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Siemens Mireo Plus H Wasserstoffzug kommt neben Baden-Württemberg auch in Bayern zum Einsatz

Der zweiteilige Mireo Plus H Brennstoffzellenzug wird neben Baden-Württemberg auch in Bayern eingesetzt I © Siemens Mobility

Die Bayerischen Staatsministerien für Wirtschaft und Verkehr unterstützen die Durchführung eines Probebetriebs mit einem wasserstoffbetriebenen Zug der Siemens Mobility GmbH im Freistaat Bayern. Neben dem geplanten Probeeinsatz in Baden-Württemberg soll der zweiteilige Triebzug soll unter anderem auf der Strecke Augsburg – Füssen getestet und ab Mitte 2023 eingesetzt werden. Der Pilotbetrieb im Netz der Bayerischen Regiobahn (BRB) ist auf zunächst 30 Monate angelegt. Der Wasserstoff-Zug wird in dieser Zeit in Augsburg stationiert.

Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten am Montag, 12.7.2021 Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Verkehrsministerin Kerstin Schreyer mit Spitzenvertretern von Siemens Mobility und der Bayerischen Regiobahn (BRB).

Der Wasserstoffzug wird auf Basis der Mireo Plus H-Plattform von Siemens Mobility entwickelt. Er soll auf oberleitungsfreien Strecken fahren und hat eine Reichweite von bis zu 800 km. Die Hauptkomponenten der Wasserstofftraktion sind zwei auf dem Dach montierte Brennstoffzellen. Komplettiert wird das System von Unterflurbatterien neuester Generation der Firma Saft. Das Fahrzeug wird im Frühjahr 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. Erste Sonderfahrten in Bayern sind für das Jahr 2023 geplant, bevor das Fahrzeug im Januar 2024 den offiziellen Passagierbetrieb aufnimmt.

Übersicht der Projektinhalte des H2goesRail Verbundförderprojektes von Siemens Mobility und der Deutschen Bahn I © Siemens Mobility/ DB AG

Die Entwicklung von alternativen Antrieben im Schienenverkehr ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Siemens Mobility. Das Unternehmen ist Vorreiter in Sachen nachhaltiger Mobilität und wird den erfolgreichen Regionalzug Mireo sowohl als Wasserstoff- als auch als batteriebetriebenen Zug anbieten. Zum Einsatz kommt das bekannte Fahrzeug Mireo Plus H, jedoch ausgestattet mit einer neuen Generation von Batterien zur Steigerung der Fahrleistungen und damit des Kundenkomforts.

Interaktive Übersicht des DB/ Siemens Verbundprojekts auf YouTube

Gemeinschaftsprojekt zwischen Deutscher Bahn und Siemens

Bereits im November 2020 gaben die Deutsche Bahn und Siemens bekannt, dass sie gemeinsam einen Brennstoffzellenzug inklusive entsprechender Betankungsinfrastruktur aufs Gleis bringen.

Das System aus Fahrzeug und der passenden Infrastruktur soll Dieseltriebzüge im Regionalverkehr ersetzen und die CO2-Emissionen auf der Schiene stark reduzieren. Geplant ist ein einjähriger Probebetrieb des Zuges im Raum Tübingen, den das Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg unterstützt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat eine Förderung des Projekts in Aussicht gestellt.

Bereits seit Ende 2020 kommen die Mireo Elektrotriebzüge u.a. bei der S-Bahn Rhein-Neckar durch DB Regio zum Einsatz I © DB AG/ Uwe Miethe

Die Deutsche Bahn entwickelt eine neuartige Wasserstofftankstelle. Damit kann der Zug in derselben Zeit betankt werden wie ein Dieselzug. Der Wasserstoff wird in Tübingen vor Ort mit Hilfe von Ökostrom produziert. Um den Zug warten zu können, wird das DB-Werk in Ulm entsprechend ausgerüstet.

Während des für 2024 geplanten Probebetriebs zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim wird der Zug einen dort fahrenden Dieseltriebwagen ersetzen. Der Wasserstoffantrieb wird dabei in einem Jahr etwa 330 Tonnen CO2 einsparen. Im Regionalverkehr betreibt die DB aktuell ca. 1300 Dieseltriebzüge. Rund 40 Prozent des 33.000 Kilometer langen Streckennetzes der Bahn sind nicht elektrifiziert. Neben der weiteren Elektrifizierung ist der Einsatz von Wasserstoffzügen für die DB eine Möglichkeit, klimaneutral zu werden.

Die Fakten

Offiziell trägt das Verbundförderprojekt den Namen „H2goesRail“. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat eine Förderung durch das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2) in Aussicht gestellt. Das NIP 2 wird von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich umgesetzt.

Die Fahrt mit Brennstoffzellenantrieb von Pforzheim nach Tübingen wurde simuliert und kann hier angesehen werden

Wasserstoffantrieb

Bei Wasserstoffantrieben entsteht aus der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie und als „Abfallprodukt“ Wasser. Der Einsatz solcher Züge ist für die DB eine Möglichkeit, klimaneutral zu werden und Dieselfahrzeuge durch alternative Antriebsarten zu ersetzen. Für die Erzeugung des umweltfreundlichen grünen Wasserstoffs wird Ökostrom genutzt. DB Energie stellt die Lieferung sicher.

Tankstelle

Der Wasserstoff wird in einer mobilen Tankstelle von DB Energie im DB Regio-Werk Tübingen durch Elektrolyse erzeugt. Dabei wird im sogenannten Elektrolyseur Wasser mit Hilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. In einem Kompressor verdichtet, wird der Wasserstoff in einem mobilen Speicher gelagert. Vor dem Tankvorgang wird der grüne Treibstoff im daneben liegenden Tanktrailer aufbereitet und gekühlt. Der mobile Aufbau ermöglicht weitere Erprobungsprojekte. DB Energie entwickelt, erprobt und optimiert die nötige Wasserstoffinfrastruktur.

Schnellbetankung

Der Zug wird in einem neuartigen Verfahren mit Wasserstoff betankt: Erstmalig dauert dies mit 15 Minuten nicht länger als die Betankung eines Dieseltriebzugs. Das ist ein wichtiger Aspekt angesichts der eng getakteten Zugfolgen im Regionalverkehr der DB. Damit wird die Wasserstofftechnologie im Betriebsalltag konkurrenzfähig zum bisher verwendeten Dieselkraftstoff.

Instandhaltung

Seit Juni 2020 kommen die ersten Mireo Elektrotriebzüge der DB Regio auf der Rheintalbahn zum Einsatz I © DB AG/ Uwe Miethe

Die Werkstatt von DB Regio in Ulm wird für die Instandhaltung von Wasserstofftriebzügen umgerüstet. Die Instandhaltung des Wasserstoffzuges kann dort dann durch umfangreich geschulte Mitarbeiter von DB Regio mit Unterstützung durch Mitarbeiter von Siemens Mobility erledigt werden.

Rund 2.500 Dieseltriebzüge gibt es heute noch in Deutschland – diese sollen in den kommenden Jahrzehnten durch Brennstoffzellen oder Batterietriebzüge ersetzt werden – im Bild eine RegioShuttle Doppeltraktion in Tübingen I © UTM

Probebetrieb

Der Brennstoffzellenzug wird 2024 ein Jahr lang zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim im Probebetrieb unterwegs sein. Geplant sind etwa 120.000 Kilometer planmäßiger Bahnbetrieb. Die Strecke eignet sich besonders wegen der für den Regionalverkehr beispielhaften Taktung des Fahrplans und der abwechslungsreichen Topografie. Der Mireo Plus H von Siemens wird einen auf dieser Strecke üblicherweise genutzten Dieseltriebwagen ersetzen und etwa 330 Tonnen CO2 einsparen. Die Triebfahrzeugführer werden speziell für das Fahrzeug ausgebildet und fahren dieses dann im Probetrieb.

Die Siemens Mireo Plus H Entwicklung

Siemens und Ballard Power Systems Inc., ein kanadischer Hersteller von Brennstoffzellen, arbeiten seit mehreren Jahren an der gemeinsamen Entwicklung eines Brennstoffzellen-Antriebs für die Siemens-Zugplattform Mireo. Zusammen haben die beiden Unternehmen eine neue Generation der Brennstoffzelle entwickelt, die über eine besonders lange Lebensdauer und Leistungsdichte sowie einen verbesserten Wirkungsgrad verfügt. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) ist Partner des im Jahr 2018 gestarteten Forschungsvorhabens. Siemens und die RWTH Aachen wurden im Rahmen des Projekts vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) durch das „Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ mit knapp zwölf Millionen Euro gefördert. Koordiniert wurde das Programm durch die NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

Übersicht der Antriebsarchitektur des batteriebetriebenen Mireo Plus B und des mit Wasserstoff und Batterien betriebenen Mireo Plus H I © Siemens Mobility

Die neue Regional- und Commuter-Plattform Mireo von Siemens wurde speziell für einen nachhaltigen und flexiblen Einsatz entwickelt und ist daher prädestiniert für die Erprobung eines alternativen Antriebs. Durch Leichtbauweise, energieeffiziente Komponenten und ein intelligentes Bordnetzmanagement verbraucht der Mireo – im Vergleich zu Zügen mit ähnlichen Fahrgastkapazitäten – bis zu 25 Prozent weniger Energie. Seit Mitte 2020 kommen die ersten Mireo Elektrotriebzüge zum Einsatz, und zwar 24 Dreiteiler bei der DB Regio im Rheintal, 57 weitere Dreiteiler fahren bei der DB Regio als S-Bahn Rhein Neckar sowie sechs Fahrzeuge bei der Mittelrheinbahn. Es liegen Bestellungen für 44 dreiteilige Mireo für die Augsburger Netze (Go Ahead), sieben Dreiteiler für das Karlruher Netz 7b (DB Regio), 18 Dreiteiler für das Netz Lausitz (DB Regio), sechs Vierteiler für das Netz Donau-Isar (DB Regio) und Vierteiler für das Netz Regensburg/Donautal (Agilis) vor. In der Batterievariante Mireo Plus B wurden bislang 20 Züge für das Ortenaunetz um Offenburg, drei für die Hermann-Hesse Bahn sowie 26 Fahrzeuge für das Netz Ostbrandenburg (NEB) bestellt. Insgesamt liegen somit Bestellungen für über 211 Fahrzeuge vor, davon 49 als zweiteilige Mireo Plus B Batterietriebzüge. Über die letzte Bestellung für das Netz Ostbrandenburg berichteten wir hier.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger freut sich über die Entwicklungspartnerschaft. „Der Zug ist ein weiterer wichtiger Baustein der bayerischen Wasserstoff-Strategie. Mein Ministerium treibt die Forschung, Entwicklung und Anwendung im Bereich der H2-Technologie voran. Wir setzen das Projekt gemeinsam mit den Partnern auf das Gleis, weil wir überzeugt sind, mit Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten zu können. Wir werden in Bayern beweisen, dass mit grünem Wasserstoff Wirtschaft und Klimaschutz unter einen Hut zu bekommen ist.“

Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr erklärte: „Der Freistaat Bayern setzt sich ehrgeizige Klimaziele und will auch im Verkehrssektor eine klare Klimaschutzstrategie umsetzen. Innovative Technologien und grüner Wasserstoff spielen dabei eine besondere Rolle. Wasserstoff birgt ergänzend zur direkten Stromnutzung durch seine vielfältigen und flexiblen Anwendungsbereiche das Potenzial, auch den Bereich des Schienenverkehrs zukünftig vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Ich freue mich, dass der Freistaat diese innovative Technik auf diesem Wege auch im Regelbetrieb testen kann.“

Der Dieseltriebwagen Baureihe VT 628 der Südostbayernbahn hat auf seiner Fahrt über die Rottalbahn von Passau nach Mühldorf vor wenigen Minuten den Bahnhof Bad Birnbach verlassen und passiert nun Schwaibach. Hier sollen zukünftig Brennstoffzellenzüge fahren I © DB AG/ Uwe Miethe

Karl Blaim, Geschäftsführer, Siemens Mobility: „Siemens Mobility ist ein führender Anbieter bei der Entwicklung alternativer Antriebe, die gerade im Regionalverkehr, wo es keine elektrifizierten Oberleitungen gibt, erheblich zur Reduzierung von Emissionen beitragen kann. Die Technologiepartnerschaft zwischen Siemens Mobility und dem Land Bayern ermöglicht die Weiterentwicklung des Mireo Plus H für Bayern und unterstützt einen klimafreundlichen Personenverkehr im Land.“

Arnulf Schuchmann, technischer Geschäftsführer der Bayerischen Regiobahn, sagte: „Wir haben uns dazu bereiterklärt, die Wasserstofftechnologie zu testen und den Zug der Firma Siemens Mobility im Fahrgastbetrieb zu erproben, weil wir neugierig und offen für alternative Antriebsformen auch im Eisenbahnbereich sind. Innerhalb der Transdev-Gruppe, zu der wir gehören, besteht bereits große Erfahrung mit alternativen Antrieben im Busbereich.“ Es sei aber bei Weitem nicht damit getan, den Wasserstoffzug aufs Gleis zu setzen, vielmehr müssten im laufenden Betrieb viele Aspekte beachtet werden. Sicherheitsauflagen müssen umgesetzt werden, Schulung der Mitarbeitenden, die Betankung des Fahrzeugs, die Strecken, auf denen es unterwegs sein soll und viele weitere Aktivitäten haben bereits begonnen.

15.07.2021
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