
Am Donnerstag, dem 23. Juli 2025, absolvierte erstmals ein gebrauchter MGT6D-Triebwagen aus Heidelberg einen Planeinsatz auf der meterspurigen Linie 88 der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) bei Berlin. Die dreiteiligen Sechsachser wurden von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH übernommen und sollen schrittweise den Fuhrpark der SRS vergrößern und gleichzeitig das barrierefreie Angebot vergrößern.
Seit einigen Jahren herrscht bei der SRS aufgrund von Verkehrsunfällen und defekten Fahrzeugen ein akuter Wagenmangel, obwohl bereits im Zeitraum 2018 – 2020 drei Škoda Transtech Artic Niederflurtriebwagen beschafft wurden, von denen ein Triebwagen derzeit defekt beim Hersteller steht. Wir berichteten über die Triebwagen aus Helsinki hier:
Der MGT6D ist ein dreiteiliger Niederflur-Gelenkwagen, der zwischen 1992 und 2001 von Duewag für mehrere deutsche Städte wie Bochum, Erfurt, Halle, Heidelberg und Mülheim/Oberhausen entwickelt wurde. Diese Fahrzeuge wurden zwischen 1994 und 1995 für Heidelberg beschafft. Sie verfügen über sechs Radsätze, moderne Drehstromantriebe und bieten durch ihre Gelenkbauweise einen Niederfluranteil von rund 65 %. Der Mittelteil ruht auf zwei EEF (Einzelrad-Einzelfahrwerken), wodurch im Bereich der mittleren Türen ein stufenloser Einstieg möglich ist. Die Heidelberger MGT6D tragen wesentlich zur Barrierefreiheit im Netz der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) bei.
Der erste nach Schöneiche überführte Wagen (ex RNV 3264) diente im Herbst 2024 zu Probefahrten, wurde jedoch im November bei einem Sturm auf dem Betriebshof schwer beschädigt. Der A-Teil musste im Januar verschrottet werden, die übrigen Wagenteile dienen nun als Ersatzteilspender.

Im Frühjahr 2025 trafen mit den Fahrzeugen 61, 67 und 69 drei weitere MGT6D-Triebwagen ein, die in den kommenden Wochen/ Monaten in den Einsatz gelangen dürften. Wagen 69 (ex 3269), ursprünglich bereits ausgemustert, wurde reaktiviert, hauptuntersucht und in den SRS-Farben lackiert. Die Fahrzeuge verfügen über fünf Türen pro Seite (drei Doppel- und zwei Einzeltüren) und sind damit mit dem Fahrscheinverkauf beim Fahrer kompatibel.
Ergänzt wird der Niederflurbestand weiterhin durch den ex Mülheimer M6C-NF Nr. 77, der bereits seit 2023 zuverlässig im Einsatz steht und im laufenden Betrieb zunächst nicht ersetzt wird. Sein Schwesterwagen 78 wurde zwischenzeitlich ausgemustert.
Der langfristige Erfolg der Heidelberger Wagen hängt von der Ersatzteilversorgung und dem Zustand der Gebrauchtfahrzeuge ab. Dennoch ist ihr Einsatz ein wichtiger Schritt zur weiteren Modernisierung des kleinen ostbrandenburgischen Betriebs.
„Dracula auf Schienen“ – GT6-Eigenbau in Schöneiche
Ein außergewöhnliches Fahrzeug sorgt seit einiger Zeit im Fuhrpark der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) für Gesprächsstoff: der sogenannte „Frankenstein“-GT6. Der Spitzname bezieht sich auf die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte dieses Triebwagens, der aus den Überresten zweier havarierter GT6-Fahrzeuge entstand.
Nach einem schweren Unfall im Jahr 2024 waren zwei der zuletzt in Heidelberg eingesetzten Düwag-Gelenktriebwagen so stark beschädigt worden, dass eine Einzelaufarbeitung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll erschien. Stattdessen entschied sich die SRS, aus den unversehrten Fahrzeughälften beider Wagen ein betriebsfähiges Fahrzeug neu zusammenzustellen. Der daraus entstandene „Frankenstein“-GT6 erhielt betriebsintern die Wagennummer 47,5 – in Anspielung auf seine geteilte Herkunft.

Nach Prüfung und Abnahme durch die technische Aufsichtsbehörde konnte das Einzelstück in den regulären Betrieb übernommen werden. Technisch handelt es sich um ein klassisches Zweirichtungsfahrzeug des Typs GT6. Der Wagen ergänzt seither den kleinen Fahrzeugpark der SRS und wird bei Bedarf als Reserve- oder Verstärkerfahrzeug eingesetzt. Mit der schrittweisen Inbetriebnahme der ebenfalls aus Heidelberg stammenden MGT6D-Triebwagen dürfte sich der Einsatz des sogenannten „Frankenstein“-GT6 jedoch seinem Ende zuneigen.
29.07.2025
