Potsdam kündigt Ebusco-Vertrag über 23 Elektrobusse

Lieferverzögerungen führen zur Kündigung eines millionenschweren Auftrags des Verkehrsbetriebs Potsdam. Der Fall reiht sich in eine Serie von Vertragsauflösungen ein und fällt in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen beim niederländischen Hersteller Ebusco.

Der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) hat den Liefervertrag mit dem niederländischen Elektrobushersteller Ebusco über 23 batterieelektrische Busse gekündigt. Hintergrund sind erhebliche Verzögerungen bei der Lieferung der Fahrzeuge. Der Auftrag war bereits 2023 an Ebusco vergeben worden; die Busse sollten ursprünglich bis 2025 nach Potsdam geliefert werden. Nachdem dieser Termin nicht eingehalten wurde und auch kein verlässlicher neuer Liefertermin zugesichert werden konnte, kündigte ViP den Vertrag mit Wirkung zum 29. Juli 2026. Die Stadt Potsdam und ViP hatten für die Beschaffung insgesamt 17,4 Millionen Euro vorgesehen.

Der Auftrag umfasste zehn zwölf Meter lange Ebusco 3.0 sowie 13 Gelenkbusse mit einer Länge von 18 Metern. Die Fahrzeuge sollten einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung der Potsdamer Busflotte leisten. ViP bereitet nun eine neue Ausschreibung vor, um die ausgefallenen Fahrzeuge zu ersetzen und die Elektrifizierungsstrategie weiterzuführen.

Ebusco widerspricht der Kündigung

Der Vorgang ist allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen. Ebusco hat die Kündigung zurückgewiesen beziehungsweise angekündigt, den Vorgang zunächst zu prüfen und innerhalb der von ViP gesetzten Frist inhaltlich Stellung zu nehmen. Der Hersteller bedauert die Entscheidung und widerspricht damit zumindest zunächst der Darstellung, dass der Auftrag endgültig beendet sei.

Damit könnte sich noch ein rechtlicher beziehungsweise kommerzieller Konflikt zwischen Hersteller und Betreiber entwickeln. Für ViP steht jedoch unabhängig davon die Frage im Vordergrund, wie die benötigten Fahrzeuge möglichst schnell anderweitig beschafft werden können.

Kein Einzelfall

Der Potsdamer Fall kommt für Ebusco zu einem schwierigen Zeitpunkt und erinnert an mehrere vergleichbare Vorgänge in anderen europäischen Märkten.

Bereits im Dezember 2024 hatten die Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) den Werkliefervertrag über zwölf Batteriebusse mit Ebusco aufgelöst. Die Fahrzeuge sollten ursprünglich ab Frühjahr 2025 geliefert werden. Die VBSG begründeten die Entscheidung mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation Ebuscos und der Tatsache, dass das Unternehmen verschiedenen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen war. Die Beschaffung wurde anschließend neu ausgeschrieben.

Besonders aufschlussreich ist der Fall Svealandstrafiken in Schweden. Der schwedische Verkehrsbetreiber gab im Januar 2025 bekannt, zwei von drei bestehenden Ebusco-Verträgen im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen. Anstelle der ursprünglich bestellten Ebusco-Fahrzeuge wurde ein neuer Vertrag mit Volvo Buses über 73 Elektrobusse geschlossen: 13 Gelenkbusse für den Stadtverkehr in Örebro sowie 60 Fahrzeuge für den Regionalverkehr in den Regionen Örebro und Västmanland. Die Auslieferungen waren für 2025 und 2026 vorgesehen.

Svealandstrafiken in Schweden erhält als Ersatz für die gekündigte Ebusco Bestellung noch dieses Jahr insgesamt 73 Volvo Elektrobusse, davon 60 12-Meter und 13 18-Meter Fahrzeuge I © Volvo Buses

Bemerkenswert ist, dass Svealandstrafiken bereits vor der Vertragsauflösung Vorsorge für mögliche Lieferprobleme getroffen hatte. Der Betreiber hatte ein Verfahren vorbereitet, um bei ausbleibenden Ebusco-Lieferungen kurzfristig auf einen anderen Hersteller zurückgreifen zu können. Damit konnte der Betreiber die benötigten Fahrzeuge ohne längere Unterbrechung seiner Beschaffungsplanung anderweitig bestellen. Gleichzeitig blieb ein dritter Ebusco-Vertrag über 23 Busse zunächst bestehen. 

Potsdam kommt für Ebusco zur Unzeit

Die erneute Vertragsauflösung fällt in eine Phase, in der Ebusco versucht, das Unternehmen nach erheblichen finanziellen und operativen Schwierigkeiten neu aufzustellen. Der Hersteller muss dabei nicht nur seine Kostenstruktur und Produktion stabilisieren, sondern auch das Vertrauen bestehender und potenzieller Kunden zurückgewinnen.

Gerade für Verkehrsunternehmen sind verlässliche Liefertermine bei Elektrobussen von großer Bedeutung. Die Beschaffung ist eng mit dem Aufbau von Ladeinfrastruktur, der Planung von Betriebshöfen, Förderprogrammen und der Ausmusterung bestehender Fahrzeuge verbunden. Eine mehrjährige Verzögerung kann daher erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Elektrifizierungsstrategie eines Betreibers haben.

Der Ebusco mit seiner beeindruckenden Reichweite von 700 km auf der Mobility Move in Berlin im März 2026 I © UTM

Der Potsdamer Auftrag zeigt damit ein grundlegendes Problem des europäischen Elektrobussesmarktes: Technische Leistungsfähigkeit und ein attraktiver Anschaffungspreis reichen nicht aus, wenn die industrielle Umsetzung und termingerechte Lieferung nicht gewährleistet werden können.

Für Ebusco erhöht die Kündigung den Druck, die laufende Restrukturierung erfolgreich abzuschließen. Für Potsdam bedeutet sie dagegen zunächst einen zusätzlichen Beschaffungsschritt. Die Stadt hält grundsätzlich an der Elektrifizierung ihres Busverkehrs fest – muss nun aber für 23 ursprünglich für Ebusco vorgesehene Fahrzeuge einen neuen Lieferanten finden.

Der Fall Potsdam ist damit weniger eine Abkehr von Elektrobussen als ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig Lieferfähigkeit und finanzielle Stabilität der Hersteller in der inzwischen stark gewachsenen europäischen E-Bus-Branche geworden sind.

13.08.2026