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RP Gießen genehmigt Batterie-Oberleitungsbus für Marburg

Bald könnten Batterie Oberleitungsbusse durch Marburg fahren - geplant ist der Einsatz von 24-Meter Fahrzeugen (im Bild eine 18 Meter Variante) I © UTM/ Erstellt mit ChatGPT

Marburg plant, seine Stadtbuslinien 7 und 27 bis 2030 auf batteriebetriebene Oberleitungsbusse (BOB) umzustellen – eine intelligente Kombination aus Oberleitung und Batterie, die für emissionsfreien Stadtverkehr sorgen soll. Die Gesamtkosten für Infrastruktur und Busse werden auf netto rund 45 Millionen Euro beziffert. Bereits im Januar 2021 erhielt Marburg Bundesfördermittel in Höhe von etwa 1,52 Millionen Euro für die Planungsleistungen. Am 22. August 2025 erteilte das Regierungspräsidium Gießen den Planfeststellungsbeschluss – das Projekt ist damit baureif. Die Finanzierung des Gesamtvorhabens ist jedoch noch offen, weshalb die Stadt nun auf neue Förderzusagen durch das Bundesprogramm „Infrastruktur-Sondervermögen“ hofft.

Topografische Herausforderung gemeistert
Die insgesamt 10 km langen Strecken führen vom tief gelegenen Stadtzentrum hinauf zu Universität und Klinikum auf den Lahnbergen – teils bis auf 370 Meter über Normalnull. Reine Batteriebusse wären hierfür ungeeignet, da sie für solche Steigungen und Reichweiten überdimensionierte Akkus bräuchten. Die Nutzung von Oberleitungen für den Aufstieg plus Batterie für freies Fahren ist deshalb effizienter und kostensparender.

Technik und Kapazität
Die Fahrzeuge sollen als rund 24 m lange Doppel-Gelenkbusse beschafft werden. Sie fahren rein elektrisch, beziehen während der Fahrt Energie über Oberleitungen und laden gleichzeitig ihre Batterien. Zudem wird Bremsenergie rückgewonnen. In der Hauptverkehrszeit ist eine Beförderungsleistung von zunächst bis zu 550 Fahrgästen pro Stunde vorgesehen, perspektivisch sogar bis zu 700.

Übersicht der geplanten Strecken – die elektrifizierten Strecken sind in blau eingezeichnet I © www.bob-marburg.de

Ausbau und Infrastruktur
Die Oberleitungsinfrastruktur wird nur auf besonders relevanten Streckenabschnitten errichtet. Geplant sind etwa 900 Fahrleitungs- und Quertragmasten im Abstand von rund 25 Metern, beispielsweise entlang der Neuen Kasseler Straße, des Ginseldorfer Wegs, der Panoramastraße und auf den Lahnbergen. Erforderlich sind außerdem mehrere Gleichrichterunterwerke, die Mittelspannung in 600–900 V Gleichstrom umwandeln.

Bürgerbeteiligung als Erfolgsfaktor
Seit Mai 2023 informiert die Stadt ihre Bürger:innen aktiv über das Projekt. An einer Auftaktveranstaltung im Mai nahmen rund 120 Personen teil, an einer weiteren im September etwa 60. Parallel dazu läuft der Online-Dialog über die Plattform „MarburgMachtMit“. Ziel ist es, Akzeptanz und Transparenz während des Planfeststellungsverfahrens sicherzustellen.

Fakten im Überblick

  • Ziel: Elektrifizierung der Linien 7 und 27 bis 2030
  • Topografie: Verbindung vom Lahntal auf bis zu 370 m Höhe
  • Technologie: Kombination aus Oberleitung (Steigungen, Energieversorgung) und Batterie (flexible Abschnitte)
  • Busse: Doppel-Gelenkbusse mit 24 m Länge, bis zu 700 Fahrgäste pro Stunde in Spitzenzeiten
  • Infrastruktur: Rund 900 Masten, Quertragseile, Gleichrichterunterwerke
  • Kosten: Etwa 45 Millionen Euro netto
  • Förderung Planungsphase: 1,52 Millionen Euro vom Bund
  • Genehmigung: Planfeststellungsbeschluss im August 2025, Finanzierung noch unsicher
  • Beteiligung: Infoveranstaltungen 2023 und Online-Plattform „MarburgMachtMit“
28.08.2025