
Mit der Inbetriebnahme der neuen S-Bahn-Linie S15 am 15. Juni 2026 erreicht das Berliner Schnellbahnnetz einen wichtigen Entwicklungsschritt: Der Berliner Hauptbahnhof ist erstmals direkt über eine S-Bahn-Verbindung mit dem nördlichen Stadtgebiet verbunden. Die neue Linie verkehrt zunächst als Pendelbetrieb zwischen Berlin Hauptbahnhof und Gesundbrunnen über Wedding und bildet den ersten realisierten Abschnitt des langfristig geplanten Projekts S21.
Obwohl der erste Bauabschnitt nur wenige Kilometer lang ist, besitzt die Verbindung eine erhebliche netzstrategische Bedeutung. Sie schafft eine zusätzliche Nord-Süd-Relation, entlastet bestehende Umsteigebeziehungen über Friedrichstraße und bildet die betriebliche Grundlage für die spätere Durchbindung Richtung Potsdamer Platz und weiter nach Süden.
Vom Einzelbahnhof zum Netzknoten
Der Berliner Hauptbahnhof wurde 2006 eröffnet und ist einer der größten Bahnhöfe Europas. Trotz seiner Funktion als zentraler Fern- und Regionalverkehrsknoten fehlte ihm bislang eine direkte Einbindung in das S-Bahn-Nord-Süd-System. Fahrgäste aus dem Norden mussten bisher entweder über den Bahnhof Friedrichstraße fahren oder auf Regionalzüge ausweichen.
Mit der S15 wird diese Lücke geschlossen. Die Linie verbindet den Bahnhof Gesundbrunnen am nördlichen Ring direkt mit dem Hauptbahnhof. Die Fahrzeit beträgt nur rund fünf Minuten; die S15 ist damit die kürzeste reguläre S-Bahn-Linie im Berliner Netz.

Die neue Verbindung soll vor allem den Norden Berlins besser an das Regierungsviertel, den Hauptbahnhof und die Innenstadt anbinden. Für die neue Strecke werden täglich rund 40.000 Fahrgäste erwartet.
Erster Abschnitt des Projekts S21
Die S15 ist kein isoliertes Projekt, sondern der erste betriebsfähige Abschnitt der geplanten Nord-Süd-Verbindung S21. Diese soll langfristig eine zweite Nord-Süd-S-Bahn-Stammstrecke schaffen und damit den historischen Nord-Süd-Tunnel aus den 1930er Jahren ergänzen.
Der erste Abschnitt umfasst die Verbindung vom Nordring über Wedding zum Hauptbahnhof. Die Strecke führt südlich des Nordrings in einem Tunnel zum Hauptbahnhof. Dort wurde zunächst ein provisorischer S-Bahn-Bahnsteig errichtet, der über eine Passerelle mit dem Hauptbahnhof verbunden ist.

Der Interimszustand ist notwendig, weil die endgültige S21-Infrastruktur erst in späteren Bauphasen entsteht. Vorgesehen ist eine Weiterführung vom Hauptbahnhof über das Regierungsviertel zum Potsdamer Platz. Weitere Abschnitte sollen später über Gleisdreieck Richtung Yorckstraße und Großgörschenstraße führen.
Infrastruktur und Betrieb
Die S15 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof. Die Bedienung erfolgt zunächst als eigenständiger Pendelbetrieb. Damit ist keine vollständige Ring- oder Nord-Süd-Durchbindung erforderlich, was die Einführung des neuen Angebots trotz der noch nicht fertigen Gesamtstrecke ermöglicht.
Die Strecke besitzt drei Stationen:
- Berlin Hauptbahnhof (S-Bahn-Tiefgeschoss im Interimszustand)
- Berlin Wedding
- Berlin Gesundbrunnen
Der Bahnhof Wedding ermöglicht den Umstieg zur U-Bahn-Linie U6 sowie zu weiteren S-Bahn-Verbindungen. Gesundbrunnen ist bereits heute einer der wichtigsten Umsteigepunkte des Berliner Netzes mit Anschlüssen an den Ring, Regionalverkehr und weitere S-Bahn-Linien.
Fahrzeuge und technische Anforderungen
Auf der S15 kommen klassische Berliner Gleichstrom-S-Bahnen zum Einsatz. Die Strecke nutzt das Berliner S-Bahn-System mit seitlicher Stromschiene und 750 Volt Gleichspannung.
Zum Start sind Fahrzeuge der Baureihe 481 vorgesehen, später ist auch der Einsatz neuer Fahrzeuge der Baureihe 483/484 möglich.
Die Fahrzeuge müssen die besonderen Anforderungen des Berliner Netzes erfüllen:
- Bahnsteighöhe von 96 Zentimetern
- Gleichstrombetrieb mit Stromschiene
- enge Tunnelprofile
- hohe Beschleunigungs- und Bremsleistung für kurze Stationsabstände

Gerade im Tunnelbetrieb sind schnelle Fahrgastwechsel entscheidend. Die S-Bahn Berlin setzt deshalb auf Fahrzeuge mit großzügigen Türbereichen und hoher Beschleunigungsfähigkeit.
Jahrzehnte der Planung
Die Realisierung der Verbindung war deutlich langwieriger als ursprünglich vorgesehen. Frühere Planungen sahen eine deutlich frühere Inbetriebnahme vor, doch schwierige Baugrundverhältnisse, technische Anpassungen, Lieferprobleme und umfangreiche Prüf- und Zulassungsverfahren führten zu Verzögerungen.
Die Berliner Geologie stellte insbesondere im Bereich des Spreetals und der Innenstadt hohe Anforderungen an Tunnelbau und Grundwasserhaltung. Gleichzeitig musste die neue Infrastruktur in ein bestehendes, hoch belastetes Bahnsystem integriert werden.

Bedeutung für das Berliner Netz
Die S15 ist zunächst zwar eine kurze Linie, doch ihre strategische Wirkung reicht weit über die Streckenlänge hinaus. Der Hauptbahnhof erhält eine direkte Verbindung zum Nordring, wodurch neue Wegebeziehungen entstehen:
- Gesundbrunnen – Hauptbahnhof: etwa fünf Minuten
- Entlastung der Nord-Süd-Strecke über Friedrichstraße
- bessere Erreichbarkeit des Hauptbahnhofs aus dem Norden
- Grundlage für weitere S21-Ausbaustufen

Mit der Eröffnung beginnt damit nicht nur eine neue Linie, sondern ein langfristiger Umbau der Berliner S-Bahn-Struktur. Die S15 markiert den Übergang von einem historisch gewachsenen Radialnetz zu einem stärker verknüpften System mit zusätzlichen Nord-Süd-Kapazitäten.
16.06.2026
