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SAFRA – und sein neuer Wasserstoffbus „HyCity“

Safra HyCity Hydrogen | © Safra


Gründung und erste Jahre

1955 gründeten in der Rue de la Poudrière in der französischen Stadt Albi, gelegen etwa 80 Kilometer nordöstlich von Toulouse und Hauptstadt des Départements Tarn, Roger Bodoira und Marcel Espérou das Unternehmen Espérou-Bodoira. Espérou war bis 1962 Président des Unternehmens und verkaufte seine Anteile dann an Roger Bodoira, der damit zum Alleineigentümer wurde.

Espérou-Bodoira beginnt damit, Aufbauten auf die Fahrgestelle anderer Hersteller zu setzen. Vorwiegend entstehen Reisebusse. Aber ein frühes Werkfoto zeigt auch einen aufwändig gestalteten Linienwagen.     

Schon sehr bald firmiert das junge Unternehmen unter dem Namen SAFRA, wobei das die Abkürzung für „Société Albigeoise de Fabrication et Réparation d‘ Automobiles“ Ist.

Linienwagen von Safra auf Fahrgestell Saurer | © Safra
Es ging auch moderner: Safra Reisebus der „Midi-Klasse“als Frontkenker | © Safra

Reparaturen by Safra

Ein Werkfoto zeigt einen Mercedes-Benz O 302 im Jahr 1978 zur Reparatur im Safra-Werk.  

Safra als Reparaturbetrieb: ein Mercedes O 302 erlebt bei Safra eine gründliche Aufbauerneuerung | © Safra


Safra spezialisiert sich auf Linienbusse

Aufgrund seiner Erfahrungen und der Kompetenzen, die man unterdessen erlangt hatte, spezialisierte sich Safra in den siebziger Jahren ganz auf den Sektor Stadt-(Linien-)busse. Im Vergleich mit den damals Großen auf dem französischen Markt wie Renault (Saviem), Chausson und Berliet blieb man ein kleiner, aber feiner Spezialist, aber vor allem: man hielt sich am Markt, auf den zunehmend auch deutsche Anbieter wie MAN und Mercedes drängten. Anmerkung: Saviem war zeitweilig der Name für die Nutzfahrzeuge aus dem Haus Renault. Die Abkürzung steht für „Société Anonyme des Vehicules Industriels et de l‘ Equipement Mechanique“ (Aktiengesellschaft für Nutzfahrzeuge und mechanische Ausrüstung). Gerade der Umstand, dass auch Große wie Chausson und Berliet im Laufe der Jahre unter dem Dach von Renault landeten, mag dem „Kleinen“ Safra das Überleben ermöglicht haben. Es gibt Kunden, die wollen nicht das, was alle haben.        

Der Safra Businova

Auf der „Busworld“ im Jahr 2015, die damals noch auf dem Messegelände der belgischen Stadt Kortrijk stattfand, präsentierte Safra einen unorthodox gestylten Elektro-Stadtbus mit dem Typnamen „Businova“. In dem nicht nur das Wort Bus steckt, sondern vor allem auch das „Zauberwort“ Innovation. Einen ersten Prototypen des Businova hatte man schon 2011 in Strasbourg gezeigt. Der erste Serienwagen ging jetzt in die Stadt Gaillac. Schnell folgten als Kunden auch Businovas Geburtsstadt Albi und die Großstädte Toulouse und Marseille. Angeboten wurde der Businova in den drei Längen von 9.530 mm, 10.550 mm und 11.995 mm, seine Breite belief sich auf die inzwischen internatiional üblichen 2.550 mm. Hinter der Hinterachse hatten Elektromotor und die Batterien ihren Platz unter dem Fußboden gefunden. Dadurch ging es im Heck des Wagens vier Stufen hinauf in einen deutlich erhöhten Bereich, den Safra „Belvédère“ nennt.    

Wasserstoff-Antrieb

Und 2018 präsentierte Safra den Businova dann auch als Bus mit Wasserstoffantrieb. Er kombinierte einen Batteriepack mit einer Kapaziät von 132 kWh mit einer Brennstoffzelle mit einer Leistung von 30 kW, die der französische Hersteller Symbio beisteuert. Sein Elektromotor leistete 350 kW, die Reichweite des Wagens gab Safra mit 350 Kilometern an. In vier Druckflaschen aus dem Kunststoff Composite nahm der Businova 32 Kilogramm Wasserstoff mit. Die ersten sechs Serienwagen gingen 2019 in die Region Artois-Gohelle. Inzwischen, so sagt Safra, wurden 80 % aller Businova als Wasserstoffbusse geordert.

Auf der Busworld 2015, damals noch im belgischen Kortrijk, präsentiert Safra seinen Businova | © Christian Marquordt
Erster Safra Wasserstoffbus auf Basis des Businova-Modells in Artois-Gohelle | © Transdev

Der neue Safra HyCity

im Frühjahr 2022 präsentierte Safra seinen neuen Wasserstoffbus „HyCity“. Gleich auf den ersten Blick fällt es auf: er ist ein naher Verwandter des Businova.

Auf der diesjährigen „Busworld“ im Oktober in Brüssel wird der HyCity erstmals in einer aktualisierten Version debüttieren.

Technische Beschreibung

Der Wasserstoff, den der Wagen tankt, wird in sechs Druckflaschen (statt der üblichen fünf) gespeichert, die vorne auf dem Dach quer zur Fahrtrichtung (üblich mit der Fahrtrichtung) angeordnet sind. Er wird bei einem Druck von 350 bar gespeichert. Von den Druckflaschen wird er zur Brennstoffzelle des französischen Herstellers Symbio geleitet, die 48 kW leistet. Sie hat ihren Platz auf dem Dach im Heck des Busses gefunden. In der Brennstoffzelle reagiert der Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft und erzeugt dabei Strom, der unmittelbar zwei Radnabenmotoren in den Rädern der zweiten Achse antreibt. Jeder von ihnen leistet 115 kW, zusammen kommt der Wagen also auf 230 kW. Das entspräche im früheren Maß bei einem Dieselbus 313  PS.

Der Wagen ist 11.857 mm lang, 2.550 mm breit und 3.300 mm hoch. Der Abstand von Achse 1 zu Achse 2 (der Antriebsachse) beträgt  5.840 mm. Er erreicht ein Gesamtgewicht von 21 Tonnen – und bedarf damit einer Ausnahmegenehmigung.

Die Batterien arbeiten mit der Zellchemie Nickel-Mangan-Kobalt (NMC).und haben eine Kapazität von 135 kWh.

Lieferbar ist  der HyCity als Zwei- und Dreitürer. Als Zweitürer bringt er 33 Fahrgastsitze mit, der Preis für die dritte Tür ist, dass vier Sitzplätze entfallen.

Schon in Kürze will Safra seinen HyCity auch als Gelenkbus liefern.       

Safra HyCity Hydrogen | © Safra
Bestuhlung 3-Türer | © Safra

    

Vorerst nur für Rechtsverkehr

Bislang hat Safra nur auf den französischen Markt geliefert. Man ist aber selbstbewusst genug um zu sagen: „Wir können auch die übrigen zentraleuropäischen Märkte beliefern, und dafür haben wir auch die notwendigen Produktionkapazitäten.“ Da wird doch nicht jemand an Frankreichs unmittelbaren Nachbarn Deutschland denken? Doch, doch, Safra denkt so.

Diese „bunten Ostereier“ vom Typ HiCity lieferte Safra an DKBus, den Verkehrsbetriebe der französischen Stadt Dunkerque | © Safra
04.10.2023