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Siemens und Stadler liefern nächste S-Tog Generation für Kopenhagen

Ein Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler liefert mindestens 223 neue S-Tog S-Bahn in die dänische Hauptstadt I © Siemens/ Stadler

Mit der Vergabe eines Großauftrags an ein Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler Rail hat die dänische Staatsbahn DSB einen entscheidenden Schritt zur grundlegenden Modernisierung des Kopenhagener S-Bane-Netzes vollzogen. Der Vertrag umfasst die Lieferung von mindestens 226 neuen elektrischen S-Bahnen sowie deren Instandhaltung über einen Zeitraum von 30 Jahren und hat ein Gesamtvolumen von rund 23 Mrd. DKK, was etwa 3 Mrd. Euro entspricht. Es handelt sich damit um eines der größten Einzelbeschaffungsprojekte im skandinavischen Schienenpersonennahverkehr der vergangenen Jahrzehnte und zugleich um die Grundlage für die vollständige Automatisierung des wichtigsten städtischen Eisenbahnsystems Dänemarks.

Die neuen S-Tog Züge werden für den fahrerlosen (GoA4) Betrieb ausgelegt I © Siemens/ Stadler

Die neuen Fahrzeuge sind für den vollautomatischen Betrieb ohne Triebfahrzeugführer nach Automatisierungsgrad GoA 4 ausgelegt. Damit folgt das S-Bane-System künftig demselben betrieblichen Prinzip wie die seit Jahren erfolgreich betriebene Metro Kopenhagen, allerdings in deutlich größerem Maßstab und auf einem konventionellen Eisenbahnnetz. Die Entscheidung für eine Vollautomatisierung ist eng mit den verkehrspolitischen Zielen der dänischen Regierung und der Region Hovedstaden verknüpft, die im Rahmen langfristiger Infrastrukturprogramme eine deutliche Angebotsausweitung auf der Schiene vorsehen.

Technisch handelt es sich bei den neuen S-Bahnen um vierteilige elektrische Triebzüge mit einer Länge von rund 56 m und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Jeder Zug bietet 156 Sitzplätze und verfügt zusätzlich über großzügige Mehrzweckbereiche mit Platz für 16 Fahrräder sowie zwei Rollstuhlplätze. Die Fahrzeuge sind vollständig niederflurig ausgelegt und ermöglichen einen stufenlosen Einstieg an allen Stationen des Netzes. Für den Betrieb in der Hauptverkehrszeit ist vorgesehen, bis zu drei Einheiten zu kuppeln, um längere Züge mit entsprechend höherer Kapazität zu bilden.

Bis zu drei vierteilige Einheiten können gekuppelt werden I © Siemens/ Stadler

Der Innenraum folgt einem flexiblen Gestaltungskonzept mit breiten Türen, offenen Mehrzweckzonen und verschiedenen Sitzanordnungen, darunter Arbeitsbereiche mit Tischen. Eine leistungsfähige Klimaanlage, moderne Fahrgastinformationssysteme sowie eine umfassende Videoüberwachung gehören ebenso zur Serienausstattung wie fortschrittliche Sicherheitssysteme, die speziell auf den fahrerlosen Betrieb ausgelegt sind. Die Automatisierung erfordert zudem eine enge Integration der Fahrzeuge mit der Leit- und Sicherungstechnik, für die Siemens Mobility umfangreiche Erfahrung aus internationalen Projekten einbringt.

Der langfristige Wartungsvertrag über 30 Jahre ist ein zentraler Bestandteil der Beschaffung. Er umfasst die technische Verantwortung für die Fahrzeugflotte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg und soll eine hohe Verfügbarkeit sowie planbare Kosten für DSB sicherstellen. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass DSB-eigenes Personal weiterhin in die Instandhaltung eingebunden bleibt, während das Konsortium Know-how, Ersatzteilversorgung und Systemverantwortung übernimmt. Dieses Modell spiegelt den zunehmenden Trend zu lebenszyklusorientierten Beschaffungen im urbanen Schienenverkehr wider.

Mit der Einführung der vollautomatischen Züge sind erhebliche betriebliche Verbesserungen verbunden. Auf den stark belasteten Innenstadtabschnitten des S-Bane-Netzes sollen künftig Zugfolgezeiten von bis zu 90 Sekunden möglich sein, während auf den Außenästen in der Hauptverkehrszeit Takte von maximal 7,5 Minuten angestrebt werden. Insgesamt rechnet DSB mit einer Angebotsausweitung von bis zu 35 Prozent auf ausgewählten Linien. Dies ist vor dem Hintergrund steigender Fahrgastzahlen von großer Bedeutung: Bereits heute nutzen jährlich über 110 Mio. Fahrgäste das S-Bane-Netz, das das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Metropolregion Kopenhagen bildet.

Der Zeitplan für die Einführung der neuen Züge ist langfristig angelegt. Ab 2032 sollen die ersten vollautomatischen Fahrzeuge zunächst auf der Ringlinie F zwischen København Syd und Hellerup in den Fahrgastbetrieb gehen. In den darauffolgenden Jahren ist eine schrittweise Ausdehnung des automatisierten Betriebs auf das gesamte Netz vorgesehen, wobei der vollständige Übergang voraussichtlich bis in die späten 2030er-Jahre dauern wird. Parallel dazu sind umfangreiche Anpassungen an Infrastruktur, Signaltechnik und Betriebsorganisation erforderlich.

Wir berichteten über die Ausrüstung mit neuer Signaltechnik an folgender Stelle:

Mit diesem Projekt positioniert sich Kopenhagen international als Vorreiter für die Automatisierung großer S-Bahn-Systeme. Während fahrerlose Metros weltweit etabliert sind, stellt die vollständige Automatisierung eines hochbelasteten, verzweigten Eisenbahnnetzes mit Mischverkehr an Knotenpunkten eine besondere Herausforderung dar. Für Siemens Mobility und Stadler bedeutet der Auftrag eine weitere Referenz in einem strategisch wichtigen Markt, für DSB und die Region hingegen die Chance, Kapazität, Zuverlässigkeit und Attraktivität des öffentlichen Verkehrs langfristig zu sichern.

14.01.2026