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Rotem liefert Stadtbahnfahrzeuge nach Edmonton – U2-Duewag-Flotte wird ersetzt

Hyundai Rotem liefert aus Südkorea insgesamt 32 neue Hochflurstadtbahnwagen mit Mittelwägelchen nach Edmonton I © Hyundai Rotem

Die Stadt Edmonton im kanadischen Bundesstaat Alberta hat einen weiteren bedeutenden Schritt zur Modernisierung ihres Stadtbahnsystems unternommen: Der koreanische Hersteller Hyundai Rotem Company wird 32 neue hochflurige Stadtbahnen liefern. Der entsprechende Vertrag über rund 220 Mio. US-Dollar wurde Anfang Februar 2026 offiziell unterzeichnet und ist Teil eines mehrstufigen Bestellprogramms zur Erneuerung und Erweiterung der LRT-Flotte.

Umfang und Zeitplan der Bestellung

  • Anzahl der Fahrzeuge: 32 Hochflur-LRVs für Edmonton Transit Service (ETS)
  • Hersteller und Vertrag: Hyundai Rotem Company, Südkorea; Vertragsunterzeichnung am 3. Februar 2026
  • Vertragswert: etwa CAN$220,6 Mio. (ca. 136,49 Mio. EUR, etwa 4,27 Mio. Euro pro Fahrzeug)
  • Produktion: Fertigung in Südkorea
  • Lieferzeitraum: voraussichtlich 2029 und 2030

Die Neubaufahrzeuge sind für den Einsatz auf den bestehenden Hochflurstrecken, insbesondere der Capital Line und der Metro Line, bestimmt. Beide Linien bilden das Rückgrat des 1978 eröffneten LRT-Systems von Edmonton, das als erstes modernes Stadtbahnsystem Kanadas gilt. In den vergangenen Jahren wurde das Netz sukzessive erweitert, unter anderem durch Verlängerungen nach Süden und Nordwesten. Mit dem weiteren Netzausbau steigt auch der Fahrzeugbedarf, sodass die Bestellung sowohl der Kapazitätserhöhung als auch dem Ersatz veralteter Fahrzeuge dient.

Technische Merkmale und Betriebseigenschaften

Technisch werden die neuen Einheiten speziell an die klimatischen Bedingungen in Alberta angepasst. Edmonton zählt zu den kältesten Großstädten Nordamerikas, mit Wintertemperaturen, die regelmäßig unter −30 °C fallen. Entsprechend werden die Fahrzeuge mit leistungsfähigen Heiz- und Klimasystemen, winterfesten Tür- und Kupplungssystemen sowie einer robusten elektrischen Ausrüstung ausgestattet. Auch moderne Fahrgastinformationssysteme, Videoüberwachung und energieeffiziente Antriebstechnik gehören zur Standardausstattung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt im für nordamerikanische LRT-Systeme typischen Bereich von rund 80 km/h.

Frankfurter Modell in Edmonton: Die in den 1960er Jahren für die U-Stadtbahn Frankfurt entwickelten Stadtbahnwagen des Typs U2 von Siemens-Duewag sollen durch die neue Rotem Flotte ersetzt werden I © Wikipedia Lizenz CC BY-SA 4.0 (Vanstrat)

Ersatz der U2-Duewag-Flotte

Ein Grund für die Bestellung ist die Ablösung der U2-Stadtbahnwagen des Typs Siemens/Duewag U2 der Baujahre 1977 – 1983, die seit mehr als vier Jahrzehnten das Rückgrat der Edmonton LRT-Flotte bildeten.

Die U2-Fahrzeuge entstammen der bewährten Baureihe, die ursprünglich für die Frankfurter U-Bahn entwickelt wurde und seit den späten 1970er-Jahren auch in Edmonton im Einsatz ist. Trotz mehrfacher Modernisierungen und Lebensdauerverlängerungen nähern sich diese Hochflurwagen nun dem Ende ihres technischen Lebenszyklus: Viele Einheiten sind über 45 Jahre alt, was erhebliche Wartungs- und Zuverlässigkeitsprobleme zur Folge hat. Mit der Auslieferung der neuen Hyundai-Rotem-Fahrzeuge wird ETS die 37 vorhandenen Siemens-U2-Fahrzeuge sukzessive ersetzen.

Integration in das bestehende Gesamtsystem

Diese Bestellung ergänzt eine bereits laufende Beschaffung: Seit 2021 liefert Hyundai Rotem 46 niederflurige LRVs für die neue Valley Line West, ein eigenständiges LRT-Projekt mit siebenteiligen Niederflurfahrzeugen, das voraussichtlich ab 2027 in Betrieb geht. Wir berichteten hier:

Sobald die Hoch- und Niederflurfahrzeuge vollständig geliefert sind, wird Hyundai Rotem nahezu die gesamte LRT-Fahrzeugflotte Edmontons stellen – ein bemerkenswerter Erfolg für einen südkoreanischen Anbieter auf dem nordamerikanischen Markt.

Es ist nicht auszuschließen, dass durch der von den USA ausgelösten Zollkonflikts die Beschaffungspolitik in Kanada verschoben hat: Während für die Netze in Edmonton und Calgary bislang in den USA gefertigte Fahrzeuge von Siemens eine wichtige Rolle spielten, hat sich zumindest Edmonton für die letzten beiden Aufträge Rotem durchsetzen können, da hier keine unmittelbaren handelspolitischen Belastungen bestehen.

13.02.2026