• de
  • en

Noch mehr Light Rail in Toronto: Die Eglinton Crosstown Line nimmt den Betrieb auf

© TTC press release

Nach der Eröffnung der Stadtbahnlinie Finch West im Großraum Toronto vor gerade einmal zwei Monaten gab es nun einen  weiteren Anlass zum Feiern:

Die östliche Hauptabschnitt der Eglinton Crosstown Line ging heute, am 8. Februar 2026, als Line 5 in den Fahrgastbetrieb, als neue, von Niederflurwagen bediente Light-Rail-Transit-Linie (LRT) im Nahverkehr der Metropole und als eine bedeutende Erweiterung des Schienennetzes der Toronto Transit Commission (TTC). Die Strecke erstreckt sich über rund 19 Kilometer in Ost-West-Richtung entlang der Eglinton Avenue von Mount Dennis im Westen bis Kennedy Station im Osten und umfasst 25 Stationen, davon 15 im Tunnel. Die Linie ist so ausgelegt, dass gerade die längeren Tunnelabschnitte von insgesamt mehr als 10 km Länge eine hohe Betriebsstabilität und deutlich kürzere Reisezeiten im Vergleich zum früheren Busverkehr ermöglichen sollen.

Erste Passagierfahrten ab Forest Hill | © Alex Glista
© Metrolinx
Cedarvale | © Alex Glista
Der Bau

Die Bauarbeiten begannen offiziell im Jahr 2011, der eigentliche Hauptbau startete jedoch erst 2016 im Rahmen eines öffentlich-privaten Partnerschaftsmodells (DBFM). Verantwortlich für Planung, Bau, Finanzierung und langfristige Instandhaltung ist das Konsortium Crosslinx Transit Solutions. Im Verlauf der Bauzeit kam es zu einer Vielzahl von Verzögerungen. Zu den Hauptursachen zählten unerwartete geologische Bedingungen, insbesondere schwieriger Baugrund und Grundwasserprobleme, die den Tunnelbau verkomplizierten. Ursprünglich war die Inbetriebnahme der Line 5 bereits für 2020 vorgesehen.

Zusätzlich belasteten externe Faktoren den Projektverlauf: Die COVID-19-Pandemie führte ab 2020 zu temporären Baustopps, reduzierter Arbeitsleistung und Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig gab es Diskussionen zwischen Metrolinx und dem Baukonsortium über Verantwortlichkeiten für Verzögerungen und Kostensteigerungen, was das Projektmanagement weiter erschwerte. In der Öffentlichkeit sorgten wiederholt verschobene Eröffnungstermine für Kritik.

Testfahrten im Dezember 2025 | © Alex Glista
Die Kosten

Das Crosslinx Transit Solutions-Konsortium erhielt einen 30-Jahres-Vertrag im Umfang von rund 9,1 Milliarden kanadischen Dollar. Die Gesamtkosten haben sich nach vorläufigem Projektabschluss inzwischen auf rund 12,8 Milliarden kanadische Dollar erhöht. Die Finanzierung erfolgt gemeinsam durch Beiträge der Provinz Ontario und der Stadt Toronto über Metrolinx als regionaler Verkehrsbehörde.

Die Fahrzeuge

Technisch wird die Linie von „Flexity Freedom“ Light Rail Vehicles (LRVs) betrieben, die Metrolinx für diese Strecke ausgewählt hat. Insgesamt lieferte Alstom als Nachfolger des übernommenen Rail Business der kanadischen Bombardier Gruppe 76 dieser Fahrzeuge, die im Eglinton Maintenance and Storage Facility (EMSF) endmontiert und getestet wurden. Jedes dieser Fahrzeuge ist 100 % niederflurig, etwa 31 Meter lang, 2,65 Meter breit und fährt auf Normalspur 1.435 mm – wie auch die Finch West Line. Damit ist auch künftig keine Verbindung mit dem städtischen Straßenbahnnetz der TTC möglich, das auf einer abweichenden Spurweite fährt. Die Fahrzeuge sind konsequent barrierefrei gestaltet und verfügen über mehrere breite Türen pro Seite sowie moderne Fahrgastinformationssysteme. Da jedes Fahrzeug nur ein Führerstand am einen Ende besitzt, werden zwei Einheiten jeweils zu einem Zug gekoppelt eingesetzt; bei Bedarf sind auch Zugverbände vorgesehen, um die Kapazität auf bis zu rund 490 Personen pro Zug zu steigern.

Die Züge erreichen in den unterirdischen Abschnitten Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und auf oberirdischen Strecken bis zu 60 km/h, sodass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit inklusive Haltezeiten bei etwa 28 km/h liegt. Die Strecke ist mit einem modernen Zugsicherungs- und Leitsystem ausgestattet, das auf einer automatisierten Zugsteuerung (Automatic Train Control, ATC) im Tunnel basiert und auf den oberirdischen Abschnitten teilweise manuell ergänzt wird. Die Stromversorgung erfolgt über Oberleitung, und das Wartungsdepot am Mount-Dennis-Ende wurde so konzipiert, dass es bis zu 135 Fahrzeuge aufnehmen kann und damit auch Platz für künftige Erweiterungen bietet.

Ionview | © Alex Glista
Mount Dennis Endstation | © Alex Glista
Integration und weiterer Ausbau

Ein wichtiges Merkmal der neuen LRT-Linie ist ihre enge Integration in das bestehende Verkehrsnetz Torontos. Line 5 ermöglicht direkte Umsteigemöglichkeiten zu mehreren TTC-U-Bahn-Linien, zu GO-Regionalzügen und zum UP-Express-Airport-Service sowie zu zahlreichen Buslinien entlang der Eglinton Avenue, was die intermodale Vernetzung erheblich verbessert. Rund 123.000 Fahrgäste werden werktags auf der neuen Linie erwartet, wenn der endgültige Fahrplan in etwa 3-6 Monaten eingeführt wird. Aktuell fahren die Züge montags-samstags von 5.30 bis 23.00 Uhr, sonntags von 7.30 bis 23.00 Uhr – allerdings offiziell in einem Vorlaufbetrieb, der der langsamen Einführung („pased start“) des neuen Systems dient.

Künftig wird die Line 5 von der aktuellen Endstelle Mount Dennis aus in Richtung Westen über sieben weitere Stationen und 9,2 km Länge bis nach Renforth Drive fahren. 2031 wird derzeit als Eröffnungstermin für diese überwiegend unterirdische Verlängerung genannt.

© TTC
Ein Netzplan findet sich auch unter: https://www.urbanrail.net/am/toro/toronto.htm
Fairbank | © Alex Glista
Forest Hill station | © Alex Glista
08.02.2026