PESA Twist 3.0 für Braunschweig

So sehen die neuen dreiteiligen PESA Twist 3.0 Straßenbahnen für Braunschweig aus I © PESA

Die Braunschweiger Verkehrs-GmbH (BSVG) beschafft zwölf neue Stadtbahnen des Typs PESA Twist 3.0. Der Auftrag umfasst rund 65 Millionen Euro netto; zehn weitere Fahrzeuge können optional folgen. Die 33,3 Meter langen Niederflurwagen bieten Platz für bis zu 202 Fahrgäste und ersetzen zunächst die seit 1995 eingesetzte 95er-Serie.

Der Vertrag mit PESA Bydgoszcz wurde am 24. September 2026 auf der InnoTrans in Berlin unterzeichnet. Für den polnischen Hersteller ist der Auftrag der erste Straßenbahnauftrag für den deutschen Markt. Die Fahrzeuge sollen in Bydgoszcz und Leipzig gefertigt werden.

Mehr Kapazität bei gleicher Spurweite

Der dreiteilige Einrichtungswagen ist 33,3 Meter lang und 2,40 Meter breit. Er wird für die 1.100-Millimeter-Spurweite des Braunschweiger Netzes ausgelegt und verfügt über vier frei ausdrehbare Drehgestelle. Nach Angaben der BSVG soll das Fahrwerk insbesondere bei Kurvenfahrten Vorteile hinsichtlich Geräuschentwicklung und Schienenverschleiß bieten.

Ähnliche dreiteilige Fahrzeuge wurden zuvor von der MPK Kraków (Krakau) bestellt. Wir berichteten hier:

Mit 75 Sitzplätzen und einer Kapazität von 202 Fahrgästen bietet der PESA deutlich mehr Platz als die 27 Meter lange 95er-Serie. Für diese gibt die BSVG eine Kapazität von bis zu 143 Fahrgästen und 60 Sitzplätze an.

Einer der wesentlichen Vorteile sind die ausziehbaren Drehgestelle unter den End- und Mittelwagen I © BSVG

Fahrzeugdaten

MerkmalPESA Twist 3.0
Länge33,3 m
Breite2,40 m
Spurweite1.100 mm
Bauartdreiteilig, Einrichtungswagen
Fahrgastkapazität202
Sitzplätze75
Doppeltüren5
Drehgestelle4
Klimatisierungvollständig

Drehgestelle für das bestehende Netz

Die vier frei ausdrehbaren Drehgestelle gehören zu den technischen Besonderheiten des Fahrzeugs. Sie ermöglichen eine bessere Anpassung an die Gleisgeometrie und sollen damit zu einem ruhigeren Lauf sowie einer geringeren Belastung von Rad und Schiene beitragen.

Dirk Neubauer (BSVG-Prokurist, v.l.), Frank Brandt (BSVG-Geschäftsführer), Krzysztof Zdziarski (CEO Pesa), Maciej Maciejewski (CSO Pesa), Ulrich Lauel (Geschäftsführer Heiterblick) und Michal Sztybel (Präsident der Provinz Kujawsko-Pomorskie) nach der Unterzeichnung im Rahmen der Innotrans I © BSVG

Bei der Fahrzeugbreite setzt Braunschweig bewusst auf 2,40 Meter. Zuvor war auch die Beschaffung 2,65 Meter breiter Fahrzeuge untersucht worden. Eine entsprechende Anpassung der Infrastruktur hätte nach früheren Angaben Investitionen von rund 20 Millionen Euro erfordert. Der Twist 3.0 kann damit auf die vorhandene Fahrzeuggeometrie des Netzes abgestimmt werden.

Innenraum und Sicherheit

Für den Fahrgastwechsel stehen fünf Doppeltüren zur Verfügung. Mehrzweckbereiche sind für Rollstühle und Kinderwagen vorgesehen. Der Fahrgastraum wird vollständig klimatisiert und mit LED-Beleuchtung ausgestattet.

Zum Sicherheitspaket gehören unter anderem ein Passantenschutzsystem im Frontbereich und Kameras zur Verbesserung der Sicht auf Bereiche neben dem Fahrzeugkopf.

65 Millionen Euro für die erste Serie

Für die zwölf fest bestellten Fahrzeuge sind rund 65 Millionen Euro netto vorgesehen. Der Stückpreis liegt bei rund 5,42 Millionen Euro netto. Das Land Niedersachsen beteiligt sich mit 24 Millionen Euro an der Beschaffung.

KennzahlWert
Festbestellung12 Fahrzeuge
Option10 Fahrzeuge
Maximal22 Fahrzeuge
Auftragsvolumenca. 65 Mio. € netto
Stückpreisca. 5,42 Mio. € netto
Landesförderung24 Mio. €

Die Option ist insbesondere für den geplanten weiteren Ausbau des Braunschweiger Stadtbahnnetzes relevant. Im Rahmen von Stadt.Bahn.Plus sind unter anderem Projekte in Richtung Volkmarode-Nord, Rautheim, Campusbahn sowie Lehndorf/Kanzlerfeld vorgesehen.

Ablösung der 95er-Serie

Die zwölf neuen Fahrzeuge ersetzen zunächst die Stadtbahnen der 95er-Serie. Diese wurden ab 1995 in Betrieb genommen und sind 27 Meter lang.

Der Twist 3.0 erhöht dabei nicht nur den technischen Standard, sondern auch die Fahrzeugkapazität. Damit kann die BSVG mehr Fahrgäste je Fahrzeug befördern, ohne die bestehende Spurweite oder die Fahrzeugbreite verändern zu müssen.

Dreiteiliger Adtranz-Niederflur-Gelenk-Tw 9557 am 5. Dezember 2024 am Hauptbahnhof | © Martin Ritzau

Das erste Fahrzeug soll Ende 2029 in Braunschweig eintreffen. Der erste Fahrgastbetrieb ist für März 2030 vorgesehen. Bis Februar 2031 sollen alle zwölf Fahrzeuge der Basisbestellung eingesetzt werden.

Fazit

Mit dem PESA Twist 3.0 setzt Braunschweig auf eine kapazitätsstarke Niederflurbahn, die auf die vorhandene Infrastruktur zugeschnitten ist. Bemerkenswert ist dabei, dass PESA trotz der Präsenz des heimischen Herstellers HeiterBlick eine bislang neue Plattform für Braunschweig anbietet. Die Gründe hierfür sind nicht öffentlich bekannt; sowohl Kosten- als auch strategische Überlegungen könnten eine Rolle gespielt haben.

Für PESA ist der Auftrag zugleich ein wichtiger Schritt: Mit den zunächst zwölf bestellten Fahrzeugen und einer Option auf zehn weitere Wagen gelingt dem polnischen Hersteller der Einstieg in den deutschen Straßenbahnmarkt.

28.09.2026