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RVK Köln – WSW Wuppertal: Einigkeit macht hydrogen

Der RVK Köln und die WSW Wuppertal erhalten insgesamt 40 Wasserstoffbusse von Van Hool, hier WSW Bus 2043 an der Endhaltestelle Toelleturm I © Christian Marquordt

Im vergangenen Jahr 2019 schlossen sich die Regional-Verkehr Köln GmbH (RVK) und die Wuppertaler Stadtwerke GmbH (WSW) zusammen, um gemeinsam beim belgischen Busbauer Van Hool 40 Brennstoffzellen-Busse des Typs „Van Hool New A 330 FC“ zu bestellen. 30 der Wagen gehen an die RVK, 10 nach Wuppertal. Der Gedanke hinter der gemeinsamen Bestellung ist einfach: je mehr Fahrzeuge man ordert, desto größer ist der „Mengenrabatt“ pro einzelnem Bus. Nicht uninteressant gerade bei einem Fahrzeug, das bis heute ohnehin „ein paar Cent“ teurer ist.

Van Hool ist einer der europäischen Bus-Hersteller mit der längsten Erfahrung im Bau von Brennstoffzellen-Bussen: schon seit 2007 liefert man regelmäßig Busse mit Wasserstoff-Antrieb in die USA. Van Hool hat also schon 13 Jahre Erfahrung mit dieser Technik. Ist die Tatsache, dass die Wagen nach außerhalb Europas exportiert wurden, vielleicht ein Hinweis darauf, dass wir Europäer zu zögerlich mit moderner Technik sind?

RVK 405 am 01.07.2020 in Hürth, Stadtbahn Hermülheim I © Christian Marquordt

Wasserstoffbusse im Großraum Köln und in Wuppertal – warum?

a) die Regionalverkehr Köln – RVK

Schon vor ein paar Jahren sagte Eugen Puderbach, bis Jahresende 2020 Chef der Regionalverkehr Köln, dem Verfasser dieses Berichts: „Wir wollen mit unseren Bussen – nicht zuletzt zum Schutz der Umwelt – elektrisch fahren. Wir können aber – um nur ein Beispiel zu nennen – nicht in jedem relativ abgelegenen Ort in der Eifel an der Endstation unserer Buslinie eine Nachladestation für die Batterien aufbauen. Das kann kein Mensch bezahlen. Wenn wir also elektrisch fahren wollen, müssen wir uns was Anderes einfallen lassen.“

Puderbach nannte eine einfache Lösung: „Wir fahren mit Wasserstoff. Den bekommen wir im Großraum Köln eher preiswert, denn er fällt in den chemischen Fabriken der Region (Hürth, Köln und Leverkusen) als „Nebenprodukt“ an, das bislang noch nicht einmal jemand brauchen konnte. Weshalb man ihn durch Abfackeln einfach vernichtet hat.

Wir betanken also unsere Busse mit Wasserstoff. Den lassen wir in einer Brennstoffzelle mit dem Sauerstoff der Luft reagieren. Dabei entsteht Strom, und mit dem fahren unsere Busse völlig abgasfrei elektrisch. Das Einzige, was „hinten raus“ kommt, sind Wasserdampf und eventuell ein bisschen Wasser, beides zu 100 % chemisch rein.“

b) die Wuppertaler Stadtwerke – WSW

Bei der Elektrobus-Konferenz des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Februar in Berlin erläuterte WSW-Chef Uli (Ulrich) Jaeger das Wasserstoff-Konzept seiner Wuppertaler WSW wie folgt: „Neben unserem Busbetriebshof Nächstebreck liegt die Wuppertaler Müllverbrennungsanlage, die ebenfalls zu unserem WSW-Konzern gehört. Hier gewinnen wir durch die Müllverbrennung elektrischen Strom. Und den nutzen wir jetzt zur Erzeugung von Wasserstoff, mit dem unsere Busse dann fahren. Weil wir den Wasserstoff mit unserem eigenen Strom selber erzeugen und auch keine Transportkosten anfallen – Müllverbrennungsanlage und Busbetriebshof  grenzen unmittelbar aneinander – könnten unsere Busse gar nicht mit einem billigeren Kraftstoff unterwegs sein. Und dabei fahren sie auch noch absolut umweltfreundlich elektrisch.“

WSW Wuppertal 2043 verlässt die Endhaltestelle Markland I © Christian Marquordt

Die RVK als Wasserstoff-Pionier

Schon im Jahr 2011 stellte die Regionalverkehr Köln ihre beiden ersten Wasserstoff-Busse in Dienst. Unter den Wagennummern 10 und 100 kamen zwei 18 Meter lange Gelenkwagen vom Typ „Phileas 18“ des niederländischen Herstellers APTS (Advanced Public Transport Systems) zum Einsatz. Beide wurden betankt mit Wasserstoff aus dem „Chempark Hürth“, und weil hier ihre Tankstelle war, wurden sie auch im Bereich Hürth eingesetzt. Man fand sie also auf den Hürther Stadtlinien 711 bis 714 und auch gerne auf RVK-Linie 960 (Hürth Mitte – Köln Hauptbahnhof).

Der APTS Phileas steckte – neben seinem elektrischen Antrieb – voll von phantastischen Ideen. So war er auf allen drei Achsen nur einfach bereift, alle Räder konnten gelenkt werden. Das ermöglichte es, in einer „Parallelverschiebung“ auch dann absolut parallel zum Bordstein an die Haltestelle heranzufahren, wenn die Zufahrt eigentlich durch vorschriftswidrig geparkte Autos blockiert war. Bei Demonstrationen auf einem Testgelände funktionierte das auch prächtig …

Der Phileas hatte ein Problem, das ganz neue Technik schon mal hat: er litt an Kinderkrankheiten, und das leider nicht einmal wenig. So konnte er sich nicht nur nicht durchsetzen, APTS ging auch in die Insolvenz … (Ewig schade um die phantastischen Ideen, die im Phileas steckten.)

Die RVK ließ sich nicht entmutigen. 2015 kamen mit den Wagen 400 und 500 zwei neue Wasserstoffbusse, dieses Mal vom belgischen Hersteller Van Hool, der schon einiges an Erfahrung mit Wasserstoff-Bussen mitbrachte, weil er schon seit 2007 regelmäßig Wasserstoffbusse in die USA exportiert. Noch mussten die beiden Wagen aus Gewichtsgründen Dreiachser sein … Zum Einsatz kamen (und kommen) sie im Wesentlichen auf den Stadtbuslinien der beiden Nachbarstädte Brühl und Hürth, betankt werden sie im Chempark in Hürth, stationiert sind sie auf dem RVK-Betriebshof in Hürth … Als 2017 die Weltklimakonferenz in Bonn war, liefen sie für die Dauer der Konferenz auf einer Sonderlinie in Bonn. Auf dass die Konferenzteilnehmer dieses neue Antriebssystem für Busse kennenlernten …

Die Gemeinschaftsbestellung von RVK und WSW

Mit ihren beiden Wasserstoff-Van Hool war und ist die RVK zufrieden. Also schrieb man im vergangenen Jahr eine große Lieferung von 30 neuen Wasserstoffbussen aus, Wuppertals WSW „hängten“ sich mit zehn Wagen an. Aus der Ausschreibung ging Van Hool als Gewinner hervor. Van Hool bot (anscheinend) denselben Typ an, den man schon 2015 geliefert hat: den „New A 330 FC“. Aber es gibt einen ganz wesentlichen Unterschied:  wie wir oben sahen, ist der „Van Hool New A 330 FC“ von 2015 aus Gewichtsgründen ein Dreiachser, bis 2020 ist es dem belgischen Hersteller aber gelungen, das Gewicht des Wagens so zu reduzieren, dass er heute mit zwei Achsen auskommt …

WSW 2043, Heckansicht I © Christian Marquordt

Einsatz der neuen Wasserstoffbusse

a) bei der RVK

Bei der Regionalverkehr Köln laufen die neuen Wasserstoffbusse auf Linien der Betriebshöfe Bergisch Gladbach, Hürth, Meckenheim und Wermelskirchen. Die Betriebshöfe sind so ausgewählt worden, dass (in aller Regel) eine Wasserstoff-Tankstelle nicht weit weg ist. So laufen die Wagen des Betriebshofs Bergisch Gladbach zum Beispiel auf Linie 423 (Bergisch Gladbach – Flughafen Köln/Bonn). Hier können sie auf dem Flughafen tanken, denn dort gibt es Wasserstoff.

Lediglich beim Betriebshof Meckenheim (bei Bonn) muss die Tankstelle per Tank-Lastwagen mit Wasserstoff beliefert werden. Aber auch hier denkt man darüber nach, die Bedienung der Flughafen-Linie „SB 60“ (Bonn Hauptbahnhof – Flughafen Köln/Bonn über die Autobahn A 59) von den SWB zu übernehmen und dann auf dieser Linie die Wasserstoff-Busse einzusetzen, die dann ebenfalls auf dem Flughafen tanken könnten… 

b) in Wuppertal

Bedingt durch die Lage des Betriebshofs Nächstebreck im äußersten Nordosten des Stadtbezirks Barmen kommen die Wasserstoffbusse der WSW im Bereich Barmen zum Einsatz, dessen zentraler Punkt im Liniennetz der „Alte Markt“ ist. Die Pressestelle der WSW nennt als Linien, auf denen die Brennstoffzellen-Busse eingesetzt werden, die 640, die 644, die 646 … 

Fahreindruck

Der Fahreindruck des Verfassers beschränkt sich, dies sei nicht verschwiegen, auf die kurze Hürther Stadtlinie 720 und auf die Wuppertaler Linie 646. Vorab: bei beiden Betrieben äußerten sich die Fahrer, die der Verfasser ansprach, sehr zufrieden mit den Wasserstoffbussen. Ein Fahrer in Wuppertal: „Man muss den Wasserstoffbus ganz anders fahren als einen Diesel. Er soll ja – zum Beispiel beim Bremsen – Strom rekuperieren.“

Aber in Wuppertal geht es ja nicht wirklich eben zu. Eben ist es nur im schmalen Tal der Wupper, ansonsten geht es rechts und links steil die Berge hinauf. Und wie der Van Hool New A 330 FC da die Berge hinauf sprintet … Da bleibt jeder Diesel beschämt zurück.

Neue Bestellung zur Lieferung 2021

RVK und WSW sind so überzeugt vom Wasserstoffbus, dass sie längst eine neue Bestellung für Brennstoffzellen-Busse platziert haben. Für die RVK geht es jetzt um 26 neue Wagen, für die WSW erneut um zehn. Aber die neue Ausschreibung erbrachte ein anderes Ergebnis als die erste: das günstigste Angebot kam dieses Mal vom polnisch-spanischen Hersteller Solaris für dessen Typ „Solaris Urbino 12 hydrogen“.   

14.07.2020

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Jörg K.

Zu b) Wuppertaler Stadtwerke.

Interessant, dass der WSW Chef offensichtlich seinen eigenen Betrieb nicht kennt.

Zitat: „WSW-Chef Uli (Ulrich) Jaeger das Wasserstoff-Konzept seiner Wuppertaler WSW wie folgt: „Neben unserem Busbetriebshof Nächstebreck liegt die Wuppertaler Müllverbrennungsanlage, die ebenfalls zu unserem WSW-Konzern gehört.“

Also die MVA liegt auf den Südhöhen im Stadtteil Küllenhahn, der Betriebshof Nächstebreck im äussestern Nordosten.

Wenn man ca. 15 – 20 km Distanz dazwischen als „nebenan“ bezeichnet, bitte schön, aber Transportwege für den umweltfreundlichen Kraftstoff gibt es da schon.

Will die Bemühungen um den Klimaschutz nicht kaputtreden, aber es gibt bei der WSW ja noch die „Baustelle“ mit den neuen Schwebebahnen.

Mfg