

Statt klassischer neuer Tramstrecken setzt Montpellier auf ein ergänzendes BusTram‑System (Bus Rapid Transit) mit fünf Linien, das Bereiche erschließt, die nicht direkt an das Straßenbahnnetz angebunden sind. Die Bustram-Linien werden eigene Fahrspuren, regelmäßige Taktfolgen und enge Anschlüsse an die bestehenden Tramlinien haben, sodass sie die Netzabdeckung erheblich erweitern und die städtische Mobilität stärken. Zusammengefasst zeigt sich: Während konkrete neue Tramlinien wie eine Linie 6 bislang nicht realisiert werden, verfolgt Montpellier eine strategische Mischung aus Tramverstärkung und innovativen Bustram‑Lösungen, um die Stadt zukunftsfähig, leistungsfähig und nachhaltig an das öffentliche Verkehrsnetz anzubinden.

Große Feierlichkeiten

Die offizielle Eröffnung der Linie 5 am 20. Dezember 2025 wurde in Montpellier als großes, stadtweites Fest begangen: Die Metropole lud die Bevölkerung zu einem bunten Programm entlang der gesamten neuen Strecke von Grés de Montpellier bis Clapiers ein, das kulturelle, künstlerische und partizipative Elemente vereinte. Die offizielle Zeremonie begann am Morgen im Quartier Clemenceau mit lokalen Musik- und Straßenkunst-Performances und setzte sich über den Tag fort mit Paraden, Fanfaren, Akrobatik, Vélorution-Parade, Roll- und Rad-Animationen, Klang- und Kunstinstallationen in mehreren Stadtteilen. Am Abend bildete die Place de la Comédie den stimmungsvollen Schlusspunkt, mit einer Laternen- und Lichtparade, einem spektakulären Musik- und Showprogramm sowie DJ-Sets, die den neuen Stadtabschnitt feierten und die vielfältige urbane Gemeinschaft Montpelliers zusammenbrachten. Die Eröffnungsfeier verband damit mobilitätspolitische Bedeutung mit lokalem kulturellem Ausdruck und unterstrich die Linie 5 als neuen Lebensraum im öffentlichen Raum, offen für alle Altersgruppen und Interessensgruppen.

Einige Eindrücke der Feierlichkeiten verleiht folgendes Video:

10.01.2026